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Gold als Geld: der ignorierte Elefant im Raum

von Peter Boehringer E-Mail 10.11.10 13:50:12

Erst gestern bloggte ich u.a. über den nur vermeintlichen Vorschlag von Weltbankchef Zoellick zur Wiedereinführung des Goldstandards. Wie nicht anders zu erwarten war, wird Zoellick bereits heute im Mainstream lächerlich gemacht.

Wie üblich von Krugman und Konsorten...

"Vor diesem Hintergrund brauchte Zoellick für Spot[t] [Schreibfehler im Originaltext] nicht zu sorgen. BerkeleyÖkonom Brad de Long sprach von einer beschleunigten Deflationsspirale und verlieh dem Weltbank-Chef den Titel des 'stupidest man alive', ein Urteil, das Nobelpreisgewinner Paul Krugman noch als zu gnädig erachtet." XX(

... und wie immer mit all den längst widerlegten Glaubenssätzen und Totschlagargumenten gegen einen Goldstandard:

"Der Goldstandard hat sich überholt, meint auch die UBS. 'Jede Währungsreserve muss eine Reserve aufweisen, die mit dem globalen Handel Schritt halten kann', so die Bank in einer kurzen Notiz. 'Gold erfüllt diese Bedingung in keiner Weise.' " :lalala:

=> Und so musste Zoellick heute auch gleich nachlegen und sich (genauer) erklären, obwohl er ja eigentlich nur als "Goldbug" missverstanden worden war. In der FT *) wird heute aus der Forderung nach einem OFFIZIELLEN Goldstandard folgender Satz von Zoellick, dem selbst eingefleischte und echte Goldbugs kaum widersprechen würden, denn er ist einfach nur eine Beschreibung des Status Quo der anhaltenden DE FACTO Re-Monetarisierung von Gold:

"Zoellick: 'Gold is now being viewed as an alternative monetary asset. This is not the same as a gold standard' "

Schön im FT-Text ist auch Zoellicks Metapher von Gold als ignoriertem "elephant in the room". Hier das ganze Zitat und ein passendes Bild dazu:

"Mr Zoellick on Wednesday said the increasing use of gold as a monetary asset was an 'elephant in the room' that was being ignored by policymakers in the debate over how to correct global trade and fiscal imbalances."

=> Tja. Fragt sich nur, VON WEM dieser Elefant seit Jahrzehnten ignoriert wurde. Ganz sicher nicht von den einschlägigen Seiten wie Goldseiten.de oder Hartgeld.com und deren Lesern, die erst vor wenigen Tagen zB von der FTD wieder einmal als "Verschwörungstheoretiker" beleidigt worden sind.
=> Schauen Sie also besser selbst in den Spiegel, Herr Zoellick. Von Krugman ganz zu schweigen. DER versteht das wahre Geld erst dann, wenn der Elefant Gold ihn und seine keynesianischen Märchen unter sich begräbt.

=> Es dauert nicht mehr lange. Und dann wird es auch im Mainstream und auf der G20 und in Harvard und Berkeley wieder heißen: "Gold is money - and nothing else!". Und dann sind wir 97 Jahre nach diesem Zitat von John Piermont Morgan im US-Kongress wieder da, wo dieser schon 1913 war. Und mit ihm die Welt - auch wenn dann ab 1914 bzw. 1971 niemand mehr die triviale Gold-Wahrheit straffrei aussprechen durfte. Und auch wenn es gerade in JPM-Analysen seit 1913 garantiert so niemals mehr zu lesen war. Jedenfalls nicht in Analysen für den Plebs da draußen.

*) Link zum FT-Text [Registrierung erforderlich]

12 Kommentare

Kommentar from: Elefant [Besucher]
*****
Kurz, treffend, schmerzvoll, wahr. Klasse - fünf Sterne!
10.11.10 @ 14:08
Kommentar from: Albino [Besucher]
*****
Sehr schöner Artikel!

Interessant auch, daß Zoellick die "policymaker" als die Blinden bezeichnet, wohlgemerkt, nicht die Politiker. Es scheint da wohl noch eine Kaste drüber zu geben.

