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"The Boom and Bust cycle", oder wie die Banken den Kollaps

von Matthias Lorch E-Mail 22.04.12 19:51:09

"The Boom and Bust cycle", oder wie die Banken den Kollaps kreieren

Ob Alan Greenspan oder Bernanke, – immer, wenn ein Fed-Chef spricht, dann hören die Markteilnehmer sehr genau zu, was gesagt wird. Gleichzeitig hat jeder dabei aber schon einmal das Gefühl gehabt oder konnte sogar beobachten, dass große Markteilnehmer frühzeitig ihre Positionen änderten, – also frühzeitig vor den sogenannten "Statements" von einer Anlageklasse in eine andere Anlageform wechselten.

Hiervon lässt sich auch die Aussage "follow the money" nachvollziehen. Das bedeutet aber nicht, dass eben gerade diese Markteilnehmer die Fähigkeit haben, in die Zukunft zu schauen. Nein, das hat die Elite gar nicht nötig, weil sie nämlich die Richtung für diese "Statements" selbst vorgibt.

Diese Aussagen verfolgen die Absicht, Vertrauen in eine Anlageklasse oder in die Bonität einer Branche oder einer ganzen Nation entweder zu erwecken oder auch zu zerstören.

Einer der Hauptursachen für den "Boom and Bust cycle" ist das Vertrauen in eine weiter wachsende Wirtschaft, und die Hauptursachen der Panik ist dann eben der Verlust dieses Vertrauens und die Angst vor der Schrumpfung der Wirtschaft im Ganzen oder der einzelnen Anlageformen.

Wenn also beispielsweise Alan Greenspan eine seiner oft schwer verständlichen negativen Äußerungen von sich gab, dann geschah dies, um das Vertrauen zu brechen und dem darauf folgenden Rückzug der Geldwerte aus seinen Aussagen betreffenden "Assetklassen".
Manche werden nun sagen: "Weshalb sollte denn die Elite das wollen, was haben diese Mächte zum Beispiel von einem Kollaps des Aktienmarktes oder des "Bondmarktes" (Anleihmarktes), wenn sie doch sehr viel Geld darin investiert haben?"

Doch das ist leicht nachvollziehbar. Wenn Sie zum Beispiel im Voraus wüssten, dass eine "Assetklasse", wie zum Beispiel ein Staatsverschuldungspapier, ein Rohstoff oder ein Edelmetall "crasht", weil genau Sie eben diesen Crash vorbereitet haben, dann würden Sie einfach frühzeitig aus dem Markt gehen. Sie würden dann mit allen Ihren zu Verfügung stehenden Mitteln und Mechanismen eine Panik erzeugen und danach das Verkaufte wiederum wesentlich billiger zurückkaufen.

Wenn dann Ihre Helfershelfer durch Ihre Aussagen das Vertrauen wiederhergestellt haben, lassen sie langsam wieder Geld in den Markt fließen und warten bis zum Schluss wieder die Kaufpanik einsetzt, nach der sie das Ganze dann einfach wiederholen.

Das ist eigentlich leicht zu verstehen, oder?

Haben die Markteilnehmer dieses nach dem zwanzigsten Mal noch immer nicht verstanden, dann werden sie gerne von den Machern dieses Spieles als Idioten bezeichnet, was den Kern der Sache schon irgendwie trifft.

Jeder kennt doch die Geschichte von den Bankern, als sie nach der Schlacht von Waterloo eine Panik durch ein falsches Gerücht erzeugten, um danach über ihre Agenten die englischen Schuldverschreibungen für Pfennigbeträge zurückzukaufen. Es hat sich also seither nicht so viel geändert, außer vielleicht, dass die Machtverhältnisse sich ums Zigtausendfache zu Gunsten der Erfinder und den Machern dieses Spiels verschoben haben.

Die Zinsstruktur und die Mindesteigenkapitalanforderungen

Das Geld ist für den Tausch entstanden, der Zins aber weist ihm die Bestimmung an, sich durch sich selbst zu vermehren. Daher widerstreitet auch diese Erwerbsweise unter allen am weitesten dem Naturrecht."

