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Moral in Zeiten des latenten Bankenputschs

von Peter Boehringer E-Mail 09.02.10 15:59:12

Manchmal braucht man zum vollen Verständnis des Bankenbailout-Wahnsinns bzw. des latenten Bankenputsches seit 2008 ein Beispiel und einen "Souffleur".

US-Blogger-Kollegen von TBWS haben das gestern dankenswerterweise einmal in einem Video geleistet und eine kleine reale Beispielrechnung zu Aufkauf und höchst profitabler Verwertung eines von einer Bank zum Discount erworbenen Immo-Darlehens vorgeführt. Die Verwertung wurde der Bank dabei "facilitated" ("erleichtert") durch die sehr spezielle und großzügige Unterstützung des US-amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC.

Die FDIC finanziert ihre Geschenke übrigens über Steuergelder, denn ebenso wie in Deutschland werden auch in den USA die -angesichts von fast täglich gemeldeten Bankpleiten- lächerlich niedrigen Eigenfinanzierungs-Beiträge der Bankbranche schon sehr bald nicht mehr ausreichen, um die FDIC liquide zu halten. Und am Tag x des Schuldenbabylons wird der US-Steuerzahler vermutlich auf 99% der Verluste sitzen bleiben. Alleine der (noch hypothetische) Kollaps des Weltmeisters im Silbershorten JP Morgan kann eines Tages weit in die Billionen gehen - bei einem Derivatebuch von mehreren Hundert Billionen Dollar alleine bei JPM - darunter natürlich auch die berüchtigten Silbershort-Kontrakte...

Die TBWS-Blogger haben ein REALES Beispiel aus der Konkursmasse der Indymac-Bank gewählt, die gleich zu Krisenbeginn im Sommer 2008 "belly-up" gegangen war und deren Konkursmasse (v.a. Hypothekenforderungen) von der One West Bank im März 2009 zu 59% bis 70% von nominal aufgekauft wurde.

Die One West Bank steht übrigens im Eigentum eines Goldman Sachs VPs sowie von George Soros...

Im Video wird aufgezeigt, wie die Bankster hinter der One West Bank zusammen mit ihren Komplizen bei der FDIC einen praktisch risikofreien Gewinn erzielen konnten, indem ihnen 80%-95% (!) eines möglichen Verlustes bei der Loan-Verwertung von der FDIC erstattet wurden. Und zwar NICHT einmal bezogen auf "VK-Preis minus EK-Preis" (letzterer also 59%-70% der Hypothek), wie sich der Normalsterbliche Nicht-Godman eine staatliche Garantie vielleicht so vorstellen würde, sondern bezogen auf "VK-Preis minus NOMINALwert der Hypothek" (wobei letzterer nie bezahlt worden war)! :!:

Na: DAS ist doch mal ein schönes Beispiel für "verdiente Belohnung für unternehmerische Risikoübernahme" - oder?

Details dazu hier im Video. Es wird ein Verwertungsfall vorgerechnet, in dem die One West Bank bei einem Einstandspreis von 334.600 $ einen Gewinn von 102.000 $ erzielen konnte, OBWOHL das Haus hinter der betreffenden Hypothek WEIT UNTER dem Hypothekenrestwert verkauft worden war!! 88| Das Ganze in nur einem knappen Jahr. Mehr als 31% Rendite p.a. bei de facto 0% Risiko?! Markowitz hatte unrecht. Und alle BWL-Leerbücher auch. Gottmänner sind eben gleicher.

Godman hat übrigens für 2009 gerade einen Gewinn berichtet, der fast an das Rekordjahr 2007 herankam. Dito JP Morgan, die ebenfalls wieder Rekordboni in Milliardenhöhe an ihre kriminellen "Überflieger" in den mittleren und oberen Etagen ausschütten. Das Video zeigt natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der Gewinn-Herkunft, denn Godman Sachs selbst hatte im Vergleich zur One West Bank noch ganz andere "kreative Gewinnerzielungs-Möglichkeiten". Zur GS-Frontrunning-Software, zu Lobbyismus-Profiten und zu weiteren Insider-Deals gibt es andere Berichte...

