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Ist der Staatsbankrott "sicher"?

von Peter Boehringer E-Mail 19.11.09 16:29:40

Manchmal erkennt man an der Wortwahl des Mainstreams, wie sich die Zeiten ändern: 2004 hatte ich beim Verfassen eines Artikel zunächst noch einen Moment gezögert, den "mit mathematischer Sicherheit kommenden Staatsbankrott" zu prognostizieren aus Angst, mich mit dieser Rhetorik komplett zu desavouieren [Zudem ist es bei Exponentialfunktionen wie den Staatsschulden mathematisch falsch, von einem "Ende" zu sprechen - das Ende wird eben nicht mathematisch erreicht, sondern nur über den kompletten Vertrauensverlust während der Beschleunigungsphase der Schuldenkrise].

Und 2009 steht nun der "mathematisch sichere Staatsbankrott" fast wörtlich im "Handelsblatt" (vom 18.11.2009):

"Kein anderer Staat der Euro-Zone hat jahrelang so beständig die Vorgaben des EU-Stabilitätspaktes ignoriert. Und niemand hat die Geduld der Partner mit so unzuverlässigen Wirtschaftsdaten strapaziert wie die Griechen: Bezifferte die konservative Regierung das diesjährige Haushaltsdefizit noch im September auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), schockte ihre sozialistische Nachfolgerin wenige Wochen später den EU-Finanzministerrat mit einer Defizitprognose von 12,7 Prozent. "Greek Statistics" ist inzwischen ein geflügeltes Wort in Brüssel, wenn man von frisierten Daten spricht. Der vor sechs Wochen abgewählte konservative Premier Kostas Karamanlis hinterließ einen finanzpolitischen Scherbenhaufen. Das Land steckt in der schwersten Finanzkrise seit Kriegsende. Die Spirale aus wachsenden Schulden und Defiziten dreht sich immer schneller. Nach einer Hochrechnung der EU-Kommission wird Griechenlands Staatsverschuldung von 99,2 Prozent des BIP Ende 2008 bis zum Jahr 2011 auf 135,4 Prozent steigen - ein Teufelskreis, der mit mathematischer Sicherheit zum Staatsbankrott führen muss, wenn er nicht bald durchbrochen wird. Dass dieser Fall noch nicht eingetreten ist, verdanken die Griechen allein der Mitgliedschaft in der Währungsunion, die sie sich zu allem Überfluss Ende der 1990er-Jahre mit geschönten Defizitzahlen erschlichen haben. Sie können von Glück sagen, dass die Täuschung geklappt hat."

=> Während sich somit also die Wortwahl der Mainstream-Medien in bemerkenswerter Weise in Richtung "Realität" ändert, fehlt noch immer eine gewisse Fähigkeit zu Transferleistungen. Selbst wenn diese völlig naheliegend sind. Nehmen wir doch nur einmal den eben zitierten Absatz aus dem Handelsblatt und formulieren ihn auf die USA um. Er würde dann wie folgt lauten - die Unterschiede zu Griechenland sind in GROSSEN Buchstaben gesetzt:

"Kein anderer Staat der WELT hat jahrelang so beständig die Vorgaben eines NICHT VORHANDENEN Stabilitätspaktes ignoriert. Und niemand hat die Geduld der Partner mit so unzuverlässigen Wirtschaftsdaten strapaziert wie die USA: Bezifferte die konservative Regierung das diesjährige Haushaltsdefizit noch im September 2008 auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), schockte ihre sozialistische Nachfolgerin wenige Monate später DIE WELT mit einer Defizitprognose von 11 Prozent. "US STATISTICS" ist inzwischen ein geflügeltes Wort in DER WELT, wenn man von frisierten Daten spricht. Der vor ZWÖLF MONATEN abgewählte konservative Premier GEORGE W. BUSH hinterließ einen finanzpolitischen Scherbenhaufen. Das Land steckt in der schwersten Finanzkrise seit Kriegsende. Die Spirale aus wachsenden Schulden und Defiziten dreht sich immer schneller. Nach einer Hochrechnung von [Z.B.] CASEY RESEARCH wird die [OFFENE] US-Staatsverschuldung von 75 PROZENT des BIP Ende 2008 bis zum Jahr 2011 auf 135 PROZENT steigen - ein Teufelskreis, der mit mathematischer Sicherheit zum Staatsbankrott führen muss, wenn er nicht bald durchbrochen wird. Dass dieser Fall noch nicht eingetreten ist, verdanken die USA allein der STELLUNG DES DOLLARS ALS WELTLEITWÄHRUNG, die sie sich 1944 MIT DEM VERSPRECHEN, DEN DOLLAR "GUT WIE GOLD" ZU HALTEN, erschlichen haben. Sie können von Glück sagen, dass die Täuschung geklappt hat."

