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No blessings for Blessing: der Blessing-Brief in politisch inkorrekt kommentierter Übersetzung

von Peter Boehringer E-Mail 29.01.11 15:11:21

Der vorliegende Blogeintrag nimmt direkten Bezug auf den am heutigen Samstag-vormittag weltweit erstmals als Scan veröffentlichten berühmten Blessing-Brief von 1967. Dieser mythenumrankte Brief des ehemaligen Bundesbankchefs Karl Blessing an sein US-Pendant, den damaligen Fed Chairman William Martin, kann nun nach 44 Jahren endlich als Originalquelle im Internet begutachtet werden. Um es vorweg-zunehmen: Historisch sensationelle Enthüllungen dürfen nicht erwartet werden und zudem war der Briefinhalt durch einige wenige US-Buchautoren und in Deutschland via Dimitri Specks Buch "Geheime Goldpolitik" (2010) bereits eingesehen und analysiert worden. Dennoch ist es ein großes Verdienst des Investigativjournalisten Lars Schall, nun endlich einen Scan und damit den vollen Wortlaut des Briefs beschafft zu haben - dies übrigens mit wissenschaftlicher Unterstützung des bereits erwähnten Dimitri Speck, mit motivatorisch-ideeller Unterstützung durch meine Wenigkeit sowie unter Mithilfe einiger Akteure in den USA.

Hier zunächst ein Auszug des Blessing-Briefs:

Hier der Link zum Scan des ganzen Blessing-Briefs:
http://www.infokriegernews.de/wp-content/uploads/2011/01/Blessingbrief.pdf

Hier der Link zum Artikel von Lars Schall:
http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=15325

Die Goldwelt und die wirtschaftspolitische Forschung können Lars Schall dankbar sein für seine Recherche-Initiative. Aus eigentlich unerfindlichen Gründen war das Internet im Falle dieses seit Jahrzehnten heiß debattierten Briefs einmal langsam. Es ist nur schwer nachvollziehbar, dass ein so wichtiger und schon länger de-klassifizierter Brief bis heute nie im gescanten Original der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt worden war.

Während wie gesagt die historischen Sensationen darin fehlen, halte ich doch den Wortlaut und den Inhalt des Briefs für wirtschaftshistorisch bedeutsam. Nachfolgend finden Sie daher eine Übersetzung des Briefs. Dies ist die erste Volltext-Dokumentation des Briefs im Internet! Ich habe mir einige kleine Freiheiten und Erläuterungen in der ansonsten wortgetreuen Übersetzung erlaubt. Und natürlich dürfen in diesem Blog auch wie immer einige politisch inkorrekte Kommentierungen dazu nicht fehlen. Die professionellen Wirtschaftshistoriker mögen über diese meine Spitzen bitte gnädig hinwegsehen.

Hier also meine kommentierte Übersetzung des kompletten Blessing-Briefs. Zusätzlich ist eine kommentarfreie Übersetzung zu Dokumentationszwecken ans Ende des Blogs gestellt.

„DEUTSCHE BUNDESBANK
Der Präsident
Frankfurt am Main, 30. März 1967

An Mr. W. McC. Martin, Jr.
Chairman des Board of Governors
des Federal Reserve Systems [Fed]
Washington, D.C. 20551

Sehr geehrter Mr. Martin,

In den USA wurden gelegentlich Bedenken geäußert, dass die in DM anfallenden Kosten für die Präsenz amerikanischer Truppen zu einem Abfluss amerikanischen Staatsgolds führen.“

=> Ja, es waren andere Zeiten. Und ja, es war Kalter Krieg. Und ja, die sowjetische Bedrohung der BRD war real. Und ja, die Präsenz amerikanischer Truppen war in dieser Hinsicht wichtig für die BRD. Dennoch ist die Deklarierung der Kosten der US-Präsenz in der BRD als Hauptursache (!) für den „Verlust von US-Gold an Deutschland“ – via Bretton Woods Dollar-Gold-Konvertierung einfach lächerlich. Alleine schon aus Gründen der recht überschaubaren Beträge, die in keinem Verhältnis zu den Dollarmengen standen, über die die Bundesbank indirekt aus den damals schon enormen bundesdeutschen Handelsüberschüssen verfügte! Blessing greift hier ohne Not eine falsche US-Argumentation auf, die damals –ganz nach bis heute bewährtem Strickmuster– gegen Deutschland aufgefahren wurde.

„In diesem Zusammenhang würden wir gerne drei Punkte herausstellen
(1) Veränderungen der [Gold- und Währungs-] Reserven der Bundesbank sind Ergebnis einer Kombination von Entwicklungen in allen Teilen der deutschen Zahlungsbilanz.
(2) Ausgaben in DM für amerikanische Truppen in Deutschland und [dafür] kompensierende deutsche Einkäufe amerikanischer Militärgüter [in Dollar] sind nur zwei Faktoren in dieser Bilanz.
(3) Die deutschen Währungsreserven [gemeint sind v.a. Dollar- und Goldbestände] haben sich über die vergangenen Jahre netto kaum verändert.“

=> Blessing erwähnt diese drei Punkte zwar zurecht. Er tut dies jedoch in einer verklausulierten Diplomatensprache anstatt das eingangs genannte hanebüchene Argument der Kosten der US-Truppenpräsenz einfach direkt durch Nennung der Beträge und Einordnung in die um ein Vielfaches höheren deutschen Handelsbilanzüberschüsse zu relativieren und damit praktisch vollständig zu entkräften!