Natürlich gibt es die nicht NUR von Godman. Ein frappierendes Beispiel für Doppelmoral in diesen Zeiten des latenten Bankenputsches lieferte jüngst der Verband der US-Hypothekenbanken "MBA". Dies ist übrigens tatsächlich die korrekte Abkürzung der "Mortgage Bankers Association", auch wenn deren Homepage www.mbaa.org lautet, denn www.mba.com war schon anderweitig elitär belegt. Letztlich wären Verwechslungen aber auch irrelevant, denn bei der Paketierung und weltweiten Streuung der Billionen-schweren toxischen Mortgage-Pakete der MBA-Mitgliedsbanken (z.B. in die Portfolia deutscher Landesbanken) waren ohnehin massenhaft geniale "MBA"s beteiligt...

Wie auch immer: Der CEO der MBA, John Courson, meinte jedenfalls erst vor wenigen Wochen, US-Haus"eigentümer" schelten zu müssen, die keinen Sinn mehr in der Fortführung ihrer Hypothekenabzahlungen sehen, weil ihr Haus dummerweise nach dem Immocrash seit 2008 keine Chance mehr hat, jemals wieder den Restbetrag der Hypothek zu erreichen, so dass sie sich irgendwie nicht mehr so recht als "Eigentümer" fühlen können. Ökonomisch ist das völlig rational und in vielen US-Hypothekenverträgen ist die einfache Rückgabe der Schlüssel legalerweise und völlig vertragsgerecht mit einer kompletten Entschuldung verbunden. Das geht in Deutschland so nicht - aber in den Staaten sind Hypotheken meist nur durch das Objekt selbst gesichert, so dass eine Schlüsselrückgabe -unabhängig von der Höhe der Restschuld- die Hypothek erledigt und NICHT zur Privatinsolvenz des Ex-Hauseigentümers führt. Rechtsstaatlich völlig OK also - das Ganze nennt sich auch privatwirtschaftliche Vertragsfreiheit.

Da nun aber der Immomarkt in den USA ebenso wie in Europa weiterhin kollabiert [siehe Meldung von heute: der offene Immofonds Aberdeen wertete seine Bestände und damit seine Anteilswerte "ganz überraschend" mal eben über Nacht um 21% ab!], meint MBA-CEO Courson im Wall Street Journal, die legal "abtrünnigen" Häuslebauer mit der Moralkeule zur Weiterzahlung ihrer Resthypotheken bewegen zu müssen:

" 'Defaults hurt neighborhoods by lowering property values', says John Courson, chief executive of the Mortgage Bankers Association MBA, adding:
'What about the message they will send to their family and their kids [if they get their house foreclosed on]?' "

=> Tja, Herr Courson: welche Botschaft senden "diese asozialen Nachbarn" an ihre Kinder? Im Prinzip nur die schon antike Botschaft "pacta sunt servanda" ("Verträge müssen eingehalten werden"). NOCH sind wir offiziell im Rechtsstaat - auch wenn das viele Banker und Godmen längst vergessen haben. Kein Grund also, AUSGERECHNET als Banker auf die moralische Tour zu kommen.

=> Die MBA selbst spielt zwar in einer anderen Liga als die Godmen. Aber ist es nicht bemerkenswert, wenn just dieser moralisierende CEO der MBA nun vorige Woche auch noch die Hypothek seines eigenen MBA-Headquarters für nur 38 Millionen Dollar per Shortsale losgeworden ist, während die MBA just diese Hypothek erst vor wenigen Monaten für 75 Millionen Dollar aufgenommen hat?? DAS ist doch Realsatire des Moralpredigers Courson: Um schlappe 50% bzw. 37 Millionen Dollar hat diese Bankenlobby-Truppe MBA ihre eigene Hypothekenbank in nicht einmal einem halben Jahr erleichtert! Die genauen Terms dazu sind unbekannt. Und sicher war alles legal und im implodierenden US Commercial Real Estate Markt wirtschaftlich logisch,und der Deal für beide Seiten rational und marktgerecht. Aber Herr Courson: "Welche Botschaft sendet DAS an IHRE Kinder?"

=> Vielleicht diese: "Besser Heuchelei als gar keine Moral..."

=> Oder wie es Peter Ziemann einmal ausdrückte:
"Unser System ist keineswegs ein kapitalistisches, sondern ein massenmedial animierter, steuerstaatlich zugreifender Semi-Sozialismus [mit höchst selektiver Verluste-Sozialisierung zugunsten der 'Gleicheren']".