Und die Herren in der Runde wissen wohl noch nicht, daß sie bald von dem Elefanten plattgetreten werden, den sie so geflissentlich ignorieren...
10.11.10 @ 14:43
Kommentar from: Naam [Besucher]
*****
Alexander (König von 336-323 v. Chr.) liess den in Persepolis "erbeuteten" Trohnschatz von Darius III von rund 70'000 Talenten (etwa 2000 t) weitgehend ummünzen. Die daraus u.A. entstandenen Tetradrachmen mit einem Gewicht von rund 17 Gramm Silber pro Stück hatten vor diesen etwa 2300 Jahren nebst einer seltenen Schönheit in griechischem Stil einen realen Wert und haben ihn heute noch. So einfach ist das.
10.11.10 @ 15:32
Kommentar from: Peter Szücs [Besucher]
Nirgendwo auf der Welt kommen wir ohne Maßeinheiten weiter, nur im Finanzsektor.
Gold oder auch Geld ist nichts anderes als ein
Gleichheitszeichen zwischen zwei Tauschobjekten.
GOLD!!! ist die Maßeinheit für Geld.
Nicht das Geld muss man zu Gold binden, sondern
das Goldpreis sagt uns wie viel das Geld als einfache Tauschmittel wert ist.
Alle Staaten haben so die Möglichkeit Ihre Geld-politik flexibel, je nach Erfordernissen zu gestalten. Und am Goldpreis kann man messen,
ob ein Währung viel oder wenig Wert ist.
So brauchen wir die Meinung von Rating-Agenturen und Nobelpreisträgern nicht mehr.

GOLD IST DIE BESTE MASSEINHEIT!!!
10.11.10 @ 18:01
Kommentar from: Hermes1650 [Besucher]
*****
Hallo Herr Boehringer,

wie immer erstklassig.

Der Goldstandard funktioniert , auch in einer
"heutigen" Welt.

Um die Geldmenge zu steuern, wären nur die
guten, jahrhundertelang praktizierten

Handelswechsel wieder einzuführen.

10.11.10 @ 19:31
Kommentar from: Sebastian Ott [Besucher]
ha ha! die überschrift und das bild ist einfach köstlich. ich liebe ihre beiträge herr böhringer, weiter so!

******
=> AW PB: Wegen mehrerer Fragen und Zuschriften zu diesem Bild: mein Dank für Idee, Umsetzung und exklusive Überlassung für meinen Blog an den Künstler mit Künstlernamen "leine", der (natürlich) ein langjähriger Goldbug ist !
10.11.10 @ 19:31
Kommentar from: Nikodemus [Besucher]
*****
Ich glaube Edelmetalle hatten Wert, haben Wert und werden sie auch in Zukunft haben.

Wenn sie diesen Wert als gesetzliches Zahlungsmittel noch einmal bekämen, hätte es u. a. den großen Vorteil, daß dann die Professoren für Makroökonomie nicht mehr soviele Deflatoren in ihren Gleichungen einführen müßten.

Ansonsten muß man die Edelmetalle als Zweitwährung ansehen.

Die Einführung einer Goldwährung wollten viele einführen, so Mahathir bin Mohamad, [ *) ] vermutlich auch Saddam, sie wurde aber immer von den Amis vereitelt.

Den Persern wird jetzt gar nichts anderes übrig bleiben als ihre Außenhandelstransaktionen mit Gold zu tätigen; es sei denn, sie würden durch einen Krieg daran gehindert.