„Darüber hinaus sollte die Situation im Zusammenhang mit der allgemeinen Währungsreserven-Politik der BuBa gesehen werden. Sie wissen natürlich, dass die Bundesbank in den vergangenen Jahren keine Dollars in Gold des US-Schatzamts umgetauscht hat, die ihr aus den deutschen Währungsüberschüssen zugewachsen sind. Der Zuwachs unserer Goldreservebestände über die vergangenen Jahre kam vor allem durch Goldverkäufe des IWF zustande [...] sowie durch unsere Teilnahme am Gold Pool der Zentralbanken.“

=> Die bundesdeutschen Goldreserven hatten sich 1966/1967 nur leicht erhöht. Doch selbst dieser unter Berücksichtigung des enormen deutschen Handelsbilanz-überschusses geringe Zuwachs störte Martin und die amerikanische Politik und Finanzwelt enorm, denn man fürchtete, dass die BRD Teile davon zu 35 $/oz gegen US-Gold eintauschen könnte. Ein gemäß damals offiziell weiterhin gültigem Bretton Woods System völlig normaler Vorgang (den zB nur kurz danach Charles de Gaulle für Frankreich mit den französischen Dollarreserven auch durchgezogen hat). Jedoch einer, der aus US-Sicht unter allen Umständen schon im Ansatz abgewürgt werden musste, denn er hätte den Offenbarungseid des US-Dollars, den Nixon dann erst im August 1971 vollziehen musste, um bis zu vier Jahre beschleunigen können! Man kann leicht ahnen, welcher diplomatische Druck bis März 1967 im Hintergrund aufgebaut worden war, so dass Blessing sich zu diesem Brief veranlasst oder gar von US-Seite genötigt sah.
=> Auch die Erwähnung des berüchtigten London Gold Pools im Brief ist kein Zufall: Dieser Pool war eine illegitime Kartellabsprache der westlichen Notenbanken, über die zwischen 1961 und 1968 die ansonsten längst nicht mehr zu haltende Fiktion des offiziellen und fixen Gold-Dollar-Umtauschkurses schon seit Anfang der 1960er Jahre künstlich aufrechterhalten wurde. Blessing beeilt sich hier zu versichern, dass die BRD bzw. die Bundesbank in der Rolle einer treuen US-Kolonie aktiv, brav und immer im Sinne der sonst unter einem ehrlichen Bretton-Woods-Goldstandard ab etwa 1972 absehbar bankrotten (da Gold-losen) USA mitgespielt haben [vgl. hier, S. 3/4].

„Die Bundesbank hat es komplett unterlassen, Dollars in [physisches] Gold des US-Schatzamts zu konvertieren. Die Bundesbank hat dabei [immer] beabsichtigt, zu einer [guten] internationalen monetären Kooperation beizutragen; und störende Effekte [eines Umtauschs großer Dollarmengen in US-Gold] zu vermeiden.“

=> Damit es auch der letzte Fed-Chairman versteht und der letzte amerikanische Imperator glaubt, wiederholt Blessing seinen Punkt noch einmal in völlig unmissverständlicher Explizität und Klarheit…
=> Und nicht vergessen: dem Bretton Woods System war das Recht zur Konversion von Dollars in Gold inhärent und theoretisch ein wichtiger Funktionsmechanismus dieses indirekten Goldstandards. Blessings Aussage steht hier also den offiziell behaupteten Bretton Woods Funktionsmechanismen diametral entgegen!

„Sie können versichert sein, dass die Bundesbank auch weiterhin plant, diese [zurückhaltende] Politik fortzusetzen und ihren Beitrag zu voller internationaler monetärer Kooperation zu leisten.“

=> Und weil er schon einmal auf den Knien vor dem Thron der Geldherren der Welt ist, bleibt Blessing gleich in dieser Stellung und verlängert dieses sein Versprechen auch noch in die Zukunft. Natürlich wie gehabt in geradezu devotem Duktus.
=> Wie wir heute wissen, hat dieses Versprechen nicht nur das ja 1971/1973 endgültig zusammengebrochene Bretton Woods System überdauert, sondern auch den gesamten Kalten Krieg und die deutsche Wiedervereinigung. Der Brief bzw. das o.g. Versprechen von Blessing nahm den späteren offiziellen Papier-Dollar-Standard um volle sechs Jahre vorweg - wenn auch zunächst nur heimlich und de facto. Das ist wirtschaftshistorisch bedeutsam.
=> Bis heute fühlten sich unausgesprochen alle acht nachfolgenden Bundesbankpräsidenten von Klasen bis Weber an dieses Versprechen des Blessing-Briefs gebunden, dem seit mittlerweile fast 40 Jahren –bzw. wenigstens seit 21 Jahren– eindeutig die Geschäftsgrundlage entzogen ist!
=> Kein Bundesbank-Präsident oder Kanzler fühlte sich trotz aller Fundamentalkrisen und trotz der gerade aktuell wieder existenziellen Bestandsgefährdung der Papierfalschgeldwährungen der Welt je dazu berufen, auch nur minimale Teile der riesigen Bundesbank-Währungsreserven in die einzige echte Reservewährung Gold zu konvertieren (oder auch nur die im Ausland befindlichen ca. 3400 Tonnen deutschen Volksgoldes in ein angeblich souveränes Deutschland zurückzuholen, wo sie natürlich im Hinblick auf die kommende Weltwährungskrise zur Aufrechterhaltung der Option einer Golddeckung einer neuen DM unbedingt hingehören).

„Mit freundlichen Grüßen
Karl Blessing“

=> No blessings for Blessing. Eine unabhängige Geschichtsschreibung wird eines Tages negativ über die Bundesbank-Präsidenten urteilen.

Fazit
Der Blessing-Brief ist mehr als nur ein nun entzaubertes Mystikum. Das darin enthaltene Versprechen, keine Dollarreserven in Gold zu konvertieren, war gelebte deutsche Währungspolitik von 1967 bis heute 2011! Bundesbanker und Politiker kommen und gehen. Die Falschpolitik und die peinlichen Argumente zu ihrer Begründung bleiben ...

**********

Nachfolgend zur Dokumentation noch einmal der Brief im Originaltext ohne Kommentare:

„DEUTSCHE BUNDESBANK
Der Präsident
Frankfurt am Main, 30. März 1967

An Mr. W. McC. Martin, Jr.
Chairman des Board of Governors
des Federal Reserve Systems [Fed]
Washington, D.C. 20551

Sehr geehrter Mr. Martin,

In den USA wurden gelegentlich Bedenken geäußert, dass die in DM anfallenden Kosten für die Präsenz amerikanischer Truppen zu einem Abfluss amerikanischen Staatsgolds führen.