4 Kommentare

Kommentar from: C.R. [Besucher]
*****
Hier ein Artikel im Ö. Standard. So einen Unfug über das Bankgeheimnis habe ich selten vorher gelesen!

http://derstandard.at/126370712118/Kommentar-der-anderen-Lohnende-Omerta-und-der-Tarnname-Bankgeheimnis
09.02.10 @ 23:42
Kommentar from: Nikodemus [Besucher]
Zu: "Das geht in Deutschland so nicht - aber in den Staaten sind Hypotheken meist nur durch das Objekt selbst gesichert, so dass eine Schlüsselrückgabe -unabhängig von der Höhe der Restschuld- die Hypothek erledigt und NICHT zur Privatinsolvenz des Ex-Hauseigentümers führt."

Soviel ich weiß, haftet bei uns doch auch nur die Grundschuld allein. Wenn bei der Zwangsversteigerung diese nicht das Bankdarlehen vollständig ablöst, kommen auf den Zwangsversteigerten keine weiteren Verpflichtungen zu, im Unterschied zur Hypothek.
10.02.10 @ 08:41
Kommentar from: Nikodemus [Besucher]
Für mich besteht die Erkenntnis, daß der ganze Finanzunfug, der in den letzten Jahren bei uns Überhand genommen hat und z. B. zur Filetierung unserer Unternehmen durch die Investmentbanken führte, nicht möglich gewesen wäre ohne das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft.

Just zufällig als 1999 KKR in Europa auftauchte, wurde als Voraussetzung ihres Merger-and-Acquisition-Business die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne für Kapitalgesellschaften von der Regierung Schröder/Fischer eingeführt. Dies wird man vielleicht einmal im Nachhinein als die wichtigste Wirtschaftsentscheidung seit der Währungsreforn ansehen. Denn: Bei der Bilanzierung des Betriebsvermögens darf der Unternehmer gewinnmindernde Abschreibungen auf das Umlaufvermögen, z. B. Aktien, vornehmen. Deswegen mußten bis dahin bei der Auflösung des Betriebsvermögens, zum Beispiel bei der Geschäftsaufgabe, die Veräußerungsgewinne besteuert werden. Die Regierung entschloß sich nun den Kapiitalgesellschaften ungeheure Summen zu schenken, aber von den Personengesellschaften wie Handwerkern weiterhin einzutreiben. Dies war ein klares Geschenk für das Großkapital, das zusätzlich durch die Senkung der Körperschaftssteuer beschenkt wurde, während die kleinen Handwerker weiterhin auf Veräußerungsgewinne Steuern zahlen mußten und höchstens versuchen konnten durch eine steuerbegünstigte Betriebsverpachtung die Steuerzahlung aufzuschieben. Damit konnten Mannesmann, Bosch, Siemens, Allianz usw. sich steuergünstig von ihren Töchtern trennen, was sie ohne die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne nicht gemacht hätten.

Auf diesem von Schröder gesetzten Eckstein konnte dann das bestehende Gesellschaftsrecht sowie das Gesetz über das Kreditwesen angewandt werden. Die Belegschaften wurden in eine GmbH und Co. KG überführt, deren Haftungs-GmbH von denselben Geschäftsführern geleitet wurde wie die Mutter-GmbH. Nun mußte sich die GmbH und Co. KG verschulden und das Darlehen an die Mutter-GmbH durch ein Scheingeschäft ausleihen. Diese Scheingeschäfte sind leider durch das Gesetz über das Kreditwesen innerhalb eines Konzerns zulässig; denn ansonsten darf nur eine Bank Darlehen vergeben.

Nun ächzen weltweit eine Fülle von Unternehmen unter Krediten, die den Kauf durch ihre Private-Equity-Eigentümer zurückzahlen mußten.

Also: Wenn man früher sagte la revolution devore ses enfants, erstickt jetzt so ähnlich das Finanzkapital das Produktionskapital. Ohne Politik wäre der ganze Quatsch jedoch nicht möglich gewesen.
10.02.10 @ 11:21
Kommentar from: Laterne [Besucher]
Da wir schon lange „Banker“ mit „Gangster“ gleichsetzen , ist dies nur die erste Überlegung. Staatsanwälte sind bei Kenntnis einer Straftat zur Ermittlung verpflichtet!
Offensichtlich wird auch hier in eindeutiger Weise mitgemischt. Die Sicht nach Übersee ist interessant, das Hauptaugenmerk richte ich jedoch vor meine Haustür. Hier sehe ich im günstigsten Fall eine total unfähige Regierungsmannschaft. Wie lange zieht der Michel seine Zipfelmütze noch über beide Augen
10.02.10 @ 11:34

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