=> Dass diese beiden Absätze zu GR und den USA so extrem ähnlich aussehen würden, ist kein Zufall. De facto gab es weder für die USA noch für die EU je einen belastbaren "Stabilitätspakt". Weder in Bretton Woods 1944, noch in Maastricht 1992, noch bei der Einführung des EUro 1999 bzw. 2002. Den Weg der kompletten Verwässerung des EUro-Stabilitätspaktes zwischen 1997 und 2005 durch die EUliten bis hin zur völligen Unwirksamkeit mit den heute in Griechenland am "fortgeschrittensten" erkennbaren Folgen hatte ich vor fast 5 Jahren in einem Artikel beschrieben: "Die wahre Bedeutung des (eines) Stabilitätspaktes". Hier ein Auszug daraus, der das Drama erklärt, aus dem es heute weder für den Euro noch für den Dollar einen "mathematisch" gangbaren Ausweg gibt:

"Zudem wurde ein u.E. rechtlich sehr problematischer Einstieg in die Abgrenzung „guter" (=herausrechenbarer) und „schlechter" Ausgabenkategorien geschaffen. Dies passt sehr gut in das heute immer mehr vorherrschende Klima der Beeinflussung nationalstaatlicher Entscheidungen mittels dubioser Lenkungsmechanismen im Grenzbereich zwischen UN-Recht, Moral, Ethik, internationaler Solidarität und „political correctness". Der nationale (und auch der europäische) Rechtsstaat wird so unter dem Deckmantel wohl klingender Begriffe peu à peu ausgehöhlt. Willkürliche Machtausübung ersetzt einklagbare und rechtsstaatlich verbindliche Regelungen. Nebulöse qualitative statt quantitative Regelungen; so lieben es die Geisteswissenschaftler und die Politiker: Man kann diskutieren und Volkswirtschaften vermeintlich auch gegen den Markt „managen" anstatt die Fakten anerkennen zu müssen. Einen Automatismus für die Einleitung eines Strafverfahrens gibt es nicht mehr. Glaubhafte Sanktionsmechanismen sind nun verschwunden. Es wird künftig praktisch nicht mehr zur Eröffnung von Defizitverfahren kommen. [...] Weder das heutige Papiergeld noch eine Goldwährung sind bzw. wären durch diese Gütermenge juristisch gedeckt. Geld oder Gold verbriefen und garantieren keinen juristischen Anspruch auf Lieferung einer bestimmten Gütermenge. Im „Konkursfall" eines Staates gibt es keinen Automatismus, nach dem staatliche oder privat gehaltene Güter quasi als Konkursmasse an die Gläubiger fließen würden. Gerade deshalb kann es in einem solchen Fall so entscheidend sein, dass die ultimative Währung Gold eben keine Werte verbrieft, sondern einen zwar volatilen und auch von psychologischen Faktoren abhängigen – aber eben einen Wert an sich darstellt, der niemals auf Null fallen kann!"

=> Euro und Dollar sind wie alle ungedeckten und zinstragenden Kreditgeldwährungen hochverschuldeter Staaten mittelfristig nicht mehr zu retten. Die Gesellschaften in Europa und den USA dagegen hoffentlich schon noch, denn die reale Substanz (Menschen, Bildung, Land(wirtschaft), Infrastruktur, Industrie, Rohstoffe und Know-How) ist ja noch nicht komplett nach Asien verschifft oder an die Elite-Banken verpfändet. Aber wir müssen dazu unbedingt den falschen Göttern der Political Correctness [= systemische Lügnerei] abschwören und endlich aufhören, die durch die heimliche, moralisierende und globale Welt-Planwirtschaft entstandenen Probleme totzuschweigen.

=> Fangen Sie an beim absurden Ökoterror des CO2-Mangements, und machen Sie weiter beim perversen und extrem folgenreichen Patentieren von Lebewesen durch die Monsantos der Welt. Es gibt viel zu hinterfragen - fangen Sie an!