In diesem Zusammenhang würden wir gerne drei Punkte herausstellen
(1) Veränderungen der [Gold- und Währungs-] Reserven der Bundesbank sind Ergebnis einer Kombination von Entwicklungen in allen Teilen der deutschen Zahlungsbilanz.
(2) Ausgaben in DM für amerikanische Truppen in Deutschland und [dafür] kompensierende deutsche Einkäufe amerikanischer Militärgüter [in Dollar] sind nur zwei Faktoren in dieser Bilanz.
(3) Die deutschen Währungsreserven [gemeint sind v.a. Dollar- und Goldbestände] haben sich über die vergangenen Jahre netto kaum verändert.

Darüber hinaus sollte die Situation im Zusammenhang mit der allgemeinen Währungsreserven-Politik der BuBa gesehen werden. Sie wissen natürlich, dass die Bundesbank in den vergangenen Jahren keine Dollars in Gold des US-Schatzamts umgetauscht hat, die ihr aus den deutschen Währungsüberschüssen zugewachsen sind. Der Zuwachs unserer Goldreservebestände über die vergangenen Jahre kam vor allem durch Goldverkäufe des IWF zustande [...] sowie durch unsere Teilnahme am Gold Pool der Zentralbanken.

Die Bundesbank hat es komplett unterlassen, Dollars in [physisches] Gold des US-Schatzamts zu konvertieren. Die Bundesbank hat dabei [immer] beabsichtigt, zu einer [guten] internationalen monetären Kooperation beizutragen; und störende Effekte [eines Umtauschs großer Dollarmengen in US-Gold] zu vermeiden.

Sie können versichert sein, dass die Bundesbank auch weiterhin plant, diese [zurückhaltende] Politik fortzusetzen und ihren Beitrag zu voller internationaler monetärer Kooperation zu leisten.

Mit freundlichen Grüßen
Karl Blessing“

14 Kommentare

Kommentar from: LuckyFriday [Besucher]
*****
Es ist also klar, dass KEIN junctim zwischen diesem Blessing - Brief und der Nicht-Rückführung der bundesdeutschen Goldreserven aus den USA nach Deutschland besteht!

Denn es steht schlicht NICHTS darüber drin, wie oft gemutmasst oder behauptet worden war.

Die Goldreserven der deutschen Bundesbank in den USA könnten also ohne weiteres abgeholt und nach Deutschland zurückgebracht werden....

LF

***********
=> AW PB: Ja, zu diesem Schluss kann und muss man kommen, falls es keinen ZWEITEN Blessing-Brief gibt, wofür wir derzeit keine Anhaltspunkte haben. Eine Ausrede weniger also für unsere Volksvertreter. Und eine Chance mehr für sie, durch physische Rückführung der Reserven dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen. Leider wird in diesen irgendwie "anderweitig incentivierten" Politikkreisen ja regelmäßig die "andere" Option erwogen: buchhalterischer Verkauf des deutschen Goldes gegen Papiergeld oder gar einfache Verrechnung gegen irgendwelche vermutlich wenig substanziellen Forderungen an Deutschland (zB weitere "PIGS-Bailouts" oder "Reparationszahlungen aus WK II an Griechenland oder andere"...) und dann Ausbuchung aus der BuBa-Bilanz ... Aus Sicht der Papiergeld-Eliten ist das Problem dann elegant gelöst. Und kein Mensch außer ein paar unverbesserlichen Wahrheitssuchern und Goldbugs fragt dann noch, ob das Physische nicht schon vor Jahrzehnten zur Preisdrückung in den Markt gegeben wurde...
=> Lucky´s Forderung sollte daher auch und gerade jetzt nach dieser neuen Erkenntnis schnell gestellt werden. Solange es eben noch geht und eine buchhalterische und viell. sogar noch physische Basis vorhanden ist. Ganz neu ist die Erkenntnis übrigens auch nicht: Dimitri Speck hatte schon 2010 in einer Fußnote seines Buchs nach Sichtung der Originalquelle die Aussage "Kein Junktim!" versteckt. Haben nur irgendwie alle überlesen...
29.01.11 @ 17:24
Kommentar from: bitbuerster [Besucher] E-Mail
@LuckyFriday: Von wegen! Es stimmt zwar, dass im Blessing-Brief nichts von einem Junktim zu finden ist.

Das heisst aber noch lange nicht, dass es nicht in anderen (Geheim-)Papieren entsprechende Kotaus gegenüber dem Grossen Bruder gibt!

- Selbstverständlich wird die deutsche Regierung ihre Goldbestände nicht aus der USA abziehen, weil dies am Markt ein Zeichen setzen würde, dass sie die USA abgeschrieben hätten
- Und selbstverständlich wird die USA die deutschen Goldbestände nicht herausrücken, weil es das letzte Pfand ist, die "deutschen Knechte" zur Not auf Linie zu bringen

Wer irgendetwas anderes glaubt ist schlichtweg naiv..

**********
=> Ergänzung PB: Ganz ruhig bleiben. Lucky Friday und Sie haben beide recht bzw. vermutlich recht. Lucky Friday hat rein juristisch und korrekt festgestellt, dass zumindest IN diesem Brief das berühmte vermutete Junktim zwischen Verbleib der US-Militärpräsenz in D und Verbleib des BRD-Goldes in den USA schlichtweg nicht drinsteht.
=> Das aber widerspricht in keiner Weise Ihrer Vermutung, dass es Geheimpapiere mit eben diesem Inhalt gegeben haben könnte und dass Blessing davon wusste und vielleicht auch ab und zu davon erzählt hat, was vermutlich die Quelle der jahrelangen entsprechenden "Junktim"-Gerüchte gewesen war. Die Indizien hierfür sind eindeutig, da kein BuBa-Präsident und keiner der 6 Kanzler seit 1967 von Kiesinger bis Merkel auch nur den VERSUCH einer Rückholung des Goldes gemacht hat.

