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Vom Fall des Papiergelds und Papiergolds

von Peter Boehringer E-Mail 29.10.09 16:18:29

In diesem Blogeintrag lesen Sie drei kurze Meldungen von heute, die nur auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Auf den zweiten geht es in allen Fällen um Entfremdung: die der türkisch-arabischen Welt nämlich, an der der "Westen" mit seiner absurden Währungs- und globalistischen Machtpolitik durchaus mit schuld ist [was natürlich keineswegs heißen soll, dass wir zur "Kompensation" des Orients nun alle Visa-Schranken aufgeben sollten, wie es unsere multikulturellen Gutmenschen ständig fordern und durchsetzen!]. Es ist aber logisch, dass westliche Scheinwerte (Dollar, Papiergold) und entkernte westliche Symbole (WTI) ausgerechnet vom politisch inkorrekten Orient als solche entlarvt werden. Schon schlimm, dass ausgerechnet intolerante und totalitäre Regimes hier klarer sehen als die westlichen Medien...


1. Die Türkei wird einen Teil ihres Handels von Dollar und Euro auf nationale Währungsabrechnung umstellen.
Einerseits ist dieser Schritt für einen chronischen Pleitier bzw. für den größten IWF-Dauerschuldner Türkei ein wenig arrogant. Aber das ist ja nichts wirklich neues und zudem kann man in diesem Fall der Türkei keinen Vorwurf machen. Noch viele Länder werden diesem türkischen Schritt bei der aktuellen Dollar-Monetarisierungs-Orgie folgen. Das erste war ja bekanntermaßen der Irak unter Saddam Hussein. Hoffen wir also, dass der FMDWJGM (Friedensnobelpreisträger-mit-dem-weltgrößten-je-gesehenen-Militärhaushalt) Obama nicht analog zum Irak deswegen nun gleich in die Türkei einmarschiert. Es würde für den Anfang ja schon genügen, endlich die EU-TÜ-Beitrittsverhandlungen abzubrechen, worüber bekanntermaßen in Washington entschieden wird...
"Turkey to use national currencies in trade with Iran, China
http://en.rian.ru/business/20091028/156617011.html

[diese Quelle ist manchmal zweifelhaft - hier aber durch die türkische Milliyet bestätigt]
ANKARA, October 28 (RIA Novosti) - Turkey is switching to national currencies in trade with Iran and China, ending dependence on the U.S. dollar and the euro for about 20% of its commodity turnover, local media reported on Wednesday. Turkey has already switched to settlements in national currencies with Russia amid weakening confidence in the greenback as the world's major reserve currency. The move was initiated by Turkish President Abdullah Gul during his visit to Moscow in February. Turkey's decision to make settlements with Iran and China in national currencies was announced during a visit to Iran by Turkish Prime Minister Recep Tayyip Erdogan. The Turkish premier told a Turkish-Iranian business forum on Tuesday that the countries had prepared a legal framework for transition to settlements in national currencies. 'We have adopted a necessary legislative act and are prepared for the transition', the Turkish newspaper Milliyet quoted Erdogan as saying."

2. Was der Türkei ihre Lira ist den Saudis ihre Ölsorte: Saudi-Arabien handelt künftig Öl nicht länger auf West Texas Intermediate (WTI) - Sortenbasis
Dieser Schritt hat kaum wirtschaftliche Bedeutung (außer dass er Ölspekulationen via WTI und Nymex-Papieröl erschwert) - aber durchaus symbolische. Auch hier mein Kommentar wie zu 1: Ein sinnvoller Schritt! Man muss kein Freund Saudi-Arabiens sein, um diese Entscheidung nachvollziehen zu können.
"Saudis drop WTI oil contract
http://www.ft.com/cms/s/0/8cda145a-c3fe-11de-8de6-00144feab49a.html?nclick_check=1
Published October 28 2009 20:27
Saudi Arabia on Wednesday decided to drop the widely used West Texas Intermediate oil contract as the benchmark for pricing its oil, dealing a serious blow to the New York Mercantile Exchange. The decision by the world’s biggest oil exporter could encourage other producers to abandon the benchmark and threatens the dominance of the world’s most heavily traded oil futures contract. It is the main contract traded on Nymex."


3. Der erste Gold-ETF der Golfstaaten ist ein Flop: Nach 6 Monaten wurden nur ETF-Anteile über lächerliche 4m Dollar verkauft... :)) Applaus nach Dubai! Die Araber haben sich offenbar ihren Realitätssinn für wahre Werte erhalten. Papiergold wird nicht als Anlageklasse anerkannt! Das westliche Papiergeld und das ETF-Papiergold sehen die Investoren dort wie einst "Queen" in Bohemian Rhapsody: "Is this the real thing? No - it´s just phantasy!" *)
"Gold ETC slow to take off in Gulf:
http://www.reuters.com/article/MiddleEastInvestment09/idUSTRE59R2J720091028
DUBAI, Oct 28 (Reuters) - The Gulf region's first gold exchange traded commodity (ETC), a new investment vehicle launched earlier this year, is seeing only modest growth due to regional unfamiliarity with the product. Grant Collins, senior managing director of the Dubai Commodity Asset Management, said the security was also hampered by a trend for bullion investment in the Middle East to come from individuals rather than institutions or funds. Collins told the Reuters Middle East Investment Summit that the group may not have realised just how much people preferred to have the the gold rather than a gold-backed product."

*) Hörenswert in diesem Zusammenhang übrigens die sehr gelungen Persiflage "Bohemian Bancruptcy" von "Drag Queen", deren LeadSänger zwar peinlich aussieht - aber fast so gut wie Freddie Mercury singt und auch ebenso schwul ist. Die erste Liedzeile lautet passend zur Krise: "Are you in real strife? Are you near bancruptcy? Thought it a safe ride - not a race to insanity..."

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1 Kommentar

Kommentar from: Christoph Huber [Besucher]
*****
Schon die immer noch erhältlichen Anlagebriefe von PB bis zu den "Meistern des Goldes" sind Dokumente von allerhöchstem, wissenschaftlichem Wert. Einfach genial und eine Art Wellness, abseits der Systempresse!

* * * * *

=> AW PB: Danke sehr für Ihren freundlichen Kommentar, Herr Huber. Ab und zu braucht man zur Motivation so ein Feedback.

Eine kleine Anmerkung jedoch: "Wissenschaftlich" im heutigen Sinne schreibe ich im Blog natürlich nicht. Ich belege ja nicht jeden Gedankengang per Fußnote, was öfters auch gar nicht ginge, weil es eben oft zwar logische aber auch non-konforme Schlussfolgerungen sind, die der akademische Mainstream (und damit die heute im Bologna-Uni-System so wichtigen wissenschaftlichen "Peers") nie ziehen dürfte. Im heutigen universitären Betrieb hätte man daher mit solchen Texten keine Chance. Erst dann wieder, wenn die Papiergeld-gläubigen VWL-Fakultäten ihre selbstverschuldete Unmündigkeit überwinden und wieder eigenständig und aufgeklärt und ohne Peer-Reviews und "Equis"-Punkte und vor allem mit gesundem Menschenverstand forschen.

Ich sehe meine Arbeit im Blog daher eigentlich nicht als "wissenschaftlich", sondern eher als "gesundmenschenverständlich" an.

Wie sagte mal der polnische Publizist S. Lec:

"Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte."
30.10.09 @ 00:02

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