GoldSeiten Blogs
« Zensur: EUlite gegen fünfte GewaltDie Fed: ein "Gewinn"? »

1968 wie 2011: Godmen gegen Gold

von Peter Boehringer E-Mail 19.01.10 11:07:10

Die FTD berichtet heute über den langsam in die heiße Phase gehenden (Schau?)Kampf um den EZB-Spitzenposten, denn die Amtszeit des Betrügers Jean-Claude Trichet [franz. "tricher" = "betrügen"] läuft in einem Jahr aus. Zurecht stellt die FTD fest:
"Nenne den Kandidaten, den du verhindern willst, sehr früh vor der Entscheidung! Über diese Faustregel hat sich Westerwelles Staatsminister Hoyer hinweggesetzt. Er lobte Axel Weber über den grünen Klee."

Wie immer im Brüsseler Personalgeschacher wird auch diesmal Stallgeruch vor fachlicher Eignung gehen - und nationaler Proporz vor den angeblich ach so supranationalen (und doch meist rein fiktiven) "gemeinsamen europäischen Interessen". Und so werden wohl auch die anstehenden zwei EZB-Spitzenpersonalien per Klüngel-Paket entschieden. Reuters schreibt dazu heute: "Einige Diplomaten gehen davon aus, dass die beiden Spitzenpositionen EZB-Chef und Vizepräsident zwischen Ländern im Norden und im Süden der Euro-Zone aufgeteilt werden. Das bedeutet: Sollte Mersch den Vizeposten erhalten, wäre Draghi Favorit für die Nachfolge Trichets. Würde dagegen Constancio die Nummer zwei, wären Webers Chancen höher."

=> Entscheidend für die Debatte wird wohl am Ende der Stallgeruch sein. Und hier wird es besonders im Falle des in Deutschland noch recht unbekannten Mario Draghi interessant:

Nach den für eine Elitelaufbahn geradezu obligatorischen Gehirnwäschen bei Weltbank, MIT und Harvard machte der Italiener Karriere bei Godman Sachs *). Und zwar so schnell und so erfolgreich, dass er nach seinem "Ausscheiden" :roll: bei Godman und seinem Antritt bei der italienischen Notenbank (2006) und bei der EZB und in der so einflussreichen "Group of 30" nun offiziell als "GS-Interessenvertreter" :!: bezeichnet werden darf:
"... da eine solche konspirative Machtübernahme grundsätzlich durch das Platzieren von mit dem Machtzentrum verbundenem Personal in wichtigen politischen Positionen erfolgt, ist Goldman Sachs ohnehin der logische Kandidat. So kam Bushs Finanzminister Hank Paulson ebenso wie Clintons Finanzminister Robert Rubin aus dem Board von Goldman Sachs; Obamas Finanzminister Timothy Geithner konnte sich ebenso zeitlebens der Unterstützung von Goldman sicher sein, während in der EZB der Italiener Mario Draghi, der Chef der Italienischen Notenbank, Goldmans Interessen vertritt. :!:"

=> Auch hier gilt also: "Niemals geht man so ganz" [von Godman]. Dazu gibt es übrigens eine interessante Parallele: Offenbar eignen sich gerade Italiens Karriere-Opportunisten (dessen Generäle traditionell gerne mal die Fronten zu den absehbaren Siegern wechseln) besonders gut als trojanische Pferde auch in den heutigen Wirtschafts- und Goldkriegen:

Hier ein Artikel aus der FAZ vom 30.3.1968 - zwei Wochen nach dem Zusammenbruch des "Londoner Goldpools". [Der Begriff "Goldpool" war damals ein Euphemismus für die offiziell sanktionierte und organisierte Drückung des Goldpreises durch die Notenbanken der Goldhalterstaaten (1961-1968) ]. 1968 hieß der korrupte Ideengeber gegen Gold Guido Carli. Zitat aus dem 42 Jahre alten FAZ-Artikel: "Carli machte auf der Blitztagung der Zentralbankleiter über den Goldpool vor 14 Tagen den entscheidenden, für die internationale Währungsordnung folgenschweren Vorschlag, den Goldpreis zu spalten und der internationalen Goldspekulation damit das Handwerk zu legen."