=> Wichtig ist aber, dass die Systempolitik nun wieder ein Argument weniger hat, diese überfällige Rückholung anzugehen. Der Blessing-Brief steht dem jedenfalls juristisch nicht entgegen. Natürlich können Sie das (vermutlich zurecht) als naive Forderung der Goldbugs klassifizieren. Aber die Politik soll uns gefälligst die Geheimvereinbarungen offenlegen und vor allem BEGRÜNDEN, wenn diese einer Rückführung im Weg stehen sollten. Einen Versuch ist es allemal wert. Was hat D hier schon zu verlieren? Wenn erst die Goldbestände ausgebucht sind (siehe oben meine erste Antwort) oder eben nach dem Tag X der Währungsreform sind "deutsche" Goldbestände in den USA wertlos. DANN wird jede weitere Debatte unführbar. DANN sind 3400 Tonnen endgültig verloren...
29.01.11 @ 23:30
Kommentar from: bitbuerster [Besucher]
sehr interessant -und übrigens erschreckend aktuell, wenn man sich mal den 40 Jahre alten SPIEGEL-Artikel durchliest: Den könnte man heute gerade 1:1 wieder abdrucken, selbst die alte Überschrift "DER BRIEF GILT LEIDER NOCH HEUTE!" könnte unverändert stehen bleiben...

-Habe den Blessing-Brief daher vorhin mal mit ein paar Kommentaren an die normale Presse weitergeleitet; wäre ja schön, wenn das ein bisschen mehr ins Bewusstsein Michels dränge...

********
=> AW PB: Danke fürs Weiterleiten. In der Tat eine sinnvolle Maßnahme. Mal sehen, ob und mit welchem Tenor die Entdeckung des Blessing-Volltextes in der Presse "weitergedreht" wird.
30.01.11 @ 00:13
Kommentar from: Claudius v.d.Bach-Zelewski [Besucher]
*****
Guten Abend Herr Boehringer,

bedanke mich sehr für die Veröffentlichung des bemerkenswerten Dokuments, das ich bisher noch an keiner Stelle im Netz gefunden hatte.

Allerdings will sich mir der Sinn des Einleitungssatzes nicht so recht erschließen:

"In den USA wurden gelegentlich Bedenken geäußert, dass die in DM anfallenden Kosten für die Präsenz amerikanischer Truppen zu einem Abfluss amerikanischen Staatsgolds führen."

Gem. Art. 120 Abs.1 S.1 des von den westalliierten Siegermächten aufoktroyierten (vgl. "Frankfurter Dokumente") GG trägt "der Bund die Aufwendungen für die Besatzungskosten (...)."

Ich verstehe daher nicht, wieso "in DM anfallende (und von der BRD gem. Art. 120 GG zu tragende) Besatzungskosten zu einem Abfluß amerikanischen Staatsgoldes" führen sollten - es sind ja "deutsche" Ausgaben.

Ansonsten bringt der Brief (insofern er vollständig sein sollte, womöglich existieren ja in alter AA-Tradition "geheime Zusatzprotokolle"...) in der Tat nicht viel Neues.

Die Servilität des Herrn Blessing war schon durch die beiden SHAEF-Gesetze Nr. 61 USA (vom 20.06.1948) und Nr. 67 USA (vom 20.03.1948), die die DM als das "alleinige Zahlungsmittel" für die BRD festlegen, vorgezeichnet.

Denn da die USA die wahren "Väter" der DM waren, wird ja nicht deren Kind (gemeint BRD) gegen seinen Erzeuger aufsässig werden wollen.

Ich frage mich daher eher, wie es vor diesem Hintergrund überhaupt zur Einführung des "Euro" kommen konnte, denn da nach meinen eigenen Recherchen SHAEF Nr. 61,67 nie rechtswirksam aufgehoben oder sonstwie derogiert wurden, kann der "Euro" für das Gebiet der BRD an und für sich überhaupt keine Gültigkeit als Zahlungsmittel beanspruchen (vielleicht ist darin ja der Grund zu sehen, daß bestimmte Charts in angelsächischen Staaten neben "Euro" immer noch DM-Kurse angeben).

Lasse mich aber gerne belehren, wenn es nicht an dem ist.

Zu der "sowjetischen Bedrohung" wäre womöglich festzuhalten, daß hier 40 Jahre lang zwischen den USA und der UdSSR eine für bestimmte Kreise lukrative (Schmieren-)Komödie gespielt wurde, deren erfolgreich erreichter Zweck darin bestand, beide "deutsche Staaten" straff an der Leine zu halten.

Darauf gibt es nicht nur fiktive Hinweise.

*********
=> AW PB: Zu Ihrer offenen Frage von oben:
"Ich verstehe daher nicht, wieso "in DM anfallende (und von der BRD gem. Art. 120 GG zu tragende) Besatzungskosten zu einem Abfluß amerikanischen Staatsgoldes" führen sollten - es sind ja "deutsche" Ausgaben."

=> Danke für die Nennung des Art 120 [Gem. Art. 120 GG trägt 'der Bund die Aufwendungen für die Besatzungskosten.']. Das ist in diesem Zusammenhang tatsächlich interessant und entkräftet NOCH mehr als im Blog eh schon genannt das amerikanische "Argument" für den deutschen Goldverbleib. Ich denke zwar schon, dass die USA auch ein paar Kosten hatten, die (zumindest direkt) NICHT von der BRD getragen wurden. Aber diese dürften in der Tat vernachlässigbar gewesen sein, so dass die amerikanischen Kosten, die in DM zu zahlen waren und die damit (theoretisch) im Bretton Woods System zu einem Goldabfluss aus den USA hätten führen können, minimalst gewesen wären!.

=> Zu Ihrer Vermutung "geheime Zusatzprotokolle" oder auch "mündliche Anweisungen an bundesdeutsche Funktionsträger in der BuBa oder der Politik" wurde ja schon an "bitbuerster" geantwortet - ja: vermutlich gab es die - aber wir können es nur indirekt belegen.

