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Liebe FTD magst ruhig sein: Fest steht das Gold ...
von Peter Boehringer
08.07.10 12:48:21
Ein Schreckgespenst für Goldanlager wird seit gestern mal wieder durch den Mainstream getrieben: "Goldverkäufe der Zentralbanken [...] Dem letzten Zufluchtsort Gold droht nun eine Zäsur!" schallt der Ruf durch die angelsächsische Anti-Gold-Kampfpresse - so zum Beispiel wie so oft in der FTD.
"Was ist geschehen?", fragt der im Umgang mit solcherlei Geblubber unerfahrene neue Goldanleger, der sich vielleicht gerade erst im Zuge der WAHREN historischen Zäsur des Euros (Mai 2010) bzw. des Dollars (2008) den glänzenden Ehrentitel "Goldbug aus Überzeugung" zugelegt und Gold gekauft hat.
Um es vorwegzunehmen: Ebensowenig wie der deutschen Fußball-National-mannschaft nach dem 0:1 gegen Spanien nun "eine Zäsur" droht - wird ein popliges Goldgeschäft einiger spanisch-italienischer Zentralbanken den Trend im Goldmarkt brechen. Widerstand in Form eines harten Gegners wird sowohl die Nationalkicker wie auch den Goldtrend mittelfristig nur stärken.
Aber hier nochmals Punkt für Punkt:
1. Einige südeuropäische PIGS-Zentralbanken sind bekanntlich mehr als klamm. Was liegt also aus politisch-notenbankerischer Sicht (man entschuldige die Synonyme) näher, als das Tafelsilber zu verhökern. TafelSILBER gibt es aber dummerweise keines mehr in den Notenbankkellern von Athen, Rom, Madrid und Lissabon - also nimmt man eben praktischerweise das noch verbliebene Tafelgold.
2. Dieses Gold liegt zwar in großen Teilen nicht in den eigenen Hauptstädten, sondern in London und ein Teil wohl auch in Zürich oder Basel bei der "Bank der Zentralbanken" BIZ. Aber das macht ja nichts - es soll ja ohnehin nichts bewegt werden (kostet ja nur Geld). Wozu gibt es das jahrelang bei der Goldkabale bewährte Mittel des Gold-Swaps? Die BIZ unterhält physische und Buchgoldbestände in London und in der Schweiz und garantiert auch anderswo - Buchgold ist scheu und flüchtig wie jedes Papierkapital.
3. So kommt es, dass -ein Wunder in der vernebelten Welt der Goldbuchhaltung- die BIZ doch tatsächlich in einer Fußnote ihres Geschäftsjahresberichts 2009/10 vermeldet, sie habe in 1Q2010 die konkret genannte Menge von 346 Tonnen Gold im Auftrag von (konsensual vermuteten aber nicht bestätigten) PIGS-Notenbanken gegen Papiergeldkredite auf ihre Bücher genommen.
4. So weit - so normal. Geschieht seit mindestens 1995 ständig und meist heimlich und es kommt soweit noch kein Material in den Markt und keiner außer ein paar suspekten Bloggern und GATAs und neugierigen Goldbugs regt sich über diese intransparenten Geschäfte oder auch über die umfassenden Goldleihegeschäfte der Zentral- und Geschäftsbanken auf. Zuallerletzt die angelsächsische Presse.
5. Und doch geht genau in dieser nun die Aufregung und der Mainstream-Spin los. So insinuiert die FTD heute wie folgt und mit sonor-seriöser Stimme und mahnendem Zeigefinger: "Sollten die Banken allerdings nicht in der Lage sein, die Milliarden zurückzuzahlen, bliebe die BIZ auf dem Gold sitzen - und könnte letztlich gezwungen sein, das Metall am Markt zu verkaufen". Und für den Fall, dass ein geistig minderbemittelter Kleinanleger mit möglichen Goldkaufabsichten darob noch immer nicht vor Angst in die Hosen macht, schiebt die FTD noch höchst explizit belehrend nach: "346 Tonnen entsprechen 60% der globalen Goldfördermenge im ersten Quartal dieses Jahres. [Ein Verkauf] ließe den Preis einbrechen. [...] Dem Goldmarkt, der vielen Investoren als letzter Zufluchtsort dient, droht nun eine Zäsur." ![]()
6. Nun zweifelt natürlich zunächst niemand daran, dass die betroffenen Banken NIEMALS in der Lage sein werden, die durch den Swap erhaltenen Milliarden zurückzuzahlen. Wäre ja auch unerhört: im globalen Kredit-Ponzi-Spiel wird NIE Kredit zurückgezahlt - im Sinne von "getilgt". Sollten also wirklich [Zitat FTD] "klamme Zentralbanken ihr Gold auf den Markt werfen [müssen], und so das Vertrauen in das Metall unterminieren"?
