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Wahrheit im Mainstream ist wie Ewigkeit bei Schäuble
von Peter Boehringer
23.09.11 11:13:36
Das Handelsblatt behauptet heute, höchst exklusiv einen bislang unentdeckten Teil des billionenschweren Desasters um unsere Staatsfinanzen aufgestöbert zu haben. Ein Scoop also, der dem Handelsblatt eine Ehrenmitgliedschaft in der sogenannten „Truther“-Szene einbrächte – wäre er denn wirklich so neu und exklusiv ...
Unter der hochtrabenden Überschrift „Die Wahrheit“ und „neueste Berechnungen zur heimlichen Staatsschuld“ auf seiner heutigen farbigen Titelseite gibt das Handelsblatt und dessen „Chefökonom“ Dirk Heilmann mit dem quasi-amtlichen Stempel des Freiburger Finanzwissenschaftlers Prof. Raffelhüschen sogar noch ein kartoniertes und gefaltetes hochwertiges „Extrablatt“ mit der so sensationellen Grafik der impliziten deutschen Staatsverschuldung im DIN A1 (!) - Format heraus. Jenen 5 Billionen EUR also, welche den Barwert der ungedeckten Zahlungsverpflichtungen aus den Sozialkassen darstellen, den man in einer sauberen Buchführung schon seit Jahrzehnten der offiziellen Staatsschuld i.H.v. derzeit 2,1 Billionen EUR hätte hinzurechnen müssen.

Genau das aber haben Hunderte von Forenschreibern zB im Goldseiten-Forum seit 2004 getan. In anderen Foren und Finanz-Webseiten sogar noch länger - und Dutzende von Bloggern weisen auf diesen Tatbestand der impliziten Staatsschuld seit vielen Jahren hin. Jedesmal, wenn ich selbst es in einem Artikel einmal schlampigerweise und ausnahmsweise gewagt hatte, nur die offizielle Staatsschuld (i.H.v. zB 2005 „nur“ 1,5 Billionen EUR) zu zitieren, machten mich jedes Mal Dutzende aufmerksamer Leser auf die wahre Gesamt-Zahl der Verschuldung aufmerksam, was ich in jedem Einzelfall immer kleinlaut bestätigen musste.
Insofern reden wir hier von einer –auch ohne professoralen Stempel aus Freiburg– zwar längst bekannten Zahl von derzeit etwa 2+5 = 7 Billionen EUR an deutscher Gesamtverschuldung und damit über 250% des deutschen BIP. Dennoch ist es im Prinzip löblich, dass das Handelsblatt in einer drucktechnisch beeindruckenden (wenn auch ganz unten in der Grafik fehlerhaften) Präsentation endlich die Wahrheit adäquat aufbereitet. Und bekanntermaßen ist ja die Demographie (die letztlich hinter dem Desaster der Sozialkassen steht) eine sehr exakte Wissenschaft, wie just jener Prof. Raffelhüschen schon vor Jahren in einem Interview völlig zurecht angemerkt hat. Die demographische Zukunft eines Landes ist –unter Ausklammerung von Kriegen und Naturkatastrophen inklusive exzessiver Zuwanderung– tatsächlich immer schon viele Jahrzehnte im Voraus glasklar prognostizierbar. Mit minimalen Fehlerraten einzig aufgrund des medizinischen Fortschritts und mit mathematisch sehr klar berechenbaren Folgen (= ungedeckten Defiziten) in den Sozialkassen!
Auf den ersten Blick ist es undankbar und grenzt an Nestbeschmutzung, wenn ich moniere, dass der Mainstream etwas unbestreitbar Wahres und noch dazu Wichtiges schreibt. Immerhin reden wir von einer Unterdeckung von heute bereits 5 Billionen EUR. Auch dass diese Darstellung der Wahrheit der Sozialkassen um viele Jahre überfällig war, sei dem HB verziehen – immerhin ist man in Düsseldorf damit weiter gegangen als bislang alle Mainstream-Konkurrenten in Frankfurt, Berlin, Hamburg oder München.