=> Und natürlich: Got Gold? Denn die Welt-Planwirtschaft wird durch Kreditgeld aus dem Nichts finanziert.

9 Kommentare

Kommentar from: Peter Küster [Besucher]
*****
Die Umformulierung der HB - Zeilen für Griechenland auf die USA ist sehr gelungen
und macht deutlich, wo beide Staaten - trotz gewisser Unterschiede- stehen
19.11.09 @ 17:31
Kommentar from: K. Berkmann [Besucher]
*****
Das Traurige ist, dass im Deutschen Bundestag 622 hochbezahlte Abgeordnete sitzen, dazu Minister und Staatssekreätre, deren Aufgabe es wäre, was Griechenland betrifft, diese Missstände zu artikulieren und im Interesse der deutschen Steuerzahler etwas zu unternehmen. Z.B. wirksame Sanktionen oder Rauswurf aus der Währungsunion.
Mir ist nicht bekannt, dass irgendein Politiker das tut.
Unsere Volksvertreter scheinen ihre Hauptaufgabe darin zu sehen, das Volk jedes Jahr noch mehr zu schröpfen, Steuermilliarden zu verpulvern und damit z.B. die Griechen zu füttern.
Weil, man will ja Europa spielen, und die deutschen Steuerzahler zahlen alles. Bis zum finalen Bankrott.

So langsam denke ich auch an Laternenmasten und was man daran alles aufhängen könnte ...
20.11.09 @ 12:14
Kommentar from: Eigen [Besucher]
@ K. Berkmann

Die gusseiserne Nr. 13, von 1882 würde sich wahrscheinlich gut eignen. Vielleicht gibt's noch ein paar in Spandau ?.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/68/Freilichtmuseum_Berlin_Gaslaterne_Nr_13.jpg/450px-Freilichtmuseum_Berlin_Gaslaterne_Nr_13.jpg
20.11.09 @ 14:14
Kommentar from: ropeka [Besucher]
*****
Wie könnte für uns alle ein lösungsorientierter Ansatz aus diesen Feststellungen sein?
Höheres Bewußtsein!!!!!!
In welcher Form auch immer. Sollten wir diesen Weg gehen, werden uns die Geiseln des Konsums und des nicht existenziell Notwendigen einfach nicht mehr berühren.
Berühren uns eigentlich noch ganz heilige Momente wie das Lachen eines Kindes, die guten Eigenschaften meiner Mitmenschen?
Fragt Euch alle mal und noch vieles mehr, vielleicht wachen wir auf diesem Weg mehr und mehr auf, viel Zeit bleibt uns nicht.
20.11.09 @ 20:04
Kommentar from: Leser [Besucher]
****-
Die Verscchuldung steigt exponentiell. Die Realwirtschaft wächst linear. Die Folge sind periodisch wiederkehrende große Krisen und Währungsreformen.
Wo ist der Ausweg aus diesem Dilemma?
M.E. sind einige Systemänderungen erforderlich.

1. Verbot von Zinseszinsvereinbarungen
Dies wäre einfach umsetzbar, indem in § 248 Abs. 1 BGB die beiden Wörter "im Voraus" gestrichen würden und der Abs. 2 ebenfalls entfiele.

