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Gold und 8-Jahreszyklik - sehr starker Beginn hat bullische Implikationen

von Andreas Speer E-Mail 28.05.10 20:24:19

Seitdem der freie Goldhandel sich Ende der 60er Jahre schrittweise zu entwickeln begann, hat der Goldpreis in US-Dollar im regelmäßigen Abstand von etwa acht Jahren ein wichtiges Tief ausgebildet, welches jeweils für mehrere Jahre nicht unterschritten wurde. Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis im letzten Quartal des Jahres 2008 erneut ein solches Tief gesetzt hat. Hält sich der Goldpreis an sein historisches Verlaufsmuster, sind innerhalb der nächsten beiden Jahre weitere beachtliche Kurssteigerungen zu erwarten. Darauf deutet nicht nur die Tatsache hin, dass die ersten drei Jahre eines neuen 8-Jahreszyklus stets bullisch verlaufen sind, sondern vor allem auch die beeindruckende Stärke des aktuell noch sehr jungen Zyklus, die bisher nur ein einziges historisches Pendant aufweisen konnte, der im Jahre 1976 begonnene 8-Jahreszyklus. Dieser konnte innerhalb von nur 41 Monaten spektakuläre Kursgewinne verzeichnen.

Für das Timing des 8-Jahreszyklus, scheint der April 1968, dies war der erste Monat, in dem sich der Goldpreis von seinem im Jahre 1933 offiziell festgesetzten Wert von USD 35/oz entfernt hat, ein wichtiges Datum zu sein. Wenn man ab diesem Zeitpunkt jeweils um 8 Jahre und 2 Monate weiter auf dem Kalender reist, wurde bisher jedes dieser wichtigen Tiefs innerhalb eines Zeitbandes von 7 Monaten vor bzw. nach dem exakten Zeitintervall gesetzt. Diese Zeitreise bringt uns zum Februar 2009, dem Zeitpunkt der erwarteten „Fälligkeit“ des letzten Zyklus. In dem am 29.09.2009 erschienenen Artikel „Favoritenwechsel“ hatten wir darauf hingewiesen, dass das bedeutende Tief im Oktober 2008 bereits innerhalb des erwähnten Zeitbandes von plus bzw. minus 7 Monaten war und dieses Zeitband damals gerade verlassen wurde. Dieser Sachverhalt wurde mit der Graphik 1 illustriert. Einen Monat später hatten wir in dem Artikel „Liquiditätsschwemme“ das Fazit gezogen, „dass die 8-Jahreszyklik einen bullischen Einfluss auf die weitere Goldpreisentwicklung ausüben sollte und zwar bis mindestens Ende 2011.“ (Link zu beiden Artikeln: http://www.uhu-und-specht.de/3.html )

Ein Vergleich der Verlaufsmuster der einzelnen 8-Jahreszyklen lässt unseres Erachtens drei wesentliche Merkmale erkennen, die für den Goldanleger von Bedeutung sein können. Erstens sind die ersten drei Jahre eines neuen Zyklus wie schon erwähnt tendenziell positiv verlaufen. Das vierte Jahr hat durchschnittlich ebenfalls ein positives Ergebnis gebracht, jedoch nicht in allen einzelnen Fällen. Zweitens war im achten Jahr mit Abstand die schlechteste Wertentwicklung zu verzeichnen. Dies wird mit Graphik 2 verdeutlicht, in der wir den durchschnittlichen Verlauf des 8-Jahreszyklus zeigen. Vereinfacht ausgedrückt, haben wir die Wertentwicklung aller bisherigen 8-Jahreszyklen einzeln berechnet, indexiert und anschließend einen Durchschnitt gebildet. Drittens scheint die Performancestärke der ersten 18 Monate jedes einzelnen Zyklus, gewisse Rückschlüsse auf die Wertentwicklung der nachfolgenden 18-24 Monate zu ermöglichen. Anders ausgedrückt, man konnte nach 18 Monaten bereits erahnen, ob es sich bei den beiden nachfolgenden Jahren um gute oder besonders gute „Jahrgänge“ handeln würde. Hält sich der Goldpreis an sein historisches Verlaufsmuster, könnte sich der noch junge Zyklus in den nächsten 18-24 Monaten das Prädikat ausgezeichnet verdienen. Denn bislang hat nur ein einziger 8-Jahreszyklus eine ähnlich starke Entwicklung in den ersten 18 Monaten aufweisen können. In Graphik 3 vergleichen wir dessen Performance vom Tief im August 1976 bis zum Höchststand im Januar 1980 mit der bisherigen Wertentwicklung seit dem Tief im letzten Quartal 2008. Mit dieser kurzen Analyse wollen wir keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass der Goldpreis auch in den nächsten 18-24 Monaten einen ähnlichen Verlauf nehmen muss, denn der 8-Jahreszyklus ist aufgrund seiner enormen Länge noch nicht oft genug in Erscheinung getreten, um statistisch relevante Schlussfolgerungen zu ziehen. Er ist also mehr ein experimentelles Werkzeug in der „Toolbox“ eines Goldanlegers. Jedoch spricht die Tatsache, dass dieser Zyklus bislang mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit seinen Takt vorgab dafür, dass es ebenso wenig ratsam erscheint, ihn zu ignorieren.