Warum also schimpft der Wutblogger PB heute schon wieder auch über diese doch eigentlich löbliche Arbeit des Chefökonoms Heilmann und des Chefdemographen Raffelhüschen? Nun, das hat neben dem oben schon genannten Einwand "überfällig" durchaus auch noch andere Gründe:
1. Die nun „plötzlich neu entdeckte“ skandalös hohe „heimliche Staatsschuld“ i.H.v. gut 5 Billionen EUR ist zurückzuführen auf Versprechen der Sozialversicherungsträger, die in vielen Jahrzehnten gemacht wurden unter aktiver Mithilfe betrügerischer Blüm´scher Politiker, wobei der Betrug eigentlich schon unter Adenauer begonnen hatte, als statt eines Kapitaldeckungsverfahrens (das damals im Goldstandard-System von Bretton Woods seinen Namen sogar noch verdient und funktioniert hätte) ein Umlagesystem für die Sozialversicherungen entwickelt worden war, das selbstredend nicht Demographie-fest war. Was hier also in 60 Jahren verbockt wurde, werden die EUR-„Rettungsschirme“ EFSF und ESM bis etwa 2015 (!) und damit in gerade einmal 5 Jahren schaffen. Das aber steht heute nicht im Handelsblatt. ![]()
2. Die ungedeckten bzw. nur mit Inflationsgeld wenigstens nominal bedienbaren Rentenversprechungen sind –abgesehen von den berüchtigten „sachfremden“ exterritorial zugestandenen Renten an „Berechtigte“ im Ausland– eigentlich nur Deutschen versprochen worden oder solchen, die sich durch Arbeit in Deutschland Rentenansprüche erworben haben. Ganz anders dagegen die Subventionszahlungen über EFSF und ESM, welche über die ausgesprochenen Garantieversprechen reine Geschenke ans Ausland bzw. an dessen Gläubigerbanken sind. Nichts davon wird Deutschen zugute kommen – ganz im Gegenteil. Das aber steht heute nicht im Handelsblatt.
3. Natürlich nehmen wir von der Aussage unter 2. ("Kommt Deutschen nicht zugute") Teile der deutschen Exportwirtschaft aus. Allerdings nicht die Millionen von Exportbetrieben, die auch bis 1999 in einem Umfeld einer stetig aufwertenden DM Exportweltmeister durch stetig verbesserte Produktivität werden und bleiben konnten. Ausnehmen muss man lediglich die vielleicht 50 multinationalen Großkonzerne, deren Führer de facto Teile der Weltregierung sind und die sich nicht mehr ihrem Land oder ihren Mitarbeitern, sondern nur noch ihren (meist mehrheitlich internationalen) Aktionären und ihren Fremdfinanzierern, den oligopolistisch-mafiösen Großbanken, den planwirtschaftlichen Notenbanken und der korrupten Politik verantwortlich fühlen. Das aber steht heute nicht im Handelsblatt – ganz im Gegenteil bekommt just heute dieses kleine Häufchen von Wirtschaftsführern im HB ein Forum für ihren „Offenen Brief“, in dem sie den deutschen Bundestagsabgeordneten fast schon drohen „stimmt bloß am 29.9. für den EFSF, sonst ... Armageddon“. Das HB wertet dieses völlig ungehörige Ansinnen einer kleinen Minderheit der Großwirtschaft denn auch noch auf mit der Überschrift auf der 2. Titelseite „Die Wirtschaft [sic!] wirbt für die Kanzlermehrheit“.
4. Auch in weiteren Artikeln des heutigen HBs wird die Leserschaft weichgeklopft für die „alternativlose“ EUR-Transfergemeinschaft zu Deutschlands Lasten. Offenbar hat das HB seinen Lichtblick vor einigen Wochen schon vergessen, als in einer anderen Titelgeschichte einmal wahrheitsgemäß die fatalen Folgen des Totalen EUR aufgezeigt wurden ...
5. Warum wird die längst bekannte Klamotte mit der ungedeckten Staatsverschuldung Deutschlands vom HB gerade jetzt so plakativ und großformatig aufgearbeitet? Unvermittelt fällt einem an dieser Stelle Folker Hellmeyer ein, der ja seit Monaten mit einigem Recht erklärt, dass der EUR derzeit unter angelsächsischem Beschuss steht, um vom Desaster des Dollars und des Pfunds abzulenken... Auch das HB scheint diesen Beschuss heute mitzumachen – anders ist dieses Timing der Berichterstattung über uralte Tatsachen nicht erklärbar.