7. Nein - wir können die so sehr um die Stabilität des Goldpreises besorgten FTD-Redakteure beruhigen: Schließlich gibt es statt echter TILGUNG im Alchemiekasten des modernen Keynesianismus immer das bewährte Instrument der Kredit-PROLONGATION und seit Mai 2010 in EUropa auch das der Kreditmüll-SOZIALISIERUNG!
8. Nicht umsonst haben sich die EUliten in Brüssel und die Geldmagier in Frankfurt im Mai 2010 im Rahmen ihres erfolgreichen sozialistischen Putsches von oben gleich VIER neue Kredit(schöpfungs)töpfe herbeigezaubert:
a) 60 Mrd. EUR zur freien Krisenbekämpfungs-Verfügung der EU-Kommission
b) 440 Mrd. EUR höchst "freiwilliger, bilateraler" Länderhilfen von höchst theoretisch ALLEN EU-Ländern
c) 125 Mrd. EUR IWF-Kredite und Kreditgarantien
d) Theoretisch unbegrenzte Millliarden EUR der EZB
=> Und wenn das nicht reichen sollte? Nun, für den Fall hat EU-Ratspräsident Van Rompuy ja in entwaffnender Ehrlichkeit schon klar signalisiert "Wenn es nicht ausreicht, machen wir noch mehr."! Und da Papierkreditgeld in der Schöpfung nicht mal etwas kostet, ist Merkels analoger Spruch "Koste es was es wolle!" jederzeit glaubhaft und damit eigentlich eine Tautologie.
9. Wir lernen somit: Die PIGS werden nicht voller Verzweiflung ihr Restgold in den Markt swappen müssen. Denn die o.g. Töpfe a) bis c) sind bereits im Mai formal institutionalisiert worden in Form des berühmt-berüchtigten, nicht veröffentlichungspflichtigen, niemandem ernsthaft Rechenschafts-pflichtigen luxemburgischen SPV namens "European Financial Stability Facility / EFSF". Diese "facility" (schwer zu übersetzen - nennen wir sie "Fazilität"
) ist formal nur auf drei Jahre angelegt. Wie der kluge HVB-Analyst Purps aber gestern in einem Vortrag sehr treffend meinte, rechnet er damit, dass diese Fazilität uns noch über Jahrzehnte begleiten wird. Und ich füge einschränkend hinzu: Jedenfalls bis zum Ende des Euros. EFSF-Chef Regling und seine namentlich nicht weiter bekannte Truppe werden künftig ein Budget verwalten, das ganze Staatshaushalte in den Schatten stellen wird. In geradezu absolutistischer Gutsherrenart wird diese Truppe ohne ernsthafte parlamentarisch-demokratische Kontrolle jede Woche über die Allokation von Abermilliarden Euros entscheiden. ![]()
=> Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass hier wohl zunächst am Markt völlig unverkäufliche PIGS-Anleihen zu nominal aufs Buch genommen werden - und morgen dann BP-Notanleihen monetarisiert werden - übermorgen Hilfen für private oder bereits teilverstaatlichte notleidende Banken à la Royal Bank of Scotland - überübermorgen dann "Politprogrammanleihen gegen Rechts" der deutschen Bundesregierung - und dass zuletzt jede noch so abstruse Politidee finanziert wird, die ein EU-Staat parlamentarisch niemals budgetiert bekäme, medial niemals vermittelt bekäme oder schlichtweg rein substanziell niemals bezahlen könnte! Die offiziellen EU-Staatshaushalte mit einem Rest an parlamentarischer Kontrolle werden über kurz oder lang eher "Resthaushalte" neben der riesigen toxischen Müllhalde namens EFSF werden!