=> Ansonsten sollte man vielleicht noch das Argument "sowjetische Bedrohung des deutschen Goldes bei einer Lagerung in D" aufgreifen: Vielleicht gab es die im Kalten Krieg tatsächlich, falls Ihre These "Schmierenkomödie" NICHT zutreffen sollte. Aber auch diese Bedrohung darf -selbst in offizieller Lesart- seit spätestens 1989/91 keine Rolle mehr spielen!

Fazit:
Die Politik HAT heute keine Ausreden mehr, das deutsche Gold NICHT rückzuführen. Jedenfalls keine, die der Öffentlichkeit ehrlich mitgeteilt werden (könnten). Bestehen wir also auf Rückführung. Der Blessing-Brief steht nicht im Weg. Andere offizielle "Argumente" ebenfalls nicht.
30.01.11 @ 00:31
Kommentar from: Jürgen Kremser [Besucher] · http://www.gruenguertel.kremser.info
*****
30.01.2011

Der Blessing-Brief ist ein weiteres, eigentlich im Vergleich zur Euro-Krise kleines, Indiz dafür, daß die Bundesrepublik im Grunde genommen kein souveräner Staat ist, so daß alle internationalen Verträge, die von ihr seit 1945 abgeschlossen wurden, insbesondere auch zur EU und zum Euro, problematisch sind.

Das System der Abhängigkeit ist tiefgehend und fängt mit den Massenmedien inkl. öffentlicher Rundfunk an, die in der Bundesrepublik erscheinen, aber häufig die Interessen der USA verfolgen, und von denen die Politiker bei ihrer eigenen Erhaltung abhängig sind. Man sieht vorliegend, daß auch die Bundesbankbeamten dem System devot folgen müssen. Zum Dank dafür dürften die Blessings eine ganze Dynastie von Bankern gebildet haben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Blessing

„(Martin) Blessing stammt aus einer Bankiersfamilie. Sein Großvater Karl Blessing war Präsident der Bundesbank, sein Vater Werner Blessing war Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank. ... Während seines Studiums lernte er seine heutige Ehefrau, Dorothee Wieandt, Tochter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Bank für Gemeinwirtschaft, Paul Wieandt, kennen. Sie ist heute Partnerin bei der Investmentbank Goldman Sachs. Das Paar hat drei Töchter. Ein Schwager Blessings, Axel Wieandt, war zeitweilig Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate.“

Natürlich werden die USA niemals das deutsche Gold physisch herausrücken, dafür gibt es genügend Vorwände, wenn es nicht Frau Merkel in der Euro-Krise bereits verpfänden mußte. Da die USA von ca. 240 mit den Indianern abgeschlossenen Verträge allesamt gebrochen haben, kommt es auf diesen einen auch nicht mehr an.

De Gaulle hat noch die Interessen eines souveränen Staates vertreten und nicht die einer internationalistischen Clique in Deutschland. Sein Mutterorden, Versuch der force de frappe und der Goldheimholung wurde von den Massenmedien auch bei uns fortwährend lächerlich gemacht: Der Atomzwerg, wie unsinnig es sei, daß jede Woche per Luftweg Tonnen von Gold aus New York nach Paris verfrachtet wurden. Trotzdem blieb er standhaft.

30.01.11 @ 05:58
Kommentar from: web [Besucher]
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„Sie können versichert sein, dass die Bundesbank auch weiterhin plant, diese [zurückhaltende] Politik fortzusetzen und ihren Beitrag zu voller internationaler monetärer Kooperation zu leisten.“
Er schreibt "PLANT". Planen kann man viel, es ist damit aber noch lange keine Verpflichtung zur Umsetzung des Planes verbunden.

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=> Well @web. Da erlauben wir uns aber doch eine schärfere Sicht der Dinge:
1. Wie im Blog geschrieben, ist es -siehe Wording- der erste und einzige Zweck dieses Briefs, eben die bedingungslose Unterwerfung der BuBa und damit der BRD unter diese ominöse "internationale monetäre Kooperation" zu dokumentieren! Und dabei widersprach diese "Kooperation" um 180 Grad der offiziellen Bretton Woods - Systematik, in der Dollar-Konversion gegen Gold völlig normal gewesen wäre. Und Blessing verspricht das glatte Gegenteil! So etwas ist keine Planung, sondern ein vorauseilendes Versprechen des Handelns bzw. in diesem Fall des NICHT-Handelns (keine Dollar-Konversion gegen Gold).
2. Warum hätte Blessing sonst so einen Brief schreiben sollen? Es gab ja sonst keinen validen Anlass einer "souveränen" Nation, einen solchen Kotau auch noch schriftlich zu verkünden. Ich denke doch, dass die allermeisten Leser hier ganz klar eine VERPFLICHTUNG herauslesen...
3. Wie oben schon dargelegt, wird der Briefinhalt ohne jede Not seit nunmehr 44 Jahren umgesetzt. Noch weitere Fragen bzgl. Verpflichtung?
30.01.11 @ 11:32
Kommentar from: LuckyFriday [Besucher]
*****
Ein Wespen(Hornissen-?)nest mit Filialen, wie man aus den Kommentaren ersehen kann....

Was mündige Bürgerinnen und Bürger doch fordern können und müssen, sollten sie nicht nur de facto blödes Stimm- und Arbeitsvieh sein, ist die Offenlegung aller relevanten Tatsachen, Dokumente, Zusammenhänge historischer Art, für die heute keine Geheimhaltung aus zwingender "Staaträson" mehr notwendig ist.

Sollte ein Teil oder alles BuBa-Gold auch verpfändet, verliehen, gestohlen, alteriert oder sonst irgendwie abhanden gekommen sein, es soll kommuniziert werden.

Zwei Generationen nach Kriegsende sind doch diese geheimen Daumenschrauben, die Deutschland angelegt werden, völlig sinnlos geworden und nur noch Ausdruck imperialer Arroganz und Machtansprüche anderer.