6. Zudem vermisst man im HB schmerzhaft auch noch zwei Sätze zur Herkunft der offiziellen deutschen Staatsschuld i.H.v. derzeit 2,1 Billionen EUR:
a) Ein volles Zehntel (!) dieser offiziellen Staatsschuld ist alleine nur auf die „Rettung“ der HRE bzw. die Gründung der HRE Bad Bank zurückzuführen. Alleine nur dieser Popel-Laden mit einer Marktkapitalisierung i.H.v. selten über 10 Mrd EUR hat einen Schaden für den deutschen Steuerzahler in 20-facher Höhe verursacht! Zahlen zu anderen Instituten sind vielfach noch nicht bekannt und/oder aufgrund von Buchungstricks und absurden Garantiekonstruktionen noch nicht Staatsverschuldungs-relevant geworden. Womit wir wieder bei den EUR-/ Banken-Rettungsaktionen via EFSF und ESM wären, welche schon in diesem Jahrzehnt (und nicht im Laufe vieler Jahrzehnte wie die impliziten Sozialkassen-Schulden) Verarmungs-relevant für den deutschen Michel werden! Das aber steht alles heute nicht im Handelsblatt. Statt dessen darf just auf dem o.g. DIN A1-Faltblatt zur wahren Verschuldung ausgerechnet die faktisch insolvente UniCredit als indirekter Mutter der ehemaligen Tochter HRE für ihre Vermögensberatung werben. Slogan dazu: "1. Platz, Beratung Geldanlage"...
b) Die offizielle staatliche Neuverschuldung wäre in Deutschland trotz der unterirdischen Regierungsarbeit seit mind. 40 Jahren fast immer negativ gewesen – hätte es nicht den riesigen Ausgabeposten namens „Zinsen auf Altschulden“ gegeben. Dieser Posten, der im Parlament fast nie erwähnt wird, beträgt derzeit etwa 4,x% auf 2,1 Billionen EUR oder über 100 Mrd EUR p.a.! Noch nie hat die deutsche jährliche Neuverschuldung jemals über dieser Marke gelegen – auch wenn sich das in den kommenden Jahren leider ändern wird – EFSF und ESM sei Dank. Mit anderen Worten: Ohne Schuldensünden der Vergangenheit würden in diesem Land Milch und Honig fließen. Deutschland könnte seit Jahren sogar Schulden abbauen. Schulden sind immer der Anfang vom Ende jedes Staates. Es wird auch diesmal nicht anders sein. Aber diese Diskussion führte ja viel zu direkt in die Wirtschaftstheorie der Österreichischen Schule oder –Gott bewahre- in die Denkwelt der Goldbugs, denn eine Welt des Goldstandards hätte exzessive Verschuldung schon vor 40 Jahren erfolgreich verhindert. Und das ist im HB noch immer „igitt“ und Tabuthema.
7. Und bevor Sie es vergessen und dann in einem „Scoop“ im Jahre 2017 nachreichen müssen, liebes Handelsblatt: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie auch für die USA des Jahres 2011 bereits heute ein wunderschönes Extrablatt mit der US-Staatsverschuldung herausgeben sollten! Die Grafik darin müsste allerdings dann weit nach oben verlängert und im DIN A0 – Format gedruckt werden, denn zur offiziellen US-Verschuldung von ca. 15 Billionen US-Dollar kämen noch mindestens 60 Billionen (!) an ungedeckter impliziter Verschuldung aus MediCare und Social Security - Verpflichtungen hinzu. [nach anderen Quellen sogar fast das Doppelte - also 115 Billionen!]. In Summe liegt die US-Gesamtverschuldung also mindestens bei 500% des US-BIP – und damit ganz klar auf Insolvenzniveau! Bitte schreiben Sie auch dazu mal was, Herr Steingart – so wie wir Blogger es seit vielen Jahren getan haben. Es ist der Redlichkeit der Argumentation geschuldet. Oder sind Sie etwa „Anti-Europäisches“ Kampfblatt? Dann mailen Sie mich an. Ich kenne mich mit dem Vorwurf aus – wir bilden dann eine Selbsthilfegruppe...
Soviel zu den „Themen des Tages“, welche auch die Themen des Jahrzehnts werden dürften. Als Addendum lesen Sie bitte unten noch einen Hinweis auf einen unglaublichen und unbedingt archivierungswürdigen Schäuble-Spruch – zitiert aus der FAZ. Und wer klagt Schäuble jetzt an? Natürlich wegen offener Verfassungsfeindlichkeit in einem besonders schweren Fall. Konkreter wegen verfassungsfeindlicher Umtriebe gegen das GG selbst, gegen den Nationalstaat als einzig (!) verfassungsgemäßer Einheit – siehe BVerfG / Lissabon-Urteil 6-2009. Und natürlich auch wegen Umtrieben gegen die deutsche Sprache und die Logik, denn eine „Ewigkeit“ ist niemals relativierbar oder verhandelbar!