=> Die Monetarisierungen der EZB gibt es zu allem Kredit-Überfluss noch on top: sie macht de facto das gleiche - ebenso ohne ernsthafte Veröffentlichungspflichten und ohne parlamentarische Kontrolle. ![]()
10. Dies, liebe Leser, ist also die schöne neue Welt der zentralistischen EUropäischen Planwirtschaft, die letztlich aber natürlich nur ein Abklatsch der US-Fed-Planwirtschaft ist. Dies ist der Grund für mein Verdikt vor einigen Wochen in "Wollt Ihr den totalen EUro?":
"Unverantwortliche Inflationspolitik, EUropäischer Fiskalsozialismus. Jeder greift in jedermanns Tasche und niemand ist mehr für irgendetwas verantwortlich. Willkommen in der Haftungs-, Schulden-, Inflations- und Siechtumsunion! Am Ende dieses Prozesses wird eine Währungsreform stehen, die mit der weitgehenden Vernichtung der Ersparnisse verbunden sein wird. Das ist expliziter Verfassungsbruch mit Ansage, Bruch des Amtseids 'Schaden vom Volk abwenden', vorsätzlicher Verrat am Volk und der demokratischen Grundordnung. "
11. Und nur mal als Gedankenspiel: sollten TATSÄCHLICH all die o.g. Töpfe versagen; sollten ernsthaft die Kreditquellen wegen rapidem Vertrauensverlust der Märkte und Menschen in dieses Ponzi-Spiel einmal versiegen; sollten DANN tatsächlich die PIGS-Zentralbanken genötigt sein, ihre vielleicht noch gut 3000 Tonnen an Goldmaterial AUCH noch auf den Markt zu werfen bzw. dieses Gold als einzige dann noch akzeptierte Sicherheit für weitere Kredite zu verpfänden ...
=> ... dann wären das nichts anderes als die letzte Zuckungen vor dem EUropäischen Offenbarungseid. Das hatten wir auch schon anno 1990, als die agonische Sowjetunion gegen Ende ihrer Tage das letzte Restgold aus der Zarenzeit auf den Markt warf, bevor sie dann unglamourös ableben durfte.
=> In DIESER Situation würden nicht nur 300 oder 3000, sondern sogar 30.000 Tonnen auf den Markt "geworfenes" Gold nur eines tun: In der Gluthitze der Nachfrage verdampfen...
"Liebe FTD magst ruhig sein.
Fest steht das Gold - das Gold allein!"
[sehr frei nach der "Wacht am Rhein"]
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EDIT 8.7.2010, 15 Uhr:
Mittlerweile berichtet das WSJ, dass es sich statt um NOTENbanken auch um GESCHÄFTSbanken handeln könnte, die "ihr Gold" bei der BIZ gegen Papiergeld geswapt haben.
=> Falls dies zutreffend sein sollte, würde es die Aussagen oben nicht relativieren. Ganz im Gegenteil kämen dann noch zusätzlich bedenkliche Aspekte in die Geschichte: Es wäre im Markt nicht bekannt, ob bzw. dass irgendwelche Geschäftsbanken physisches Gold in diesen Größenordnungen (346 Tonnnen) auf eigene Rechnung halten. Wenn sie dies aber NICHT tun und TROTZDEM Gold swappen, so kann es nur Gold sein, das ihnen ihre eigenen KUNDEN zur Verwahrung überlassen haben - sei es allokiert (ETFs) oder unallokiert (Goldkonten). Wie an anderer Stelle bereits einmal angemerkt, wollen all diese privaten und institutionellen Goldhalter natürlich uneingeschränktes LONG-exposure auf ihre Ware haben - sind also generell positiv für den Goldaufwärtstrend eingestellt und profitieren von ihm. Jeder (auch nur "temporäre") Verkauf oder Swap durch die verwahrenden Geschäftsbanken wäre somit moralisch illegitim - wenn auch vermutlich wegen Swap-Bestimmungen im Kleingedruckten nicht illegal.
=> Sollte das WSJ also recht haben, dann sollten sich die (natürlich wie immer ungenannten) Geschäftsbanken eine GUTE Erklärung zurechtlegen, was sie hier für Geschäfte zu Lasten ihrer eigenen Kunden machen ...
19 Kommentare
wieder durchs mediale Dorf getrieben wird.
Ist wohl jetzt zur BIZ Sau verkommen.
Stimmt schon, ist ne Riesensauerei, da reicht eine nicht!
Wenn die PIIGSFDUSAUK noch 3000 Tonnen echtes Gold haben....
Fresse ich einen Besen.