Den Herren Schall und Boehringer sowie allen Helfern in dieser Sache 'Blessing-Brief' gebührt unser hoher Respekt. Macht weiter so...z.B. wieso gibt es noch keinen Friedensvertrag für Deutschland?? - Etwas, das ich als Schweizer bis vor kurzem weder gewusst hatte noch verstehen kann.

Ein Gruss an die kenntnisreichen Kommentatoren!

Lucky


30.01.11 @ 12:18
Kommentar from: Frank fiedler [Besucher] E-Mail
****-
Es ist ja schon an anderer Stelle gesagt worden, daß man Deutschland auch heute noch als Konzern von Washington und Wall-Street sehen kann. Kein Wunder, wenn man betrachtet, wie der Krieg verloren wurde, nämlich so total, wie die Nazis versuchten, ihn zu propagieren. Auf der anderen Seite wäre es doch ein global medienwirksamer Schachzug der Amerikaner, den Deutschen nun endlich als große Geste des Verzeihens mit entsprechendem diplomatischem Pomp alles Gold zurück-zutransferieren (ein Betrag von heute vielleicht 120 Milliarden Euro, so what...), zumal, wenn ich richtig verstanden habe, dieser Schatz erst nach dem Krieg durch das Wirtschaftswunder angesammelt wurde. Der einzige Hinderungsgrund zu einer dergestalten Großmutsgeste von Seiten der Amis könnte nur darin begründet liegen, daß dieses Gold-Depot mittlerweile nur noch Show-Charakter besitzt und eigentlich aus Wolframbarren besteht -
30.01.11 @ 14:49
Kommentar from: EX-DDR-Insasse [Besucher]
****-
Diese für Blessing äußerst peinliche Angelegenheit ist Geschichte.

Eine Geschichte, die bis heute umrahmt wird von fortgesetzter Besatzung, Duldung von ausschließlich Vasallen als Spitzenpolitiker, Verweigerung einer Verfassung, Verweigerung eines Friedensvertrages, unendliche Reparations- und Wiedergutmachungszahlungen sowie Fortsetzung der Umerziehung.

Die Früchte des letzten Punktes „Umerziehung“ werden hier deutlich in solchen Klauseln wie

„… die sowjetische Bedrohung der BRD war real“,

„es ist heute für Zusammenhänge historischer Art keine Geheimhaltung mehr notwendig“,

„den Deutschen nun endlich als große Geste des Verzeihens …“

In den 60iger Jahren hatten sich die Sowjets bereits von der Hochfinanz befreit und ganz andere Sorgen, als die BRD zu bedrohen, nämlich sich der Vernichtung durch die geschassten Bolschewiki zu erwehren. Die Sowjetunion hatte gleich nach dem 2. Weltkrieg die Einheit Deutschlands angeboten und die SED hat diese noch in den 50iger Jahren angestrebt.

Doch Adenauer hielt es für sinnvoller, den westdeutschen Teil dem Bündnis der Ausplünderungsmasse der Hochfinanz unterzuordnen und den mitteldeutschen Teil den Russen als koloniale Kriegsbeute zu überlassen. Den Rest hat Kohl beim Einigungsvertrag an die Esse geschrieben.

Die amerikanischen Raketen sind bis heute nicht als Schutz der BRD gedacht, sondern dienen heute wie damals amerikanischen militärischen Interessen – wie bei ihren anderen weltweit angelegten Stützpunkten.
Ein Dank von deutscher Seite ist so unsinnig wie zu DDR-Zeiten die Russen als Freunde zu bezeichnen.

Die Geheimhaltung historischer Zusammenhänge ist für die Siegermächte äußerst wichtig und mit ein Grund dafür, keinen Friedensvertrag mit Deutschland zu schließen.
Nicht nur, dass sich die Ausplünderung und Umerziehung ansonsten schlecht fortsetzen ließe, die Rechtmäßigkeit der Reparations- und Wiedergutmachungskosten stünden derart zur Debatte, dass die Siegermächte erhebliche Rückzahlungsforderungen fürchten müssten.

Deutsche Handelsbilanzüberschüsse sind in aller Welt bis heute nicht abgetragen und das ist auch nicht vorgesehen. Der deutsche Zahlmichel hat nicht nur zu zahlen sondern auch zu arbeiten – für andere.

Wie Jürgen Kremser sehr treffend formulierte, hat De Gaulle noch die Interessen eines souveränen Staates vertreten. Er war der einzige, der den Weltgeldbetrug der Hochfinanz nicht länger mitspielen wollte.

Die Goldreserven der deutschen Bundesbank in den USA könnten mitnichten abgeholt und nach Deutschland zurückgebracht werden.
Dazu müssten sie erstmal greifbar sein. Nicht mal die Regierung der USA kommt an irgendwelche Goldreserven ran. Der große Goldraub aus Ford Knox in den 60iger Jahren ist beispielsweise hier dokumentiert:

Quelle: http://www.politaia.org/untergang-der-usa/dr-peter-beter-2-report-vom-15-juli-1975-2-teil/

Dort ist im Punkt 3 die Eidesstattliche Erklärung von Frank Chelf abgedruckt, der den Goldraub miterlebt hat.

Selbst wer diesen Darstellungen keinen Glauben schenken kann, sollte zumindest mitgekriegt haben, welche Typen die Hand auf die Goldvorräte hatten und was sie wohl anderes damit angestellt haben, als den ganzen Ramsch unter sich aufzuteilen. Wer will ihnen denn die Beute wieder abnehmen? Ihre militärische Stärke wird nur von den Russen noch in Schach gehalten.


***********
=> Ergänzung PB: Einigen Punkten in dieser Zuschrift ist natürlich zuzustimmen. Andere Behauptungen dagegen bewegen sich im Bereich der Spekulation. Sie können nicht belegt werden; zT aber sogar widerlegt werden. Zu DIESEN Punkten hier einige Anmerkungen:

1. "Diese Blessing-angelegenheit ist Geschichte"

=> Das ist sie eben nicht: Wie im Blog angemerkt, ist das nun im Wortlaut nachlesbare Versprechen Blessings gelebte Politik Deutschlands bis heute 2011.

