US-Dollar vor gewaltigem Short-Squeeze?
von Marco Feiten
21.10.09 12:16:15
Gestern war ich am Flughafen Köln/Bonn und schaute während des Wartens in einem Geschäft die Börsen-Zeitschriften durch. Nicht wenige Magazine haben aktuell Gold auf der Titelseite, was sich in den vergangenen Jahren regelmäßig als guter mittelfristiger Kontraindikator erwiesen hat. Auch die „Bild“ hatte jüngst über Gold berichtet. Und dass das britische Kaufhaus Harrods nun Gold anbietet, spricht auch nicht gerade dafür, dass wir es mit einem Geheimtipp zu tun haben, sondern eher mit einer Hausse die am – zumindest vorläufigen - Ende steht.
Doch was könnte der Auslöser dafür sein, dass sich die Dinge anders entwickeln, als es der Mainstream gerade erwartet?
Der Grund muss im US-Dollar zu finden sein, denn dieser stellt als Weltreservewährung die wichtigste Alternative zum Gold dar. Was könnte also dazu führen, dass es entgegen der derzeit vorherrschenden These eines US-Dollar-Crashs zu seiner gewaltigen Rally im US-Dollar kommt? Womöglich ein Short-Squeeze historischer Dimension?
So lange ist der letzte Short-Squeeze des US-Dollar noch gar nicht her, also macht es sicher Sinn zu schauen, was damals der Grund war. Dazu empfiehlt sich die Lektüre des aktuellen Beitrags "The US dollar shortage in global banking and the international policy response” der Bank für Internationalen Zahlungsausglich (BIZ):
„The funding difficulties which arose during the crisis are directly linked to the remarkable expansion in banks’ global balance sheets over the past decade. Reflecting in part the rapid pace of financial innovation, banks’ (particularly European banks’) foreign positions have surged since 2000, even when scaled by measures of underlying economic activity. As banks’ balance sheets grew, so did their appetite for foreign currency assets, notably US dollar-denominated claims on non-bank entities.”
Eine Schlüsselerkenntnis ist demnach, dass international agierende Banken gigantische Verbindlichkeiten in US-Dollar aufgebaut haben. Um eine Vorstellung über die Dimension zu bekommen, ist diese Grafik aussagekräftig:
Die „US-Dollar-Position“ ist zum Teil weitaus größer als das Bruttoinlandprodukt der Heimatländer! Die BIZ spricht von einer Gesamtverbindlichkeit von 6,5 Billionen US-Dollar! Die exorbitante Ausweitung der US-Notenbank-Bilanz kam also zustande, weil die Fed in gewisser Hinsicht die Rolle des „lender of the last resort“ für die „gesamte Welt“ eingenommen hat. Daraus ergeben sich weitreichende Implikationen:
- Die Geldmenge in US-Dollar kann sehr schnell wieder schrumpfen und stellt nicht notwendigerweise ein inflationäres Pulverfass dar.
- Nun nachdem die „Welt gerettet“ wurde und überall aus den „green shots“ harte Zahlen werden, steigt der Druck auf die US-Notenbank, die Unterstützungsmaßnahmen zu reduzieren.
- Durch die extremen Maßnahmen der US-Notenbank zeigt sich nun überall das Phänomen des moral hazard. Der US-Dollar fungiert nun als Carry Trade Währung par excellence und global wächst eher die Sorge vor einer US-Dollar-Inflation. Die US-Notenbank wird womöglich gezwungen sein, die Zinsen auch in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld anzuheben, um keine Bubble 3.0 entstehen zu lassen. Der Reflations-Trade könnte dann recht plötzlich in sich zusammenfallen.
Was bedeutet das?
Ich sehe ein gewisses Potenzial dafür, dass diese Entwicklungen nicht kontrolliert verlaufen, sondern sich plötzlich entladen. Der „Bail Out 2008“ hat die Basis gelegt für einen noch viel größeren US-Dollar Short Squeeze und dieser könnte weitaus heftiger ausfallen als jener in 2008, da nun die Fed womöglich nicht mehr als „lender oft he last resort“ fungieren kann.
Es spricht vieles für ein unmittelbar bevorstehendes Tief des US-Dollar und für ein Ende der „Reise nach Jerusalem“ an den Aktienmärkten. Sollte der US-Dollar von seinem bevorstehenden Tief aus eine Rally von 30 bis 40% hinlegen, dürfte dies den Edelmetallinvestoren nicht gut bekommen.
Es muss nicht zwingend zu einer solchen Entwicklung kommen, aber ich würde doch jedem Gold-Anleger raten, nicht zu euphorisch angesichts des charttechnisch gelungenen Ausbruchs zu werden. Ich glaube, dass alle nun diskutierten Themen wie Staatspleiten, Inflation, Dollar-Crash etc. absolut eine Daseinsberechtigung haben. Aber auf der anderen Seite sprechen das erreichte Verschuldungsmaß sowie der demografische Wandel für eine sehr starke deflationäre Kraft. Ich glaube daher, dass die aktuell diskutierten Themen erst in 5 bis 6 Jahren tatsächlich akut werden dürften und bis dahin eher - bei extremer Volatilität – die deflationären Kräfte wirken werden.
Und die nächste Runde in diesem Kampf könnte begleitet werden durch einen historisch beispiellosen Short Squeeze im US-Dollar.
Marco Feiten
http://www.smartobserver.de/
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