Naja. Einen Kleinen.
Gut dass ich hier - zumindest etwas - anonym bin ;-)
Für beide Alternativen fehlt mir das nötige Vorstellungsvermögen. Sooo blöd bzw. sooo bösartig kann ich mir keinen Menschen denken, der frei herumläuft.
Möglicherweise gibt es ein Drittes: Gleichgültigkeit, die zwischen überforderter Fahrlässigkeit und geltungsbedürftigem Vorsatz oszilliert. Also das, was Journalismus eigentlich ausschließen sollte.
Gott sei Dank gibt es Peter Boehringer, der die gegebenen Relationen setzt und der Wirklichkeit wieder Kontur gibt. Danke dafür.
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=> AW PB: Danke dafür etcpp. Natürlich gibt es da noch Dutzende weiterer Blogger und Multiplikatoren und gottlob auch noch einige kompetente und nicht korrumpierte Mainstream-Journalisten. Und natürlich sind die von mir kommentierten Artikel nur die Spitze eines VIEL größeren, abgründigen Eisbergs an Lügen und Verdrehungen. Man darf als Amateurblogger nie vergessen, dass man gegen eine hoch budgetierte und subventionierte professionelle Mainstream-Maschine anschreibt, die ja größtenteils der Papiergeldlobby selbst gehört... It´s still an uphill battle. Wir haben nur deshalb eine Chance auf adäquates Gehör, weil der Mainstream derart abstrus lügt, dass sich ausreichend viele Leser jeden Tag intellektuell beleidigt fühlen und Alternativen aktiv suchen. Schließlich müssen die Goldseiten-News aktiv angeclickt werden und landen nicht täglich automatisch im Zeitungs-Briefkasten oder auf der Glotze...
Jetzt weiss ich wieder ein kleines bischen mehr, warum ich kein einziges Gramm Gold verkaufe!
Das Betrugssystem - New York Banker leihen weltweit Geld und US Bürger kaufen damit weltweit Waren - ist geplatzt.
Und solange die Kriminellen im Hintergrund nicht die volle Härte der US Justiz spüren - z.B. im Rahmen von New Yorker Prozessen - wird auch das betrogene Vertrauen nicht wiederhergestellt.
Die ersatzweise 200 bis 300 Milliarden US Dollar Defizit MONATLICH, die alleine von Washington produziert werden - finanziert von der privaten US Fed - werden mit Sicherheit Wirkung zeigen.
Entscheidend ist doch, inwieweit dieser „Goldhandel“ sich auf dem freien Markt auswirkt, und das düfte eher gering sein, da er dort nicht landet.
Bei den 125 Mrd. EUR IWF-Kredite und Kreditgarantien würde mich interessieren, inwieweit die Bundesregierung den deutschen Goldschatz, den die Bundesbank immer mit Argusaugen bewachte, für die PIGS verpfändete.
danke fuer Ihre Veröffentlichungen.
Der Informationsfluss der üblichen Printprodukte scheint oft so abzulaufen:
Eine die Medien anfütternde Quelle wird etwa gleichlautend kopiert und damit distribuiert. Ohne Internetzugang erschliesst sich dieser Vorgang kaum, im Vergleich der aktuellen Online-Meldungen unter Google-News zB. bei vielen aktuellen Short-News aber erstaunlich monoton.
Hatte vor Jahren in einem damals noch nicht gleichgeschalltetem Bürgerradio einen Bericht über ein Medienkolloquium in der hamburger Kunsthalle gehört. Resümee eines Gespräches war in etwa, dass durch den Zwang zur Aktualität der Nachrichtenpublikationen keine Zeit zur Verifikation oder Eigenrecherche bleiben würde.
Mein momentanes Recherchethema betrifft zwar durch Nutztiere (Rinder, Schafe) verursachte Bahnstörungen und Unfälle, gerade dabei trat eine lineare Korrelation zwischen Aktualität und Abklatsch mit teilweise äusserst geringer Streuung zu Tage.
Mit freundlichen Grüssen, alles Gute für Sie und die an diesem Blog Beteiligten.
"Zu köstlich! Wenn der Hintergrund nur nicht so bedrückend wäre. " Ja, genau.
@etcpp
schon oft zitiert, aber immer wieder passend:
''Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin.
Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen.
Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.''
Aus einer Festrede von John Swinton, ehemaliger Redaktionsleiter der ''New York Times'', 1880.