2. "Die Früchte des letzten Punktes „Umerziehung“ werden hier deutlich in solchen Klauseln wie „… die sowjetische Bedrohung der BRD war real“ "

=> Während die deutsche Umerziehung und ihre Folge "bewusste Verdummung der Jugend" unbestreitbar sind, warne ich vor Pauschalurteilen. Insbesondere, wenn sie mit dieser hanebüchenen Aussage "die SU-Bedrohung war eine Chimäre der Umerziehungsdenke" begründet oder gar "belegt" werden sollen...
=> Wie real die Bedrohung war, dazu empfehle ich das Studium der entsprechenden NATO-Abwehrstrategien aus der Zeit des Blessing-Briefs. Ein erster guter Einstiegsartikel wäre zB dieser des Militärexperten und heutigen Systemkritikers Wolfgang Effenberger, der im Kalten Krieg übrigens als BW-Offizier an der Front gedient hat und weiß, wovon er spricht:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13361

3. "In den 60iger Jahren hatten sich die Sowjets bereits von der Hochfinanz befreit und ganz andere Sorgen, als die BRD zu bedrohen, nämlich sich der Vernichtung durch die geschassten Bolschewiki zu erwehren. Die Sowjetunion hatte gleich nach dem 2. Weltkrieg die Einheit Deutschlands angeboten und die SED hat diese noch in den 50iger Jahren angestrebt."

=> Geschichtsbewusste Wahrheitssucher sehen den großen "Unfall" der Hochfinanz nicht etwa in den 60er Jahren, sondern in den 20ern und 30ern, als sich Stalin in der SU gegen den von der Hochfinanz als Lenin-Nachfolger vorgesehenen Trotzky durchgesetzt hat (mit den bekannten Methoden der Massenmord-Säuberungen natürlich...). DAS war ein "Problem", denn Stalin vertrat bekanntermaßen nicht den Marx´schen internationalen Kommunismus, sondern eine tendenziell national-russische Variante, die den Globalisten damals (wie heute) nicht gefiel.
=> Wenn überhaupt, hatten sich die Sowjets also nicht in den 60ern, sondern viel früher "von der Hochfinanz befreit". Dies immerhin bis Gorbatschow/Jelzin 1985/90, wobei ich natürlich keineswegs die Zeit unter Stalin bis Breschnjew schön reden oder rechtfertigen will!
=> Das "Angebot" der SU und der SED in Ri. Wiedervereinigung war immer unter planwirtschaftlichem Vorzeichen zu sehen. Führt hier etwas weit - aber man kann nicht ernsthaft behaupten, dass die SED je ein anderes, nicht-kommunistisches Wiedervereinigungs-Angebot gemacht hätte. Wie auch - war sie doch bis 1990 Erfüllungsgehilfin und deutsches Sprachrohr der kommunistischen SU ?
=> Die sowjetische Bedrohung WAR real. Effenberger beschreibt an anderer Stelle in Theorie und Militärpraxis (internes BW-Info-Handbuch der 60er) die exakten Aufmarsch- und Einmarschpläne der SU bis an den Rhein. In etwa 3-5 Tagen hätten uns diese Panzer überrollen können. So etwas ist keine "umerzogene" Behauptung und keine Geschichtsklitterung, sondern Realität zu Zeiten des Blessing-Briefs. Derart real, dass (siehe Effenberg-Artikel) mobile atomare (!) Landminen von Kanzler Schmidt zum Einsatz auf bundesdeutschem Gebiet als einziger Ausweg gegen SU-Panzer gesehen und beinahe genehmigt wurden. Zum Einsatz im eigenen Land!
=> Dass uns auch die Amerikaner seit 1945 als Vasallen gesehen haben und zT noch immer sehen, ist richtig. Aber bitte hier im Blog nicht die Geschichte des Kalten Kriegs umschreiben. So wie der Westen von den USA ausgeplündert wurde, wurde die SBZ und später die DDR von den Sowjets ausgeplündert. D stand als Verlierer des WK II zwischen den neuen Fronten. Und die waren auf beiden Seiten konventionell und atomar SEHR REAL!
30.01.11 @ 18:29
Kommentar from: Bert [Besucher]
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Ganz einfach. Das Gold ist gar nicht mehr da, bzw. gehört schon lange jemand anders. De Gaulle soll mal gesagt haben: "Schweigen ist das ultimative Mittel der MAcht.".
31.01.11 @ 08:34
Kommentar from: Ex-DDR-Insasse [Besucher]
Vielen Dank für die Rückschrift.

Einiges habe ich wohl missverständlich formuliert.

Natürlich ist die Blessing-Angelegenheit KEINE ABGESCHLOSSENE Geschichte und hat ihre Nachwehen bis heute. Doch selbst ohne Blessing-Brief bräuchte sich Deutschland keine Hoffnungen auf irgendeine Goldlieferung aus den Staaten machen. Mein obiger Link enthält mehr als Spekulationen.

Mich hat vor allem geärgert, dass die Amis als Beschützer der BRD dargestellt werden, dem Land der bösen Deutschen, die so viel wieder gut zu machendes Unheil über die Welt gebracht haben.
Den DDR-Bürgern wurde damals auch erzählt, ihr Besatzer sei nun der große Beschützer. Das hat damals allerdings kaum jemand geglaubt. In der BRD glaubt man das offenbar heute noch.
Die Bedrohung der BRD durch die Sowjets war zwar da, aber ob eher als Abwehr denn als geplanter Überfall – darüber lässt sich ergebnislos streiten, aber wohl kaum das hegemoniale Machtstreben der USA und GB abstreiten.
Natürlich kann auch das Streben der Sowjets nach weltweiter Ausbreitung des Sozialismus/Kommunismus nicht bestritten werden.
Aber sich bei einem der beiden für einen Schutz zu bedanken, halte ich für abwegig.

Ich habe nicht geschrieben, dass sich die Sowjets in den 60iger Jahren von der Hochfinanz befreit haben, sondern bereits befreit hatten. Doch diese heizt den Russen bis heute ein, was US-Strategen wie Zbigniew Brzezinski auch nicht bestreiten, sondern offen zugeben.