=> Demnächst könnte der europäische Einpeitscher gegen Gold dann eben Mario Draghi heißen. Beide italienischen Notenbanker hatten bei der Weltbank und bei "führenden Großbanken" und den "führenden internationalen Wirtschafts- und Währungsorganisationen" Karriere gemacht, bevor sie an den wichtigen Schaltstellen die Interessen der Bankenkabale gegen Gold statt die "ihres" italienischen Volkes (das offiziell immer noch 2450 Tonnen Gold besitzt, womit Italien unter den Top-5 Goldhaltern der Welt läge!) vertreten durften. Exekutoren der Goldpreismanipulation eben.

=> Wie sich die Dinge doch über Jahrzehnte hinweg ähneln... Man beachte auch die Eloge, die die FAZ diesem korrupten Carli-Gewächs damals in Form einer geradezu überschwenglichen Personalie angedeihen ließ! Damals wie heute wurden Elite-Karrieren medial vorbereitet, begleitet und bei Renegaten ggf. zerstört. Selbst die Terminologie der FAZ gegen Gold ("der internationalen Goldspekulation das Handwerk legen") ist im Mainstream unverändert geblieben. Zurück in die Zukunft nach 42 Jahren...

PS: Wie Fans von Douglas Adams Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" / "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" wissen, ist "42" zugleich die kryptische Antwort auf "the Ultimate Question of Life, the Universe, and Everything". Im Roman geht es um einen Supercomputer, der diese Frage lösen soll. Dieser Computer ist die Erde. Vielleicht steht "42" ja einfach nur für "Godman"...

PPS: "tricher" = "betrügen". "to drag" = "sich hinziehen". "Drag(h)ing triche(t)" = "anhaltender Betrug".

*******************

*) Nach dem Suhlen in Fettnäpfen der Herren Blankfein ["Banken verrichten Gottes Werk"] und Dibelius ["Banken müssen Gemeinwohl nicht fördern"] muss man zum Glück das schöne Wort "Gold" künftig nie wieder zwangsweise im Kontext mit "Godman Sachs" verwenden! ;D

5 Kommentare

Kommentar from: Leine [Besucher]
*****
Ups. Unglaublich die Parallelen.

Wie findet man solche Uralt-Artikel, die nicht mal im FAZ-online-Archiv stehen, so schnell anläßlich eines tagesaktuellen Blogs???
Danke!

Aber ein kleiner Hinweis an den Autor: Der Godman-Chef in Deutschland heißt „Dibelius“, nicht „Debilius“!
19.01.10 @ 11:13
Kommentar from: Peter Boehringer [Mitglied] E-Mail
Ohoh - danke @Leine. DAS wird natürlich sofort korrigiert...

Schließlich ist der Deutschland-CEO von Godman nicht "debil", sondern eben "dibel".

Ein böser Freud´scher Verschreiber meinerseits. Sorry. Ich wollte nicht dem "Freud´schen des Jahres" Konkurrenz machen, den vor einigen Tagen die dpa mit dem Begriff "US-Staatsanleichen" gebracht hat...
19.01.10 @ 11:23
Kommentar from: Martin [Besucher] E-Mail
*****
Mir schwant nichts Gutes ob dem Golde. Und ich glaube auch, dass sich die Dinge wiederholen werden, und wir die Früchte unserer Wertsicherung nicht "geniessen" dürfen. Der Staat hat uns fest im Griff; er wird es vermutlich nie zulassen, dass Einige aus der Situation als "Sieger" hervorgehen. Der Schlag gegen die Goldkeule steht uns also bevor. Auch in den USA wird das Thema Goldbeschlagnahmung u.ä. diskutiert; aber ausser Glaubensbekenntnissen gibt es keine Lösung, oder?
19.01.10 @ 12:04
Kommentar from: dass [Besucher]
*****
Diesem Staat sein Gold ausliefern? Damit er es den Bankverbrechern in den A... schieben kann?
19.01.10 @ 14:30
Kommentar from: Anonymous [Besucher] E-Mail
*****
[...Nach dem Suhlen in Fettnäpfen der Herren Blankfein ["Banken verrichten Gottes Werk"] ...]

Lieber Herr Boehringer,

vielen Dank für Ihren Post. Ich freue mich aufrichtig über
Ihren journalistischen Mut, und freue mich auf Ihre nächsten Posts.

Allerding halte ich die Äusserung von Blankfein nicht für einen
Tritt in ein Fettnäpfchen, sondern ich denke, er meint das ernst.
Ausserdem denke ich, wir müssen ihn mit dieser Äusserung dahingehend
ernst nehmen, dass er tatsächlich denkt, er tue "das Werk Gottes",
und wir müssen annehmen, dass er in der insbesondere amerikanischen
Hochfinanz hier breite Unterstützung erfährt.

