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Ist der Staatsbankrott "sicher"?

von Peter Boehringer E-Mail 19.11.09 16:29:40

Manchmal erkennt man an der Wortwahl des Mainstreams, wie sich die Zeiten ändern: 2004 hatte ich beim Verfassen eines Artikel zunächst noch einen Moment gezögert, den "mit mathematischer Sicherheit kommenden Staatsbankrott" zu prognostizieren aus Angst, mich mit dieser Rhetorik komplett zu desavouieren [Zudem ist es bei Exponentialfunktionen wie den Staatsschulden mathematisch falsch, von einem "Ende" zu sprechen - das Ende wird eben nicht mathematisch erreicht, sondern nur über den kompletten Vertrauensverlust während der Beschleunigungsphase der Schuldenkrise].

Und 2009 steht nun der "mathematisch sichere Staatsbankrott" fast wörtlich im "Handelsblatt" (vom 18.11.2009):

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Sozialismus à la carte

von Peter Boehringer E-Mail 17.11.09 18:44:13

Wie erklärt man sich einem Artikel wie diesen aus dem aktuellen "Capital" bzw. aus der Print-FTD von heute, 17.11.2009?

"Ackermann will Vollkasko für Banken
Die Steuerzahler sollen nach den Vorstellungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch für künftige Bankenpleiten zahlen. Der Topmanager regte gestern die Einrichtung eines Fonds an, der notleidende Institute im Krisenfall rekapitalisiert oder geordnet abwickelt. In diesen Fonds sollten sowohl die Banken als auch die öffentliche Hand einzahlen ... Nach den milliardenschweren staatlichen Rettungspaketen für die Institute kommt der Vorschlag einer Provokation gleich. ... Ackermann begründete seinen Vorschlag damit, dass die Banken es vermutlich nicht schaffen würden, die Rettung anderer Institute ausschließlich privatwirtschaftlich zu regeln. Die Gesellschaft werde möglicherweise „am Ende akzeptieren müssen, dass der Staat in systemischen Bankenkrisen der Aktionär der letzten Instanz bleibt."
[sic!!]

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Merkel zur Überwindung der Nationen: "Koste es, was es wolle"

von Peter Boehringer E-Mail 10.11.09 11:36:28

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen: Finanzgeschichte ist zwar oft mühsam und professoral vernebelt. Meist ist sie aber auch aktuell, lebendig und lehrreich.

Ohne seit 2008 erlebte Finanzgeschichte wüsste die Welt vermutlich bis heute nicht, was eine Milliarde [10 hoch 9; engl. billion] in der Praxis bedeuten kann. Z.B. für Mitarbeiter eines Autobauers OPEL, dessen US-Mutter unseren ehemaligen Wirtschaftsminister in dessen nur 5-monatiger Amtszeit mal eben um mindestens 5 x 10 hoch 9 Steuer-Euros erleichtert hat, die nun vermutlich in Detroit oder NewYork gute Verwendung finden werden.

Oder was eine Billion [10 hoch 12; engl. trillion] in der Praxis bedeuten kann. Z.B. bei den Bankenrettungen, die die Welt bislang mindestens 5 x 10 hoch 12 Steuer- und Druckerpressen-Dollars gekostet hat. Selbst meine eigene Schätzung vom Mai 2008 i.H.v. EINER Billion, für deren "Exorbitanz" und "Lächerlichkeit" ich damals verspottet worden war, ist mittlerweile um mindestens den Faktor 5 überschritten!

Oder was eine Billiarde [10 hoch 15; englisch quadrillion] in der Praxis bedeuten könnte. Z.B. bei den Derivatenbergen der Welt, die mittlerweile diese Billiarden-Grenze überschritten haben und bei deren auch nur teilweisen Meltdowns ganze Staaten und bis dato zivilisierte Gesellschaften zusammenbrechen würden.

Wie das letzte Beispiel zeigt, setzt die menschliche Vorstellungskraft zumindest bei der Billiarde restlos aus. Und da eine Nanny-Politikerin wie Angela Merkel ja immer für den "Menschen" [nicht etwa für den freien, selbstbestimmten und mündigen Bürger] denkt, schirmt sie die Menschen nun endgültig vor diesen vielen vielen Nullen ab. Zwar nicht vor denen im Kabinett - aber immerhin vor der Debatte um die Kosten der derzeit so beliebten "Menschenbeglückungen" [früher: "Volksbeglückungen"]. Ihr Zitat anlässlich des Mauerfalls vor 20 Jahren zeigt ihren unbedingten Führungswillen, nun endlich und dauerhaft die kleinlichen Kostendebatten zu beenden. Dafür greift sie zum ultimativen Argument. Zitat vom 9.11.2009:

"Die spannendste Frage, um Mauern zu überwinden, wird sein:
Sind die Nationalstaaten bereit und fähig, Kompetenzen an multilaterale Organisationen abzugeben - koste es, was es wolle."

=> "Koste es, was es wolle"! Sic!

=> Ist DAS nicht beste Schröder´sche "Basta"-Politik?! DAS hat zwar somit vielleicht keine neue Qualität - ganz sicher aber völlig neue Quantität!

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Vom Fall des Papiergelds und Papiergolds

von Peter Boehringer E-Mail 29.10.09 16:18:29

In diesem Blogeintrag lesen Sie drei kurze Meldungen von heute, die nur auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Auf den zweiten geht es in allen Fällen um Entfremdung: die der türkisch-arabischen Welt nämlich, an der der "Westen" mit seiner absurden Währungs- und globalistischen Machtpolitik durchaus mit schuld ist [was natürlich keineswegs heißen soll, dass wir zur "Kompensation" des Orients nun alle Visa-Schranken aufgeben sollten, wie es unsere multikulturellen Gutmenschen ständig fordern und durchsetzen!]. Es ist aber logisch, dass westliche Scheinwerte (Dollar, Papiergold) und entkernte westliche Symbole (WTI) ausgerechnet vom politisch inkorrekten Orient als solche entlarvt werden. Schon schlimm, dass ausgerechnet intolerante und totalitäre Regimes hier klarer sehen als die westlichen Medien...

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30 Minuten bis zur Monetisierung

von Peter Boehringer E-Mail 28.10.09 12:49:13

In den klassischen VWL-Lehrbüchern zur Geldpolitik wird der direkte Aufkauf von frisch emittierten Anleihen durch die jeweilige Zentralbank eines Landes zurecht als potenziell hoch inflationärer Schritt bezeichnet. Seit einem Jahr haben die Fed und andere Zentralbanken diesen Schritt daher formal immer vermieden, obwohl sie in den letzten Monaten teilweise recht nah am direkten Aufkauf dran waren. Wir berichteten - aber der Mainstream schwieg und verschweigt auch weiterhin diese anhaltende de facto Monetisierung fast völlig. Und so bleibt aus gegebenem Anlass mal wieder nichts anderes übrig, als das Wahre im Goethe´schen Sinne immer zu wiederholen.

Dies insbesondere deshalb, weil die Frist von der Anleihe-Emission zum Aufkauf durch die Fed kürzlich bereits auf 30 Minuten 88| geschrumpft ist! Die Schamfrist zur Vermeidung der DIREKTEN Monetisierung beträgt nun also noch eine halbe Stunde!

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