Aristoteles

In Bezug auf die Märkte und auf Ihr Investment ist es nicht alleine das Vertrauen, das die Markteilnehmer beschäftigt. Folgenschwere Fakten wie die Zinshöhe und auch die Leichtigkeit der Kreditvergabe sind es, welche die Märkte bewegen.
In den vergangenen 30 Jahren wurden die Zinsen zwar durch kleinere Bewegungen hoch und runter manipuliert, – die Haupttendenz der Zinsen weltweit ist aber seit 1980 fallend.

Gleichzeitig wurden die Inflationszahlen erst durch Outsourcing in Billiglohnländer, später durch offensichtliche Lügen verschleiert. Die Zinsen wurden weiter heruntergefahren, welches mit der Drohung des Wirtschaftszusammenbruchs gerechtfertigt wurde.

Wie auch immer, die Vorausetzung für steigende Geldwerte ist immer die Geldmenge. Fällt die Geldmenge, dann fallen auch die danach ausgerichteten Preise, in welche die Geldeinheiten schließlich gewechselt werden müssen. Es fallen Investmentklassen und Anlagewerte im Ganzen.

Die Geldmenge wird in unserem Geldsystem ausschließlich durch die Vergabe von Krediten gesteuert und durch die Höhe der dafür geforderten Zinsen. Steigen die Zinsen zum Beispiel von zwei auf vier Prozent, dann ist das keine Steigerung um zwei Prozent, sondern eine Steigerung um das Doppelte.

Der erste Schritt, um den Wirtschaftzyklus anzuheizen, war das Senken der Zinsen. Diese nämlich lässt durch die Kreditvergabe große Summen in die Wirtschaft fließen. Und dieses zirkulierende Kapital wiederum ist gleichbedeutend mit der Aktivität der Gesamtwirtschaft.

Bedeutet = mehr Geld

Ist viel Geld vorhanden für den Erwerb von Waren, steigt das Vertrauen in weiter steigende Preise und in die Fähigkeit, diese Kredite zurückzuzahlen.

Deshalb ist es auch nachvollziehbar, dass die Bereitschaft der Bevölkerung zu immer mehr Verschuldung steigt. Ja, es wird dann auch immer mehr geliehen. Die Kosten für die Kredite sind niedrig und werden durch die fallenden Zinsen immer niedriger.

Das heißt letztendlich den Erwerb größere Häuser, mehr Urlaub und ein größeres Auto für Privatkreditnehmer und in Folge dadurch auch mehr Investitionen der Firmen, die diese Nachfrage decken müssen. Diese Entwicklung wiederum verleitet die Firmen zu immer größeren Investitionen. Aber manchmal werden die Unternehmen auch einfach dazu gezwungen, um weiterhin im Geschäft zu bleiben.

Weiterhin hat dies das Aufblähen in verschiedensten Assetklassen zur Folge. So gab es in den Jahren 1980 bis 1990 einmal ein Aktienboom in Japan. Einen Boom in italienische Sportwagen gab es von 1989 bis 1992, in Technologiewerten von 1995 bis 2000 oder in Immobilien in der Zeit von 2001 bis 2005. Doch das sind nur die Spitzen dieser Entwicklungen.

Im Kern ist auch die langsamere Wertsteigerung des Geldes, die durch die Vervielfältigung der Wechseleinheiten hervorgerufen wurde, vergleichbar mit einer Investmentblase in Zeitlupe. Es ist wie die Flut, die alle Boote im Hafen gleichmäßig angehoben hat.

Dies alles wird von den Zentralbanken, – also von privaten Institutionen –, über die Höhe der Zinsen und die Vergabe der Kredite gesteuert. Wohlgemerkt: Nicht von den Staaten und deren demokratisch gewählten Gremien!

Die Feinjustierung der Kreditvergabe der Banken an die Kreditnehmer wird durch die BIS (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), also von der sogenannten Zentralbank der Zentralbanken in Basel, gesteuert. Deren Werkzeuge sind unter anderem solche Vorschriften wie Basel 1 und Basel 2, die damit die Quantität der Geldversorgung regeln.

