GoldSeiten Blogs
« Digitale Gottspielerei: Virenscanner zensiert InhalteZurück in die Zukunft: Devisenbewirtschaftung »

Das ökonomische Schisma: nominal versus real

von Peter Boehringer E-Mail 25.11.09 11:23:26

Dirk Müller ("Mr. Dax") hat auch heute wieder wie meist einen guten Tageskommentar. Das Video sollte man anhören oder wenigstens die letzte Minute davon. Müller bemerkt zurecht die aktuell extreme Divergenz der Meinungen zweier Lager:

Einerseits den absurden (?) Optimismus der Medien (FTD heute: "Aufschwung 2010 kaum noch zu stoppen") und der Chefvolkswirte (allerdings nach Müller just die, "die im Sommer 2008 eine Rezession vollkommen ausgeschlossen haben") und ...

... andererseits die Horrormeldungen aus der Realwirtschaft ("Japan: minus 35% Importe, minus 25% Exporte yoy") sowie von den IFOs, IWFs und Soffins der Welt zur Banken- und Versicherungslandschaft ("Erst die Hälfte der Bankenverluste sind bekannt"; "Noch riesiger Abschreibungsbedarf"; "Bad Bank der WestLB mit 85 Mrd EUR Schrottauslagerung bei einer Bilanzsumme von gerade 254 Mrd EUR!").

Mr Dax merkt dazu an: "Ich habe selten eine Zeit erlebt, in der die Meinungen zur zukünftigen Entwicklung DERART auseinandergehen und die Lager so sehr voneinander getrennt waren. In der die einen von starkem Aufschwung sprechen, die anderen von starkem Einbruch - und beides ist möglich. Es ist eine faszinierende Zeit..."

=> Nun denn: Dieses vermeintliche Dilemma löst sich sofort auf, wenn wir uns schon mal angewöhnen, die Welt geistig getrennt zu betrachten und einerseits die NOMINAL-Werte zur Kenntnis zu nehmen und andererseits die REALE Werthaltigkeit und Kaufkraft zu beobachten. Wir sollten alle dieses Schisma im Kopf heute schon entwickeln. Wir werden es bald brauchen (3 Jahre noch?!).

=> Die Sachwert- und Aktienbesitzer der Weimarer Republik hatten spätestens 1922 verstanden, dass die wegen der heiß laufenden Notenpresse nominal steigenden Kurse die offizielle rosarote Propaganda-Rhetorik unterstützten - während es aber eigentlich NUR die reale Kaufkraft war, auf die es letztendlich ankommt. Sehr schön ablesbar ist diese in inflationären Zeiten extreme Divergenz an einem Aktienindex-Chart aus der Weimarer Hyperinflationszeit.

Da der Dollar damals (fast) so gut wie Gold war, kann man an der rechten Dollar-Skala die reale Wertentwicklung von Aktien i.S.v. Kaufkraft-Entwicklung ablesen (grüne Linie). Bei der schwarzen Linie "Aktienkurse in Reichsmark" beachte man dagegen die logarithmische Skalierung ...

=> Immerhin kam man mit den richtigen Aktien -unter hoher Vola und zwischenzeitlichen Buch-Verlusten von über 80%(!)- am Ende gut über Inflation und Währungsreform. Wie viele Deutsche in den bitterarmen Zeiten zwischen 1914 und 1923 und über den Inflationsklimax von November 1923 hinaus wirklich ihre Aktien halten konnten, ist statistisch leider nicht überliefert.

=> Anyway: Gut möglich, dass "Mr Dax" per 2013 auch noch "Dax 100.000" kommentieren wird. Oder "Gold 50.000" *). Und (speziell nach unten manipuliertes) Gold übersteht real gerechnet sowohl deflatorische als auch inflationäre Zeiten gut. Mr Dax weiß das als schlauer Marktkommentator übrigens auch: auf seinem Vortrag auf der Edelmetall-Messe der Goldseiten hat er das genau so klargestellt.

*) Marc Faber meinte dazu neulich: "Wenn Gold schnell auf 5000 Dollar steigt, wird es auch auf 5 Billionen Dollar steigen". ... Man wird sehen.

4 Kommentare

Kommentar from: robs [Besucher]
Wenn unsere Finanzen von Mr.Dax oder solchen Leuten wie den Autor hier gemanagt werden würden, würde der Weltbevölkerung viel Elend erspart.
Die Finanzoligarschlöcher richten mit ihrer masslosen Gier katastrophalen Schaden für uns alle an!!
26.11.09 @ 07:32
Kommentar from: Peppi [Besucher]
Und die niederträchtige Politikkaste lässt sie gewähren!
26.11.09 @ 07:33
Kommentar from: Laterne [Besucher]
Das Volk ist die Grundlage des Staates....
Die Strasse ist die Grundlage des Verkehrs...
Hat sich schon mal jemand um die Meinung der Strasse gekümmert?
27.11.09 @ 23:36
Kommentar from: Konstantin [Besucher]
****-
Hallo

Danke für diesen interessanten Artikel! Ich habe schon oft hier Beiträge gelesen und freue mich immer wieder über die gleichbleibend gute Qualität.

Was das Thema selbst angeht:

Ich würde ja sagen, Gerüchte hin oder her, man darf Gold als Anlage nicht unterschätzen. Wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ;-) Über längere Zeit wird sich der Preis so oder so wieder stabilisieren - so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben

Gruß, Konstantin
28.11.09 @ 12:36

Hinterlasse einen Kommentar


Your email address will not be revealed on this site.

Deine URL wird angezeigt.
PoorExcellent
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, email & website)
(Allow users to contact you through a message form (your email will not be revealed.)