Ich beziehe mich auf die Erkentnisse des Historikers Wolfgang Eggert,
der auszugsweise folgende Thesen vertritt:

1. Es gibt bibelorientierte, apokalyptische, sog. kabbalistische Sekten, die zwei Messiase erwarten. Der erste sei "Ben Josef", der zweite "Ben David". Ben David bringt die Erlösung und die Herrschaft für das "auserwählte Volk", aber erst nach einem Weltuntergang.
Diesen muss "Ben Josef" herbeiführen.

2. Diese kabbalistischen Sekten sind in der Hochfinanz sowie in der Familie des letzten Präsidenten tief verwurzelt und haben aktive und potente Anhänger. Insbesondere nennt er das Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., das zuletzt in "Lehman Brothers" aufgegangen ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kuhn,_Loeb_&_Co.


3. Ein Teil der Anhänger dieser Sekten glaubt, "Ben Josef" weile bereits auf Erden. Wolfgang Eggert findet gute Belege, wie und von wem der Weltuntergang jetzt vorbereitet wird.

"Ben Josefs" Aufgabe sei es, einen Weltuntergang anzuzetteln. In diesem Kontext halte ich es nicht für weit hergeholt, dass sich Blankfein entweder für "Ben Josef" hält oder ihn zu kennen glaubt.

Wenn er sich zu den genannten Kabbalisten zählt, muss man sicher ernst nehmen, dass er tatsächlich denkt, Gottes Werk zu tun.

Das wäre auch eine ausreichende Motivation für die Art von Verbrechen, die manche ihm und seinen Kumpanen zur Last legen.

Ich empfehle den kritischen Konsum des Interviews mit Wolfgang Eggert auf Youtube.

http://www.youtube.com/watch?v=uSIwC55AXQ8&feature=related



**********

AW PB: @Anonymous, zwei Anmerkungen dazu:

1. Wer Blankfeins Statement liest, müsste eigentlich erkennen, dass er es zunächst ganz profan so meint wie geäußert: er meint wohl ernsthaft, Gutes zu tun und könnte sich (ohne es auszusprechen) mit der These "Eigennutz bringt Gemeinnutz" sogar auf einen (falsch verstandenen) Moraltheologen Adam Smith berufen. Oder auf Calvin, der sinngemäß meinte "Hilf Dir selbst, dann bist Du gottgefällig". Dass er sich ausgerechnet auf GOTT beruft, belegt zunächst einmal nur die Hybris, die alle leitenden Angestellten bei Godman offenbar mit der Muttermilch einsaugen. Falls sie nicht sogar Einstellungsvoraussetzung ist. Ein "Ben Josef" ist nicht vonnöten. Ein beschleunigt herbeigeführter "Weltuntergang" wäre der Sache von GS (hohe, dauerhafte und risikofreie Gewinne durch ständige Ausnutzung der Monopolsituation als Fed-Eigner und Gelddrucker und durch verlustsozialisierende Bailouts und Frontrunning-Software) abträglich. Dieses System ist für GS und Fed-Eigner derart lukrativ, dass es erst dann aufgegeben wird, wenn der K-Winter zu weit vorangeschritten ist und es zinseszinsbedingt und überschuldungsbedingt partout nicht mehr zu halten ist. GS interessiert genau das Gegenteil eines "beschleunigt herbeigeführten" finanziellen Weltuntergangs. Auch wenn Kabbalisten das anders sehen: Die Indizien stützen ihre Thesen in diesem Fall nicht. Ganz im Gegenteil wird ja manchmal den GOLDBUGS vorgeworfen, den Weltuntergang geradezu herbeizusehnen. Und ICH jedenfalls warte nicht auf Ben Josef...

2. Sie schreiben es ja selbst: Mit Eggert sollte man "kritisch" umgehen. Auch wenn er zugegebenermaßen viele Quellen anführt. Die Grenzen zur verfälschenden Verallgemeinerung sind auch bei ihm fein.
19.01.10 @ 20:37

Hinterlasse einen Kommentar


Your email address will not be revealed on this site.

Deine URL wird angezeigt.
PoorExcellent
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, email & website)
(Allow users to contact you through a message form (your email will not be revealed.)