„Bundesfinanzminister Schäuble hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorgehoben, dass der Euro-Rettungsschirm 'unserer europäischen und nationalen Verantwortung' entspreche. Das alte Regelungsmonopol des Nationalstaats habe sich ‚ad absurdum geführt‘, sagte Schäuble. ... Zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sagte der CDU-Politiker: ‚Im Hinblick auf die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes mahne ich zur Zurückhaltung.‘ “
[sic!] ![]()
=> Nicht „der Nationalstaat“, sondern Schäuble selbst führt sich hier „ad absurdum“. So wie (s.o.) die "Wahrheit" im Mainstream ein höchst relativer Begriff ist, definiert sich Schäuble sogar den absoluten Begriff der "Ewigkeit" um wie es ihm gerade passt. Auf welchem Niveau sollen wir noch für dumm verkauft werden?
=> Schäubles Angriff auf das GG reiht sich nahtlos ein
- bei Merkel („Die Deutschen haben wahrlich kein Grundrecht auf Demokratie“),
- beim Prozessbevollmächtigten der BuReg vor dem BVerfG Prof Meyer („Die Kläger berufen sich auf ein neuartiges Grundrecht, das noch gar nicht existiert – auf die 'Demokratie'“),
- bei Steinbrück („Deutschland muss [für alles] zahlen“),
- bei Trittin („Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig“),
- bei Fischer („Deutschland muss von außen eingehegt und von innen verdünnt werden“),
- bei Verheugen („Deutschland über EU einbinden, damit es nicht zur Gefahr wird für andere“);
- und bei so vielen anderen Karriere-Opportunisten im Sold der Weltregierung.
13 Kommentare
Frage aber noch: Sie hatten oben angedeutet, dass in der Handelsblatt-Grafik ein Fehler steckt. Welcher?
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=> AW PB: Ich kann aus Copyright-Gründen die DIN A1-Grafik des HBs hier nicht zeigen. Auch schon deshalb, weil Gabor Steingart heute in einem Mailing an seine Abonnenten derart stolz auf seine Grafik war, dass er sie sogar "Schulen gegen eine Schutzgebühr von 2 EUR" zur Verfügung stellen will.
=> Nun: das kann man unter den o.g. Voraussetzungen (bitte für die Schüler unbedingt auch eine Grafik zur entsprechenden US-Verschuldung!!) sicher tun. Es wäre dann sogar sinnvoll. Aber zuerst sollte das HB den Darstellungsfehler in der Grafik korrigieren: den Schülern würde sonst auffallen, dass die drei untenstehenden Balken ("schwarz-rot-gold", die offizielle deutsche Staatsschuld symbolisierend) sich eigentlich nur aus ZWEI Komponenten zusammensetzt: den Schulden von Ländern & Gemeinden sowie die Schulden des Bundes. In einer summarischen Balkengrafik ist es sinnentstellend, eine Summe aus zwei übereinanderliegenden und damit bereits summierten Komponenten noch um einen dritten Summen-Balken zu ergänzen.
=> Steingart sollte sich übrigens unabhängig davon auch überlegen, welches FAZIT er den Schülern denn zu dieser Grafik mitgeben will. Dieses könnte ja eigentlich nur lauten: "Zahlt bloß nichts in irgendeine Rentenversicherung ein! Jede Einzahlung in diesen Schlund ist wie jede Garantieerklärung Deutschlands via EFSF und ESM: vollkommen und auf Nimmerwiedersehen verlorenes Geld!". Ob DAS aber die Botschaft ist, die die Sozialministerin und die Rürups der Welt (Letzterer übrigens regelmäßiger HB-Kolumnist) ausgerechnet im HB lesen wollen?? Man wird sehen...
Ich befürchte, dass wir in einiger Zeit den Weg einschlagen werden (müssen), den UK bereits heute geht. Die aktuelle Gesamtverschuldung dort beträgt ca. 600% des BIP. Die aktuelle Stagflation vernichtet ca. 4-5% der Kaufkraft p.a. (ca. 0% BIP-Wachstum, ca. 4-5% Inflation).
Angeblich wandere aktuell gigantisch Kapital ins Ausland, was natürlich alles noch viel schlimmer macht (wen wunderts?).
Aktuell dürfte sich eine der letzten Gelegenheiten bieten, Gold und Silber zu günstigen Kursen/Preisen zu kaufen.
Vermutlich ist es sogar noch weit mehr, denn diese Zahl nannte mir auf Nachfrage schon 2007 ein Mitarbeiter des Dähke-Vereins, und das war ja nun VOR der sog. Finanzkrise.