Wir jedenfalls halten es für sinnvoll, sich auf die Möglichkeit einer explosiven Entwicklung des Goldpreises in den nächsten 18-24 Monaten vorzubereiten. Denn für den Goldanleger käme ein solcher Verlauf sehr wahrscheinlich einer emotionalen Achterbahnfahrt gleich. So kam es in dem Zeitraum von August 1976 bis Januar 1980 zu mehreren starken Volatilitätsausbrüchen. Die historische (realisierte) Volatilität der jeweils letzten 10 Tage hatte mehrfach einen Wert von 50 überschritten und in der Spitze 135 erreicht. Der prozentuale Abstand zur 200-Tagedurchschnittslinie hatte sich im letzten Jahr der Aufwärtsbewegung auf einen Wert von deutlich über 30% eingependelt und stieg von diesem Niveau aus bis gegen Ende der Bewegung auf aus heutiger Sicht unglaublich erscheinende 140%. Während dieser Zeit waren die größten Gewinne des gesamten Bullenmarktes zu verzeichnen. Dies soll veranschaulichen, dass Vergleichsgrößen, an die wir uns in dem neun Jahre alten Gold-Bullenmarkt gewöhnt haben, in einem solchen Szenario so manche Kapriolen schlagen werden.

Fazit:

Aus zyklischer Perspektive besteht die Möglichkeit, dass sich die Aufwärtsdynamik beim Goldpreis innerhalb der nächsten 18-24 Monate abermals beschleunigen wird. Da wir davon ausgehen, dass die aktuelle Finanzkrise ihr Zerstörungspotential noch nicht vollständig entfaltet hat, könnte die Kursexplosion, von der so mancher Goldanleger schon seit langem träumt, innerhalb der nächsten beiden Jahre tatsächlich Realität werden.

Den vollständigen Artikel einschließlich sämtlicher Graphiken finden Sie unter http://www.pdfverzeichniss.uhu-und-specht.de/Gold8JZMai10.pdf

© Andreas Speer
Senior Economist und Commodity Analyst

www.uhu-und-specht.de

2 Kommentare

Kommentar from: Ulrich [Besucher]
*****
Hallo Herr Speer, sehr gerne lese ich ihre Artikel, da sie stets fundamental sehr gut untermauert sind und auf Meinungen verzichten. Auch wenn ich gegenüber historischen Vergleichen skeptisch eingestellt bin - Geschichte wiederholt sich normalerweise nicht - scheint der 8-Jahreszyklus doch von herausragender Bedeutung zu sein. Ich denke, sie werden wieder recht bekommen.
29.05.10 @ 11:44
Kommentar from: Gerald [Besucher]
Interessante Entdeckung, dass es hier Übereinstimmungen alle 8 Jahre gibt in der Chartentwicklung. Ich frage mich immer bei der Charttechnik, wie man von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann?

Meiner Meinung nach wäre es interessant ev. die wirtschaftliche Entwicklung bzw. die Entwicklung der Aktienmärkte dahinter zu legen und ev. daraus Schlüssen zu ziehen.

Dem Fazit des Artikels stimme ich in jedem Fall zu und halte mich mehr an die Einschätzung unserer Leser, die auch im letzten Quartal ins Schwarze traf!

Unsere derzeitige Umfrage bestätigt bei über 330 Teilnehmern, dass viele Interessenten an einen weiteren Aufschwung glauben, denn derzeit denken 40% dass es bis Ende Juni noch auf über 1300 USD geht und 26% sogar auf über 1400 USA. Wir freuen uns wenn auch eure Meinung in die aktuelle Umfrage einfließt.
30.05.10 @ 19:22

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