*************
=> *) Ergänzung PB: Wie es der Zufall so will: Heute (Do 11.11.2010) bekommt eben dieser Mahathir Mohamad eine GANZE Seite (!) - noch dazu die prominente LETZTE Seite (56, nicht online) im Handelsblatt, um sich über die Ursachen der Krise und vor allem über den künftig wieder anzustrebenden Goldstandard auszubreiten. Ein "Gastkommentar" natürlich - aber DAS ist doch erstaunlich. Der Mainstream kommt ums Thema nicht herum. Jedenfalls nicht in Zeiten ENORMER Spannungen zB bei irischen Staatsanleihen und vor dem G20-Meeting, wo diesmal auch der goldene Elefant im Raum nicht mehr ignoriert werden kann...
10.11.10 @ 20:11
Kommentar from: Dsc [Besucher]
*****
Vielen Dank für den sehr guten Artikel!
Die aktuelle Diskussion ist schon sehr bizarr:
* Da bestreiten die Verfechter des alten FIAT-Geldsystems die Geld-Eigenschaft von Gold obwohl doch alle wichtigen Zentralbanken (inkl. EZB und IWF) Währungsreserven in Gold halten und die Verkäufe der Vergangenheit wohl weitgehend eingestellt haben????
* Die letzten 11 (elf!) Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften gingen in die USA und deren Empfänger zählen ja wohl nicht wirklich zu den ernsthaften Kritikern des System, welches die gewaltige und keinesfalls gelöste Finanzkrise hervorbrachte.
11.11.10 @ 12:31
Kommentar from: Ropeka [Besucher]
*****
Es erscheint anscheinend auch im Mainstream jetzt Konsens darüber, daß zuviel und vor allem beliebig viel Geld geschöpft wird.
Mit der Bindung an einer Werteinheit käme Geld seinen urprünglich erdachten Sinn wieder nahe: Wertmaßstab für die zur Bedürfnisbefriedigung notwendigen Güter und Dienstleistungen. Die unnatürliche Geldschöpfung führt zu unnatürlichen Ergebnissen: Verarmung breiter Massen auf der einen Seite, sinnlosen Konsum und Ressourcenverschwendung auf der anderen Seite.
11.11.10 @ 12:59
Kommentar from: Schneider [Besucher]
Ein Massanzug= 1 Unze Gold.
Wird dieses Tauschverhältnis(wohl schon zur Römerzeit bestehend) sich in Zukunft drastisch ändern? Wird es bald den Massanzug schon für 0,25 Unzen geben? Bitte um Aufklärung
12.11.10 @ 12:36
Kommentar from: Geldsystem [Besucher]
Könnte man nicht ganz einfach die verfügbare Geldmenge, (GM) mit der Anzahl der Weltbevölkerung (EP) multipliziert mit dem monatlichen notwendigen Geldmenge (MNGM), begrenzen.

EP = 6,7*10^12
MNGM = 1.000 € (z.B.)

z.B. GM = EP * MNGM = 6.7*10^12 * 1000 = 6,7*10^15 = 6,7 Billionen monatlich benötigter Geldmenge für alle Bürger der Welt zum bezahlen der monatliche bedürfnisse.

Keine Zinsen - eh klar; max. Kreditmenge = 10 * GM = 67 Billionen/pro Monat € (10% Einlagenreserver sozusagen)
Ist die max. Kreditmenge ausgeschöpft gibt es keine neuen Kredite bis alte zurückbezahlt wurden.

Golddeckung wäre hier auch nicht notwendig. Zu einfach gedacht? - vermutlich!


**********
=> AW PB: Es gibt kein "zu einfach" im Geldsystem. Aber viel zu viel "zu komplexe" Vorschläge. Wir werden die Debatte über das richtige System hier nicht führen können. Wie gesagt: die "Österreicher" lösen das pragmatisch: freier Wettbewerb der Systeme - dann findet der Markt das richtige und von den Menschen gewollte Geldsystem. Insofern wäre dann auch keine Geldmengenbegrenzung erforderlich. Selbst eine STATISCHE Geldmenge erfüllte ihren Zweck. Oder eben KONKURRIERENDE Geldmengen konkurrierender Systeme. Das regelt sich alles. Man muss die Natur und den Markt nur machen lassen. Bis 1913 ging es auch ohne "gesetzliches Monopolgeld". Der Staat hat im Geldsystem nichts zu suchen. Aber diese einfache Wahrheit wird von links wie rechts und v.a. natürlich von den keynesianischen Globalisten immer wieder als "absurd" abgetan und die Debatte tabuisiert. Noch...!
14.11.10 @ 20:47
Kommentar from: Foerster [Besucher]
*****
"Ein Massanzug= 1 Unze Gold.
Wird dieses Tauschverhältnis(wohl schon zur Römerzeit bestehend) sich in Zukunft drastisch ändern? Bitte um Aufklärung"


Nein. Eine handgemachte Toga mit Gürtel und Sandalen kostete etwa den gegenwert von 7000€.
Wenn du die gleiche Qualität wie damals haben möchtest, dann musst du auch heute so viel hinlegen.

http://www.youtube.com/watch?v=d7RVHl8pwk8&feature=related

*********
=> AW PB: Das ist einerseits wahr. Andererseits sind 7000 $/oz ja auch ungefähr der faire Wert von Gold in einer unmanipulierten Welt (und zwar OHNE Währungspanik oder drohendem Währungscrash). Insofern könnte die Unzenregel doch auch weiterhin bestehen?! Q.e.d. ;-)
28.11.10 @ 05:15

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