Aber vielleicht gehen hier auch Zahlen zu kommunaler-, Landes- und Bundesverschuldung durcheinander.
Und, wie der BdSt.-Mitarbeiter mir zum Stand der Staatschulden versicherte, als das Gespräch vertraulicher wurde: "So genau weiß das überhaupt niemand mehr."
Na denn -
Ihre Zitatfolge darf ich noch um zwei Äußerungen Adenauers und Carlo Schmidts ergänzen.
So sagte rheinische Separatist und erste "Profipolitiker" Deutschlands, Adenauer, 1948 klar und deutlich im sog. Parlamentarischen Rat:
„Wir sind keine Mandanten des Deutschen Volkes; wir haben Auftrag von den Alliierten!“
Und sein Kollege, der frankophile SPD-Mann Carlo Schmidt, sekundierte ebenfalls schon 1948: "Wir haben unter Bestätigung der alliierten Vorbehalte das Grundgesetz zur Organisation der heute freigegebenen Hoheitsbefugnisse des deutschen Volkes in einem Teile Deutschlands zu beraten und zu beschließen."
Fragt sich, welche weiteren Hoheitsbefugnisse bis heute noch "freigegeben" wurden und wenn, an wen...
Womöglich waren beide Aussagen gar nicht einmal ausschließlich tendenziös zu verstehen, sondern nüchterne Bestandsaufnahmen.
Adenauer liquidierte die in den 11 Jahren seit dem Zusammenbruch 1945 auf wundersame Weise neu "verwertigten" Einlagen der Reichs-RV übrigens auf Druck unserer amerikanischen (Handelsblatt-)Freunde, um die nach Ukas der "Befreier" neu zu schaffende, westdeutsche Bundeswehr erstauszurüsten - mit Waffen aus USA-Überhangbeständen.
Probleme sah er da nicht: Kinder bekämen die Leute immer, so Adenauers Antwort gegenüber Kritikern.
Daß nur ca. 10 Jahre später mit den "68ern" der Nihilismus in Staat und Gesellschaft einziehen würde, wird der im Kaiserreich geprägte Ökonom und Jurist Adenauer sich kaum vorgestellt haben können.
Ein tolles Geschäft aber für die USA - denn weitgehend wurde gegen damals noch harte DM aufgelassenes Altmetall geliefert, das schon 1945 hinter dem zu diesem Zeitpunkt erreichten Stand der (gross-)deutschen Waffentechnik z.T. um Lichtjahre hinterherhinkte und andernfalls durch die USA teuer hätte verschrottet werden müssen.
Hohn und Spott der damals zunächst freiwillig wieder zu den Fahnen geeilten Soldaten, fast allesamt noch Kriegsteilnehmer, über den "Ami-Schrott" sind denn auch Legende.
- Und eine tolle Basis für die zukünftige Plünderung der BRD durch die demokratischen Lizenzparteien gab das Umlagesystem auch ab:
Denn existierte noch das System des angesparten Kapitalstocks, so tönten die Rentenkassen heute natürlich ebenso leer wie mit dem nach 1956 eingeführten Umlagesystem.
Nur wäre in diesem Fall der leere Kessel den Rentensparern, die dann wirklich auch noch als Rentensparer daherkämen, ungleich viel schwerer zu verkaufen.
Wohingegen im Umlagesystem ja jederzeit bequem auf mangelnde Zuflüsse aufgrund vielschichtiger Problemlagen - von "Demographie" bis "ALOkeit" - verwiesen werden kann, um der kleptokratischen Verschleuderung von Sozialabgaben der Bürger eine scheinbare Rechtfertigung angedeihen zu lassen.
So oder so: Der Moment der Implosion des ganzen Systems sollte schon jetzt mathematisch vorausbestimmbar sein.
Fragt sich nur, wer oder was in diesem Prozeß der Katalysator sein wird.
Zudem erschüttert mich die Rückgratlosigkeit der Beteiligten, da man mit Volldampf in den Staatsbankrott fährt und die letzten Jahrzehnte nur Reflation betrieben hat. Man weiß seit sehr langer Zeit, dass wir umfassende Reformen in allen Bereichen brauchen. Stattdessen haben unsere dämlichen Politiker und Ökonomen in den letzten Jahrzehnten im Wesentlichen nur zwei Sachen geschafft: die deutsche Realwirtschaft kaputt reguliert und unfähige Banken auf Kosten der Steuerzahler gerettet.