2. Konsoliedierung der Staatsfinanzen
Mit Kosmetik ist es hier nicht mehr getan. Prof. Kirchhoff hat einen sehr guten Ansatz für das Steuerrecht vorgelegt. Bei den Ausgaben müssen strukturelle Änderungen her z.B.:
a) Vereinfachung der föderalen Struktur
Weshalb sollte es nicht möglich sein, mit vier Bundesländern (OST, WEST, NORD, SÜD) auszukommen?
b) Verkleinerung der Parlamente
200 fähige Abgeordnete, die zu den Sitzungen erscheinen und etwas sinnvolles beitragen können, sind mir entschieden lieber, als der Blick auf die leeren (aber bezahlten!) Reihen
c) Rückführung der Bundeswehr auf ihre Kernaufgabe (= Verbot von Auslandseinsätzen)
21.11.09 @ 09:06
Kommentar from: Volmer [Besucher]
Jeder der die Nerven verliert, spielt dem System in die Hände! Die Eliten verfügen über ein Instrumentarium, dass sie mit schlafwandlerischer Sicherheit beherrschen. Jeden Schlag gegen sie, wandeln sie in einen Schlag gegen den Verursacher! Aikido, schon vergessen?
Wir haben uns über Jahrzehnte anklagen lassen, wir haben uns ständig selber angeklagt und wir klagen uns weiter an! Doch: Wer sich selber anklagt, hat kein Recht zu hoffen!(Qui in genere dicta in se recipit, accusator sui est.) Wir wollen eine Zukunft? Gut, hören wir auf, uns selber anzuklagen!
Man hat uns die Geschichte genommen und nimmt uns jetzt die Sprache! Ohne eigene Geschichte und ohne eigene Sprache gibt es kein Volk. Es sind die essenziellen Güter auf die keiner der Leben will verzichten kann!Wir wollen eine Zukunft? Gut, dann müssen wir uns wieder bedienen, müssen uns an die reich gedeckte Tafel setzten, denn:
Wer gegen sich selbst geizt,sammelt für einen anderen; in seinen Gütern wird ein Fremder schwelgen.AT
Es genügt vollkommen, uns wieder in die Reihe der Ahnen zu stellen. Wir haben lange genug geschlafen, erwachen wir! Zurückeroberung unserer Geschichte und Zurückeroberung unserer Sprache, heisst Zurückeroberung unseres Geistes- unseres Seelenlebens, heisst Zukunft! Schritt eins und Schritt zwei. Wer dies nicht versteht, versteht gar nichts und verdient überhaupt kein Bewusstsein. Nichts ist in der Welt umsonst!Ovid
21.11.09 @ 12:24
Kommentar from: S.T. [Besucher]
sehr gehrte Herr Berkmann

das ist so, weil die 622 in berlin das gleiche machen wie die 300 in Athen, (Madrid, Rom, Paris, London u.s.w. genau so)
Die mussen die Karre an die Wand fahren!!!
"Ordnung aus dem Chaos"
Es werden nicht die Griechen Gefuttert sondern grosse Unternehmen und ihre handlanger (politiker u.s.w.).
Sich gegenseitig zu beschuldingen ist Kontraproduktiv weil wir uns dadurch teilen und beherschen lassen. Fakt ist wir werden alle über den Tisch gezogen, ob Deutscher oder Grieche.
Den "kleinen" Bankangestellten oder den minderbeleuchteten Politiker zu erhängen ist worauf die warten (bundeswehr im innern)!
Bitte lesen Sie diese seite: steuerboykott.org

mit freundlichen Grüße

ein Grieche
21.11.09 @ 13:00
Kommentar from: Jo [Besucher]
Die Meldung schlägt gerade in englischsprachigen Blogs ein wie eine Bombe.

http://quadraturacirculi.de/2009/11/20/wissenschaftsskandal-menschengemachter-klimawandel-ist-eine-grosse-luege/

http://noconsensus.wordpress.com/

http://www.eike-klima-energie.eu/news-anzeige/hackerangriff-auf-die-britischen-climate-research-unit-cru-hunderte-mails-merkwuerdigen-inhaltes-fuehrender-ipcc-forscher-veroeffentlicht/

http://www.pi-news.net/2009/11/hacker-entlarven-klimaluege/
21.11.09 @ 13:44
Kommentar from: K. Berkmann [Besucher]
@S.T.
Sehr geehrter S.T.,
ich bin deutscher Bürger und die 622 in Berlin sind meine Angestellten und müssen zuerst die Interessen des deutschen Volkes vertreten.
Den Fall Griechenland kenne ich nicht im Detail, aber wenn Griechenland ohne Unterstützung Deutschlands und anderer schon längst bankrott wäre, würden dort auch keine fetten Renten und Pensionen bezahlt, somit füttern wir sehr wohl auch Griechen (nicht nur grosse Unternehmen).
Im übrigen beschuldige ich keine Griechen sonderns höchstens deutsche Politiker!!
Dass Sie als einfacher Bürger genauso ausgeraubt werden, glaube ich Ihnen gern. Da können wir gerne zusammenarbeiten.

Und was die Laternenmasten betrifft, kann das jeder auf seine Weise interpretieren. Man kann daran ja auch Fahnen aufhängen oder Lorbeerkränze ...
21.11.09 @ 15:39

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