Sie sind einer der wenigen, die in der tobenden Propagandaschlacht kühlen, analytischen Kopf behält. Allein dafür meinen größten Respekt! Mich stört aber noch viel mehr: die Tore der Willkür werden jeden Tag weiter geöffnet, Manipulation geschieht zur Sicherheit des Volkes (!), Wahrnehmungsdefizite, die zum Himmel schreien. Sie werden´s nicht leicht haben. Bitte schreiben Sie weiter! Lassen Sie sich nicht entmutigen! Ihre Kommentare zähle zähle ich zu den wertvollsten Beiträgen des freien Journalismus. Dafür danke ich Ihnen. ...und wenn Sie der FTD nochmals eins verbrettern haben Sie meinen uneingeschränkten Applaus. Das arroganteste Blatt Deutschlands!
Ja, ich kenne diese Swinton-Rede und ich schwanke zwischen Bewunderung und Verachtung für den Redner (schließlich muss er zuvor jahrzehntelang mitgemacht und -profitiert haben und ließ erst die "Hosen runter", als es für ihn nichts mehr zu verlieren gab).
Sicher gibt es diese Journalisten und ebenso sicher sind sie in der Mehrzahl. Und sicher gibt es für jeden Journalisten den Punkt, an dem er seine Überzeugung verrät und zur "Maulhure" wird. Was mich aber bedrückt, ist die Beobachtung, dass es bei den zuletzt Nachwachsenden dieser Profession scheinbar nichts mehr gibt, was es zu verraten gilt. Dass sie exakt die Entwicklung durchlaufen, die ubiquitär festzustellen ist: fehlendes Bewußtsein und damit auch fehlendes Gewissen. Wie kann etwas schlecht sein, das gar nicht vorhanden ist?
Individuelle Gleichgültigkeit bei gleichzeitiger Anbetung des Gottes Erfolg - das ist für mich DAS Übel der Zeit, an dem sich alle nachfolgenden Probleme festmachen lassen. Wir haben das falsche Ziel - da muss es nicht wundern, wenn kein Weg der richtige ist.
Wie Laasch mit seinem Buch "Das Zeitalter des Narzissmuss" Ende der 1960iger es beschrieb. Wie das Meiste im Leben, zeigen sich die Folgen etwa 40 Jahre später.
Die meisten Menschen sind heute wie ein "schwarzes Loch", das sich nicht direkt zu erkennen gibt, sondern dessen Existenz nur an der Tatsache ausgemacht werden, das etwas in ihm verschwindet. Dieses etwas, das da geheimnisvoll verschwindet, ist der Mensch mit all seinen nicht-äußerlichen Attributen. Was bleibt, ist eine gut programmierte, nicht reflektierende, atmende Maschine aus Fleisch und Blut. Das haben "sie" aus uns gemacht. Aber viel wichtiger: Das haben wir (bis auf wenige Ausnahmen) mit uns machen lassen.
Wenn wir nur auf "sie" zeigen, verraten wir das allererste, oberste Merkmal unseres Menschseins: die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen für sein Handeln (oder Nicht-Handeln).
Geld ist nur ein Symbol für Erfolg, und Macht dessen logische Folge. Solange wir darum Erfolg (Macht, Geld) an sich - egal auf welcher Seite - bewundern (oder beneiden) und nicht seine Substanz hinterfragen, so lange werden Wahrheit und Liebe auf der Strecke bleiben und mit ihnen letztlich die Menschlichkeit.
"Sie" sind verkommen, verlogen, niederträchtig und weiß-ich-was-alles. Aber wir sehen nicht unsere Verantwortung: Wir kaufen die Produkte, die sie bewerben, wir lesen ihre Artikel, mit den sie uns manipulieren, diese Produkte zu kaufen. Wir machen mit in diesem Spiel. Ja, wir ehren sie sogar mit einer konträren Meinung - Renitenz ist die Kehrseite der Medaille der Konformität. (Damit meine ich gerade nicht Herrn Boehringer, dessen Kommentare nicht einfach eine konträre Meinung dagegen halten, sondern der die bestehende Meinung aufgrund eines weiter gezogenen Kontextes überprüft und dann - meist - das als Manipulation entlarvt, was als seriöse Meinung kaschiert rüberkommen sollte. - Das ist etwas völlig anderes.)