Da man aber blöderweise verlassen ist, wenn man sich auf unsere Politiker verlässt, sollte man in Zukunft lieber auf Gold und Silber vertrauen und auch mal das Kurzprogramm der PDV durchzulesen: http://www.parteidervernunft.de/sites/default/files/Kurzprogramm.pdf
PS: Die Banker aus Deutschland sollten sich endlich mal im Klaren darüber sein, dass die USA, UK und auch FR gegen uns arbeiten und eben nicht mit uns kooperieren! Dies sollte auch Herr H. aus Bremen endlich einsehen und daran denken, wenn er das nächste Mal von "aggressivem Reformwerk" schreibt. Denn dieses aggressive Reformwerk existiert offensichtlich nicht bei den ganzen fiat-money-Spielereien, die über EZB, EFSF, ELA und Target2 betrieben werden. Ganz abgesehen von den Euronoten in Höhe von ca. 350 Mrd., die in griechischen Häfen lagern und nicht in der Geldmenge der EZB ausgewiesen sind.
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=> AW PB: Keine Ambition. Macht korrumpiert. Und absolute Macht korrumpiert absolut. Kein Bundeskanzler kann zudem den stetig wachsenden bereits angerichteten Schulden-Wahnsinn schmerzfrei zurückholen. Niemand wird sich als Kanzler künftig "beliebt" machen können. Man kann nur noch den ultimativen Wahnsinn der Weggabe jeder Restsubstanz via "Garantien", ESM, EFSF II und ggf. Eurobonds noch verhindern. Mehr ist nicht drin - aber das wäre schon für den Neuanfang wichtig. Darüber wird in den kommenden Monaten entschieden. Sind EFSF II und ESM und weitere illegale Käufe der EZB in Billionenhöhe erst legitimiert, wird die Weggabe / Verpfändung deutscher Substanz in wenigen weiteren Monaten/Jahren vollzogen. Dann wird D bei Null (ggf. sogar unter Null) anfangen. Sogar ohne heißen Krieg zuvor.
"als statt eines Kapitaldeckungsverfahrens (...) ein Umlagesystem für die Sozialversicherungen entwickelt worden war"
Es ist ein Trugschluss zu meinen, ein Kapitaldeckungsverfahren sei besser als ein Umlageverfahren aus folgenden Gründen:
- Das Kapital wird in die Staatsanleihen geleitet (siehe Pensionskassen in der CH) - die Politiker hatten nie das Wohl der Bevölkerung im Sinn, sondern das Auftreiben von Geld für Leviathan, sprich die Besteuerung ohne Aufstand.
- Die Demographie kann mit einem Kapitaldeckungsverfahren auch nicht ausgehebelt werden - nur was im Land produziert wird, kann die Renten sichern. (Wird das Geld im Ausland angelegt, um dadurch eine Rendite zu erzielen, wird in D nicht investiert und es gibt dementsprechend auch keine Jobs in D, ganz abgesehen davon, dass dann die D-Mark zu Blüm'schen resp. Adenauer'schen Zeiten geschwächt worden wäre durch den Kapitalabfluss; im € sieht es nicht besser aus, weil die Demographie überall in Europa kopfsteht)
- Wenn das Geldsystem faul ist, nützt auch ein Kapitaldeckungsverfahren nichts, weil das Kapital so oder so in die Binsen geht, wenn die Wirtschaft und/oder das Geld absäuft.
- Wäre das Kapital in D mittlerweile durch das Kapitaldeckungsverfahren gestiegen, wären auch die (Staats-)Schulden entsprechend gestiegen, denn einem Gläubiger steht zwingend ein Schuldner gegenüber; es gibt nur da 1 € Guthaben wo 1 € Schulden gegenübersteht.
- Im übrigen wird die Rente beim Kapitaldeckungsverfahren gezwungenermassen kleiner, wenn die Lebenserwartung steigt.
Fazit: Auch ein Kapitaldeckungsverfahren vermag die Mängel des Geldsystems nicht zu heilen, die Demographie nicht auszuhebeln und die Machtgier von Leviathan nicht zu zähmen. Eine Pensionseinrichtung dient den Politikern und ihrer Macht und schläfert das kritische Denken der Bürger ein ("Papa Staat sorgt ja für mich") und nimmt ihnen die Eigenverantwortung. Der Bürger merkt nicht, wie er über's Ohr gehauen wird, sondern ist noch dankbar, dass er via "Sozial"system Steuern zahlen darf...