Dass die Russen die DDR ausgeplündert haben, habe ich nicht bestritten. Die Ausplünderung hatte sogar die doppelte Intensität wie die der BRD durch die Westalliierten.

Aber worum streiten wir uns eigentlich? Zumal mir das zuwider ist, da ich Ihren Blog sehr schätze. Das Gold aus den USA können wir jedenfalls vergessen. Selbst wenn Obama Zugriff darauf hätte, würde er es nicht rausrücken DÜRFEN.


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=> AW PB: OK, danke für Klarstellungen.
31.01.11 @ 15:33
Kommentar from: Laterne [Besucher]
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Nun, es ist fast alles gesagt- der Boehringer Blog gehört weiter zur Pflichtlektüre!

Auch einen Dank an die Kommentatoren, welche noch zur Feinabstimmung beitragen.

Nur eines möchte ich klarstellen: Nicht die USA sondern die FED mit ihrer Großfamilie sind die Drahtzieher (teilweise durch „Hochfinanz“ schon richtig betitelt).

Und zum Goldvorrat noch eine Hypothese: Nicht nur der deutsche Goldvorrat steht zur Debatte, auch das Gold der Amerikaner ist vermutlich beim gleichen Besitzer gelandet.
02.02.11 @ 13:33
Kommentar from: Peter [Besucher] E-Mail
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Hallo Herr Boehringer,
ganz ausgezeichneter Artikel und man sollte wohl annehmen, daß dieses Thema die ganze deutsche Knechtschaft interessieren würde - tut es aber leider nicht.
In einem inhaltlich ausgezeichneten Buch (Das Deutschland Protokoll) wird darauf hingewiesen, daß Deutschland gar nicht mehr das Recht hätte, sein Gold zurückzuverlangen und Besitztümer jederzeit von den Sieger (USA) beschlagnahmt werden können. Kennen Sie diese Auslegung der Siegermächte?

Mit besten Grüßen, Peter

*********
=> AW PB: Das Buch kenne ich nicht. Aber die gesamte offizielle Quellenlage zum Thema. Der Blog beschäftigte sich mit diesem (einzigen) OFFIZIELLEN Dokument zum Thema. Dort steht das im Buch unterstellte nicht drin. Es ist zwar wahrscheinlich, dass es dennoch wahr ist und die Siegermächte mal so dachten und einige vielleicht noch immer denken.
=> Aber in einem Rechtsstaat, um dessen Erhalt (oder Wiederaufbau) in diesem Blog gekämpft wird, geht es zumindest OFFIZIELL nicht darum, was wer DENKT (auch nicht Siegermächte), sondern wer wozu und woran welche kodifizierten RECHTE hat.
=> Und in diesem Sinne stelle ich im Blog fest, dass in diesem Brief (der ohnehin keinen Gesetzesstatus hat(te) - aber u.U. "bindenden Vertragsstatus") KEINERLEI Hindernis zur Zurückverlangung des deutschen Goldes kodifiziert ist. Und in diesem Sinne sollten verantwortungsbewusste deutsche Politiker dieses Gold nun endlich einfordern. Denn dass in einem (dann nicht mehr rechtsstaatlichen) Krisenfall alles mögliche mit dem Gold geschehen kann (u.a. auch eine Beschlagnahmung) ist natürlich wahr und zugleich trivial.
=> WENN der Autor des Buches recht haben sollte (was durchaus sein kann i.S.v. "Standpunkt der Siegermächte"), dann soll er die schriftlichen Quellen mit Gesetzes- oder bindender Vertragskraft gegen Deutschland benennen. Dieser Brief ist keine solche Quelle und ich vermute stark, es ist auch im Buch keine genannt. Und von daher kann ein guter Rechtsstaatler zurecht argumentieren, dass alle diesbezüglichen Gerüchte oder gar mündlichen ANWEISUNGEN oder gar GEHEIMvorschriften null, nichtig, irrelevant und v.a. für deutsche Politiker nicht bindend sein können!
=> Man kann mich als naiv bezeichnen. Und natürlich gibt es "ungeschriebene Gesetze" in dieser unserer leider-nicht-mehr-rechtsstaatlichen Republik (eigentlich ein Widerspruch in sich). Aber wir als Volk sollten unbedingt auf der offiziellen Rechtslage in diesem Fall bestehen. Und die lautet: es gibt offiziell und de jure KEINE bindenden Gebote für deutsche Politiker, das Gold nicht heimzuholen! Also fordern wir es ein. Wenn es die MdBs und die Regierung nicht tun, muss es eben mal wieder die Öffentlichkeit und das Volk tun!
04.02.11 @ 18:44
Kommentar from: norbert [Besucher]
Der damalige Vorstandsvorsitzenden der Fed von 1970 bis 1978, Arthur Burns schrieb am 3. Juni 1975 ein Memorandum an den 38. Präsidenten der USA, Gerald Ford, in dem es “um die Kontrolle des Goldpreises durch Außenpolitik und dem Besiegen jeden freien Markts für Gold“ ging. Folgende Text-Passage besonders interessant:

“Ich habe ein geheimes Einverständnis in schriftlicher Form mit der Bundesbank, unter Beipflichtung von Herrn Schmidt, dass Deutschland kein Gold kaufen wird, weder vom Markt noch von einem anderen Staat, zu einem Preis über dem offiziellen Preis von $ 42,22 pro Unze.“ und “Ich bin überzeugt, dass die bei weitem beste Position zu diesem Zeitpunkt für uns ist, Vereinbarungen zu widerstehen, die für Zentralbanken und Regierungen großen Spielraum bieten, um Gold zu einem marktgerechten Preis zu erwerben.”

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=> Ergänzung PB: Ja, diesen interessanten Brief hatte ich 2009 hier in einem eigenen Blog kommentiert: "1975 wie 2009: die gleichen 'Schmiede es Geldes'"
03.12.13 @ 18:17

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