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Minen - ein Buch mit 7 Siegeln? Teil 19

von Johannes Forthmann E-Mail 14.08.13 15:07:10

Link: http://jf-research.com/blog/

Bevor der Morgen dämmert ist es am finstersten

Das am 27.6. markierte Tief bei Edelmetallen führte auch Minenwerte etwas aus dem Tal der Tränen. Ob sich dieser Sektor aus den Krallen eines 30 Monate andauernden Bärenmarktes befreien kann, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Bärenmärkte enden bekanntlich dann, wenn fundamental gesehen die größte Finsternis herrscht. Edelmetallgegner sprechen von einem Ende des Bullenmarktes und haben ein Kursziel von 1000 $ vor Augen. Hedgefonds halten weiter ungedeckte Shortpositionen in Rekordhöhe, ohne zu wissen, was ihnen bei einem Shortsqueeze blühen kann, wenn sie zum Eindecken gezwungen sind, aber keine Verkäufer finden. Bullion Banken sind nicht die freundlichsten Menschen. Sie werden Spekulanten, die Wetten auf einen weiter fallenden Goldpreis abgeschlossen haben, nicht so einfach „vom Haken lassen“; denn es wird immer offensichtlicher dass eine starke physische Verknappung herrscht.

In den Medien sind gehäuft Berichte über existentiell bedrohte Minenunternehmen zu lesen. Viele Gesellschaften wurden von Investoren zur Hölle geschickt, nachdem sie von ihnen zuvor in den Himmel gehoben wurden. Dabei wurden sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite Fehler gemacht. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass einige Unternehmen auch einen 21 Jahre anhaltenden Bärenmarkt (1980 - 2001) überlebt haben und dieser Sektor zu den ältesten Industriezweigen der menschlichen Zivilisation gehört.

Eine Fundgrube für Value Investoren?

Studiert man die Kurs/Buchverhältnisse guter Unternehmen, dann lässt sich ohne weiteres sagen, dass diese mittlerweile lächerlich erscheinen und die dunkelsten Zeiten des damaligen Bärenmarktes unterschritten haben. Auch das Kurs/Cashflow Verhältnis vieler Unternehmen weist Größen aus, die noch vor 2 Jahren undenkbar erschienen. Alles scheint auf dem Kopf zu stehen. Es ist nicht mehr der Hund(Gold), der mit dem Schwanz (Terminmarkt) wackelt, sondern umgekehrt. Legt man ein Tier jedoch in Ketten, dann wird es versuchen sich mit Gewalt zu befreien. Lange wird dieses nicht mehr dauern. Auch was das Missverhältnis von (Papier-)goldpreis und Minenindex angeht, so können sich selbst älteste Marktteilnehmer nicht mehr an Werte erinnern, die vor wenigen Tagen gemessen wurden.

minen19_grafik1

Analysiert man dieses Verhältnis einmal etwas genauer, dann kann man einige Beobachtungen machen, die zu Hoffnung Anlass geben. Hier zeichnete sich in den letzten Tagen eine Verbesserung zugunsten von Minen ab. Auch die oben und unten angezeigten Indikatoren geben positive Signale.

Goldminer / Gold Ratio von März bis August 2013 (1 Preisstab = 1 Tag)

Goldminer / Gold Ratio von März bis August 2013 (1 Preisstab = 1 Tag)

Silberminen

Einige Silberminenaktien schlugen sich in den letzten Wochen gut. Der Index konnte seit seinem Tiefpunkt um ca. 40 % zulegen. Betrachtet man den Chart dieses Sektors, dann fällt auf, dass die beim letzten großen Kursrückgang gerissene Kurslücke (Pfeil unten) vor ein paar Tagen geschlossen wurde. Dieses ist ein positives Signal. Ein weiteres fand kurz danach mit dem Überqueren des 50 Tage Durchschnittes statt. Diese Linie bildet stets die Basisvoraussetzung für jegliche Art von Trendwechseln. Ein Überwinden der großen Kurslücke (Pfeil oben) wäre hier das nächste Ziel, aber man sollte nach dem starken Kursanstieg der letzten Tage damit etwas Geduld haben.

Silver Global X Miners ( 1 Preisstab = 1 Tag), 50 Tage Linie

Silver Global X Miners ( 1 Preisstab = 1 Tag), 50 Tage Linie

Technische Analyse Gold

Gold befindet sich aktuell in einer Schiebezone, die von 1270 bis 1350 reicht. Auch hier sollte man nicht unbedingt erwarten, dass diese Zone nun sofort nach oben verlassen wird. Ich rechne in den nächsten Tagen eher mit einer Seitwärtsbewegung. Eine Bodenbildung von Gold würde technisch erst dann endgültig bestätigt, wenn die äußerst wichtige Marke von 1350 $ überschritten wird. Hier liegen Optionsbarrieren. Aber auch schon ein erneuter Ausbruch aus der Minizone um 1340 (blaue Linie) könnte dem Edelmetall genügend Momentum verleihen, ein neues Hoch über 1350 zu schaffen. In diesem Falle rechne ich mit schnellen Kursgewinnen bis über 1400.

Gold Intraday (1 Preisstab = 240 Minuten) im Juli und August 2013

Gold Intraday (1 Preisstab = 240 Minuten) im Juli und August 2013

Juniors performen Majors aus

Und hier etwas, welches nicht untypisch für einen endenden Bärenmarkt im Minensektor zu sein scheint. Die risikoreicheren, brutal heruntergeprügelten Juniors performen aktuell die Majors aus. Dieses zeugt von einer gestiegenen Risikobereitschaft von mutigen Investoren, die nun Chancen wittern, Werte aufzulesen, die die Masse der Anleger in Panik zu Schleuderpreisen weggeworfen hat, ohne fundamentale Kriterien walten zu lassen.

Junior Goldminers / Goldminer Ratio

Junior Goldminers / Goldminer Ratio

Zusammenfassung:

Das Missverhältnis von Minenunternehmen zu den von ihnen geförderten Edelmetallen befindet sich auf einem historischen Extremniveau. Nach dem Blutbad der letzten 30 Monate kann man nun mit vorsichtigem Optimismus auf einen Trendwechsel hoffen. Dieser würde sich dann zementieren, wenn auch Gold es schafft, jenseits der soeben überwundenen 50 Tage Linie zu bleiben und die hier angezeigten Marken hinter sich zu lassen.
Die Geschichte der Minenaktien zeigt, dass diese häufig die Vorboten für einen steigenden Goldpreis waren. Vielleicht ist es dieses Mal auch so. Möchte man als Mineninvestor nicht zu den „Johnnies come lately“ gehören, dann sollte man sich langsam nach substanziell guten Werten umschauen.

Wenn echte Werte dagegen bis ins Nichts fallen, dann wird die Finsternis uns für immer beherrschen.

Johannes Forthmann
Johannes Forthmann ist deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber des JF Research Newsletters. Es wird keine Garantie für die Richtigkeit der hier genannten Daten übernommen.
http://jf-research.com

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