Freundliche Grüsse
Hans Siebenschläfer
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=> AW PB: Hallo Siebenschläfer, ich widerspreche da gar nicht.
Zum einen hatte ich ja im Blog selbst bereits die wichtige Einschränkung gemacht, dass in einem heutigen Inflationssystem, das systematisch und in statistisch verschleierter Weise das Sparen bestraft und verunmöglicht natürlich auch ein Kapitaldeckungsverfahren die Renten (seit 1971) nicht mehr sicher gemacht hätte. Ohne echtes Geld gibt es kein sicheres und kaufkrafterhaltendes Ansparen und keine faire Konservierung geleisteter Lebensarbeit!
Zum anderen wurde hier ja bereits zurecht festgestellt, dass Adenauer fälschlicherweise davon ausging, dass "die Leute immer [genügend] Kinder bekommen" - was seit den 70ern eben einfach nicht mehr so ist. Man kann streiten, ob Adenauer das hätte vorhersehen können - im Blog ging es zunächst nur wertungsfrei darum, dass die GRUNDLAGEN des "vom HB jetzt 2011 entdeckten Scoops" eben vor Jahrzehnten gelegt wurden und EFSF/ESM dagegen bereits in WENIGEN Jahren Substanz vernichten werden, die hier im Rentensystem in 60 Jahren vernichtet wurde.
Und zum Dritten teile ich ganz explizit Ihr Posting - insbesondere den oben nun fett gedruckten Teil. Sozialismus tötet IMMER die Eigenverantwortung, weil (was individuell rational ist) keiner einsieht, selbst zu arbeiten, wenn es doch "alle für alle" tun. Die DDR hat 40 Jahre und den eigenen Untergang benötigt, um die grenzenlose Realitätsferne und Dummheit dieses Satzes und die Bedeutung von Moral Hazard zu erkennen. Der Sowjetsozialismus der SU über 70 Jahre. Und heute lebt Karl Marx schon wieder. Diesmal in den Köpfen einer schwarz(angemalt)en Regierung. "Alle arbeiten für alle" bedeutet am Ende in jedem Kollektiv oberhalb Familiengröße IMMER "Keiner arbeitet mehr [freiwillig] für irgendjemanden.".
Einschränkend sollte man viell. noch anmerken, dass im Prinzip nichts gegen eine "soziale Marktwirtschaft" spricht - und damit nichts gegen ein (zB offen und transparent steuerfinanziertes) Unterstützungssystem der wenigen WIRKLICH unverschuldet Bedürftigen. Ein volksnah und rational regiertes Deutschland ohne die vermutlich jedes Jahr 100+ Mrd an völlig unnützen, schädlichen und korrumpierende Ausgabepositionen sowie ohne Zinsen auf Altschulden und ohne EUR-"Rettungs"ausgaben wäre ganz problemlos in der Lage jedem dieser wahrhaft Bedürftigen ein anständiges Leben zu ermöglichen!
Mark Twain – ‘Der geheimnisvolle Fremde’
"Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann."
Ayn Rand (amerikanische Philosophin 1905 – 1982)
"Wenn du merkst, dass ein Handel nicht durch Zustimmung sondern durch Zwang zustande kommt wenn du erkennen musst, dass du, um zu produzieren, eine Erlaubnis von Menschen bekommen musst, die nichts produzieren wenn Du siehst, dass Geld zu denen fließt, die nicht mit Waren handeln, sondern diese nur für sich ausnutzen wenn du feststellst, dass manche Menschen durch Gaunereien und bezogene Vergünstigungen viel reicher werden als durch ehrliche Arbeit und deine Gesetze dich nicht vor ihren Machenschaften schützen, die Gesetze sie aber vor dir schützen wenn du siehst, dass Korruption belohnt wird und Ehrlichkeit nur zu Selbstaufopferung führt, dann merkst du vielleicht, dass deine Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist."
Es wird so kommen: Am Tag, als der Dollar starb, stirbt auch der €uro!
wie immer ein klasse und nachdenkenswerter Artikel von Ihnen !
Um die mittlerweile schon atemberaubenden und immens hohen Verpflichtungen Deutschlands noch zu komplettieren, verweise ich zusätzlich noch auf die mittlerweile ca 350 Mrd. Eur (!!) Aussenstände underer Deutschen Bundesbank in Richtung der PIIGS- Staaten. Das Stichwort hier ist TARGET-Forderung.
Hier frage ich mich: wer legitimiert diese immens hohen Zahlungen, wer von unseren "Politikern" weiss überhaupt davon und was passiert, wenn ein Grossteil dieser Zahlungen ausfallen werden ?!