Summa Sumarum: Unsere einzige wirksame "Waffe" gegen "sie" ist Selbstbesinnung, eigene Werte und Unempfänglichkeit gegenüber den ihrigen. Das heisst NICHT: gegen sie anzukämpfen, sondern nur: sie zu entlarven, die Wahrheit zu benennen und dann so weit wie möglich sein eigenes Ding zu machen (nach den eigenen Werten zu leben - sehr schwer).
Ob wir "Erfolg" damit haben? - Es sollte uns gleichgültig sein. Wenn die Menschen die Möglichkeit haben, die Wahrheit zu sehen und es dennoch nicht tun ... nun, keiner ist so blind wie der, der nicht sehen will, sagt der Volksmund. Und er sagt außerdem: Wer nicht hören will, muss fühlen. Gegen die Natur des (anderen) Menschen anzukämpfen, heißt auch, "Gott spielen" zu wollen. Dass es selbstverständlich für das bessere Ziel ist, das reklamiert jede Seite für sich.
Bitter ist es nur, das wir, das kleine, versprengte Häufchen der "Aufgewachten", das hören wollte und gehört hat, unter den Konsequenzen des Nicht-Hören-Wollens der Massen mit zu leiden haben werden. C'est la vie. Niemand ist eine Insel. Auch das gehört zum Menschsein - hochentwickelte Herdentiere, die mit ihrer Herde erblühen oder untergehen.
Vielleicht soll uns die Krise klar machen, dass wir eben nicht so "individuell", "unabhängig" und "selbstbestimmt" sind, wie wir vorgeben es zu sein (wozu Geld natürlich als Voraussetzung gilt, darum geben wir es ja auch Bedürftigen und nicht andere Dinge, mit denen sie ihr Überleben sichern könnten). Vielleicht soll uns diese Krise zeigen, dass wir sind, was wir sind: ein Mensch unter Menschen. Einzigartig jeder für sich, doch in dieser Einzigartigkeit nur (über-)lebensfähig in der Gemeinschaft. Weg vom "Ich, Ich" (Erfolg) hin zum "Du" (Über-]Leben).
Nachdem auch unser Herr Bundesrat Merz (aus dem gleichen Dorf wie ich) nebst anderen Auguren an der Spritze viel Gold gegen so ertragsreiche Papiere (!) günstig verkauft hat und die 3000 im Bericht angeführten Tonnen nur rund 100 Milliärdchen ausmachen, werden wir auch das noch überstehen ...
fest und lehgt Euch noch eine Notbevorratung an.
Die nächste Zeit könnte noch stürmisch werden!
Was mich betrifft, habe ich das mit der freien Meinung auch einmal ausprobiert -in Deutschland versteht sich- . Die Folgen waren privat und geschäftlich verheerend, dabei war ich nicht einmal frech sondern schlicht unabhängig und selbstdenkend.
Einmal nur gegen den Strom, weil ich mich nicht selber verlieren wollte für den Rest des Lebens, war echt "interessant" bis gruselig mit Presse und Fernsehen und allem. Probieren Sie es auch einmal und Sie wissen dann besser, was Sie eigentlich von Ihren Mitmenschen gerade verlangen und verstehen, warum diese nicht tun, was Sie fordern.
Das müssen Sie schon selber machen, wenn Sie das können und schauen, wer alles mit Ihnen läuft - manchmal wird etwas draus aber das sieht man erst viel später, leider.
So aber und nur so, wird Geschichte geschrieben.
Trotzdem ist es manchmal amüsant zu lesen, wie Sie die Themen umschreiben.
Ich bin überzeugt davon, dass "Die da Oben" gute Gründe für ihr Handeln nennen können, die uns noch völlig verborgen sind. Ob alles stimmt, was Sie schreiben, darf sicher gefragt werden. Wie ist Ihre Perspektive und kann es nicht sein, dass Ihnen einige Aspekte fehlen?
So schwanke ich dann hin und her, kann niemanden ganz gerecht werden und verharre nach einigem Hin und Her regungslos in der untätigen Mitte. Erkennen wir uns da jetzt alle wieder?
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=> AW PB: Liebe Angelika P-W:
- Stimmt alles, was ich schreibe? => Nein - das wäre Hybris zu behaupten.
- Kann es nicht sein, dass einige Aspekte fehlen? => Doch, das kann garantiert sein. Es ist ein Blog, der immer nur einen winzigen Aspekt und einen kleinen Moment des Weltgeschehens beleuchtet.
- Erkennen wir uns da jetzt alle wieder? => Wäre ja geradezu langweilig und schlimm - oder?!
Und zuletzt:
- Haben "Die da Oben" gute Gründe für ihr Handeln?
=> Garantiert haben sie die! Jedenfalls in den meisten Fällen - und wenn man keine irrationalen quasi-religiösen Fanatiker hinter den Kulissen unterstellt. Leider sind die guten Gründe in allererster Linie "gut für sie selbst". Ich kann Ihnen garantieren, dass für die große Masse der Menschen KEINE "guten Gründe" vorliegen, die uns irgendwie in unserer irdischen Beschränktheit verborgen geblieben wären und die nur von "Denen da Oben" erkannt würden. Diesen devoten Illusionismus vor der Macht sollten Sie ablegen. Das ist nur die Illusion, die uns ständig vorgegaukelt wird: "Es ist doch alles zu Eurem besten". Seit der Aufklärung sollten wir diesen Bullshit nicht mehr glauben!
"Erleuchtete Plejade des Weltproleteriats", Gen.J.W.Stalin (alias Koba alias Dshugaschwili) 1936 als "Besicherung" für sowjetische Waffenlieferungen an das rotspanische Regime durch einen volkseigenen Frachter via Mittelmeer - Schwarzes Meer nach Odessa und von dort aus in die Kreml-Tresore abtransportieren ließ ?
Und ist bekannt, ob Spanien nach der Beschlagnahme seiner Goldschätze - die tatsächlich noch zu einem nicht geringen Teil die Reste des legendären "Inka-Goldes" gewesen sein sollen - durch die UdSSR jemals wieder nennenswerte Goldreserven aufgebaut hat ?
Nach der "Demokratisierung" ab 1975 wird das wohl nicht der Fall gewesen sein, da diese Periode schon ganz im Zeichen der "Fiat-Money" Herrlichkeit stand.
Auch der griechische Goldschatz soll 1941 von den sog. Nazis beschlagnahmt worden sein, weshalb sich auch hier die Frage stellt, über welche (Buch-)Goldreserven das Land überhaupt noch verfügt.
Ebenso erging es dem österreichischen und tschechoslowakischen Gold 1938 bzw. 1939, wobei letzteres an die BIZ in Basel übertragen wurde, wohingegen die selbe BIZ gegen die "Übertragung" der österreichischen Goldreserven an das Deutsche Reich "Einwände nicht zu erheben hatte".
Ob diese vorzeitige und willige Überlassung des österreichischen Staatsgoldes an die bösen Nazis mit der Zusicherung zusammenhing, das dann knapp 1 Jahr später durch die selben Nazis konfiszierte, tschechische Gold der BIZ auszuhändigen, darüber darf man sich Gedanken machen.
Die Argumentation aus dem FAZ Artikel steht daher aus meiner Sicht auf Tönernen Füßen. Wozu der lange Blog?
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=> AW PB: Wie so häufig gilt auch hier bei "Laaaaang" unter der falschen Email "ab@web.de": Bitte hier aus diesem Romanblog ausloggen, selbst schreiben, kürzer schreiben. Sie können das. So wie BILD und Focus auch. Machen Sie es im eigenen Blog. Allerdings ein kleiner Tip: es sollten dann wenigstens die Fakten stimmen. Über einen "FAZ"-Artikel wurde oben nichts geschrieben...
bitte machen Sie weiter so. Ich warte schon regelrecht auf neue Beiträge von Ihnen. Die Mainstream-Medien habe ich alle abbestellt. Kenne persönlich einige Journalisten, welche mir bestätigt haben, dass sie nicht schreiben dürfen, was sie wollen. So auch beim "totalen Rauchverbot in Bayerns Gastronomie", bei politischen und wirtschaftlichen Dingen. Gerade noch die Berichte über einen Fussballverein in irgendeinem Kaff dürfen unzensiert durchgehen. Es ist schon sehr traurig, was aus unserem Land geworden ist.
Das Internet ist weitaus informativer!
Vielen Dank und passen Sie gut auf sich auf.
Entweder mit dem Strom oder gegen ihn, dass ist hier die Frage! Was kostet das Wissen und was nützt es einem?
Viele Grüsse an alle.