Viele Jahre lagen diese Aussenstände übrigens so um um die 10 bis 15 Mrd. Eur, erst in letzter Zeit sind hier exorbitante Anstiege zu verzeichenen, die immer höher gehen werden !!
In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich auf einen Leserbrief von Prof. Hans-Werner Sinn (Präsident des IFO-Institutes) vom 19. September 2011 im Handelsblatt, S. 10 verweisen, in dem er u.a. schreibt:
"Die meisten deutschen Parlamentarier wähnen sich in der Vorstellung, mit den Beschlüssen zur EFSF nun über eine begrenzte Sondermassnahme zur Rettungbedrohter Länder abstimmen zu sollen.
In Wahrheit ist schon viel mehr Geld geflossen, als sie denken, und es fliesst immer weiter.
Der Euro-Raum leidet nicht unter dysfunktionalen Märkten, sondern unter einer strukturell bedingten Zahlungsbilanzkrise, bei deren Bekämpfung erhebliche Teile des deutschen Volksvermögens verspielt werden. "
Wir haben es also mit einem Ausmass an Verantwortungslosigkeit unserer Politiker zu tun, dass nur noch schwer in angemessene Worte zu fassen ist.
Der Sinn jeglicher Leistungsanstrengung von uns Deutschen wird damit ad absurdum geführt, da sukzessive von unseren (Süd)europäern unser mühevoll in vielen Jahrzenten aufgebauter Wohlstand einfach "verfrühstückt" wird.....
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=> AW PB: Die Target-Forderungen und die Verdienste von Prof. Sinn um ihre Entdeckung und öffentliche Ausdeutung wurden hier im Blog doch schon seit Monaten immer wieder betont. Einfach nachlesen. Aber sie haben nat. völlig recht.
=> Besagter Prof. Sinn sagt zu Target2 inzwischen folgendes:
"Was der Stammtisch immer geglaubt hat und was ich als Ökonom für unmöglich gehalten habe (vor 20 Jahren), hat stattgefunden: man hat das Recht (als EU-Südland), die Geldpresse zu bedienen. ... Man glaubt es kaum - aber es ist so. Das EZB-System ist hemmungslos missbraucht worden."
Anzuhören in einem unbedingt sehenswerten Präsentation um ca. Minute 4 !!!
http://www.youtube.com/watch?v=aA4x5QtVmuA&feature=related
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=> AW PB: Auch hier - völlig richtig! Auch dies ein Dauerargument, das man eigentlich jedesmal hinzufügen sollte, wenn man die spätestens seit Maastricht "übliche" aber eben stark untertreibende Kennzahl "Schulden bezogen aufs BIP" verwendet. Marcus hat völlig recht, was erst recht aufzeigt, wie hoffnungslos überschuldet auch D iist (von den USA ganz zu schweigen): 2000% bedeutet, dass der Staat 20 Jahre lang 100% (!) seiner Steuereinnahmen zur Schuldentilgung aufwenden müsste und ALLE anderen Ausgaben entsprechend 2 Jahrzehnte einstellen, wollte er ernsthaft an eine Tilgung gehen...
Ceterum censeo: Im Goldstandard wäre ein solches Schuldenbabylon nach spätestens 2 Jahren beendet gewesen. Wir erleben hier das Ergebnis von (mind) 40 Jahren verfehlten Schuldensystems. Jede andere Erklärung (die einige Systemeliten zur Selbstverteidigung für die Zeit nach dem Crash bereits heute hervorkramen - zB "Die dummen Blogger und anderen Stammtisch-Schwätzer sind schuld, denn sie reden uns den Euro kaputt, das ist ein psychologisches NoGo" (sinngemäßes Zitat Kohl/Waigel/Merkel und anderer Polit-"Größen"), ist eine Mythenbildung, der man heute bereits entschieden begegnen muss. Wirtschaft ist NICHT Psychologie!! Der freie Markt spiegelt in seinen freien Preisen und ggf. auch in seinen logisch und systemkonform erzwungenen Insolvenzen (zB Griechenlands nicht "erlaubte" Inso im Mai 2010) nur die Logik und den Willen wider, welche freie Menschen bei freien Vertragsbeziehungen walten lassen würden.
Im Fall eins braucht es Konkursverwalter, im Fall zwei einen Neuanfang. In beiden Fällen sind kluge und mutige Leute erforderlich, wo auch immer, ob an der Front oder im Hintergrund.
L.