Die Mindesteigenkapitalanforderungen, die Aufsicht des Überprüfungsprozesses und die Offenlegung dieser Dinge werden den Banken somit von zentraler Stelle vorgeschrieben.

Das Senken des Zinsniveaus und das Herunterfahren der Mindesteigenkapitalanforderungen der Kreditgeber ist vergleichbar mit dem Auswerfen der Netze der Fischer auf dem Meer, oder besser noch mit der Angel des Anglers, wo der Kredit der Haken und der Köder dann vielleicht der Zinssatz sein könnte.

Das Einholen der Netze ist dann jedenfalls das Anheben des Zinssatzes, und die Restriktionen in der Vergabe der Kredite. Dieses zwingt die Markteilnehmer, mehr Geld an die Banken abzuführen, was die zirkulierende Geldmenge natürlich herunterfährt.

Bedeutet = weniger Geld

Da die ausufernde Geldmenge die Inflation für die notwendigen Dinge des täglichen Lebens (wie beispielsweise Mietnebenkosten, Energie, Benzin, bestimmte Renovierungskosten und Instandhaltungen) zuerst anheizte, und die Markteilnehmer sich auch noch zusätzlich verschuldeten, wird der Schuldendruck letztendlich unerträglich.

Die Schuldenfalle

Sobald diese Schulden nicht mehr rückzahlbar sind, und zum Beispiel die Hypothekendarlehen notleidend werden, und somit die Banken keine neuen Kredite mehr vergeben, wird der Preisrückgang folgen und eine allgemeine Panik einsetzen.

Deshalb ist es möglich, dass zum Beispiel Immobilien und andere Werte fallen bis zu einem weit ehemals gezahlten Kaufpreis, der weit unter der Besicherung der Banken für diese Werte liegt.

Die logische Schlussfolgerung ist eine Enteignung des Kreditnehmers mit bleibenden Schulden, für die dann für den Rest des Lebens abgearbeitet werden müssen. Besonders trifft dies dann die verschuldeten Privatkreditnehmer, wie auch Städte, Länder und ganze Nationen. Dies vollzieht sich dann unter dem lächerlichen Begriff der "Sparmaßnahmen, um die Schulden zu konsolidieren".

"The Bailouts" ("nice trick")

Nachdem die Banken den Privatanlegern und Institutionen der Kreditnehmer die zuvor hinterlegten Sicherheiten abgenommen haben, jedoch durch die mangelnde Sicherheitsleistung sowie den Preisverfall selbst in die Zwickmühle gekommen sind, zieht sich auch für diese die Schlinge zu.

Die systemeigenen Banken werden schließlich durch "Bailouts" der Regierungen = (neue Kredite der Kredithaie "Zentralbanken" an die Regierungen und das anschließende Aushändigen der Summen an deren Systembanken) mit guter Kapitaldecke ausgestattet. Die Werte werden damit zu Bruchteilen der Einstandskosten übernommen. Genau das war auch beabsichtigt.

Die folgende Panik wird genauso groß sein wie der vorhergegangene manipulierte Aufschwung es war.

Anhand der für 30 Jahre andauernden Zinssenkungen sowie der dadurch unaufhörlichen steigenden Geldmenge und deren Spiegelbild, den automatisch explosionsartig steigenden Schulden, kann man die Größenordnung der dann folgenden Panik ungefähr abschätzen. Der einzige Grund für die ganze Misere ist dann das Abführen von Geldeinheiten, also von Wechseleinheiten für die geschaffenen Werte und Waren.

Das Manipulieren des Abschwungs und der Einsatz von Chaos, Furcht und Panik sind natürlich der Traum des Manipulators. Das Alles wäre aber ohne die Verschuldungsorgie gar nicht möglich gewesen, deshalb müssen wir uns an die eigene Nase fassen.

Sieht man, dass die Inflation im Moment fast zweistellig ist, die Kreditkosten sich aber auf einem Allzeittief bewegen, wird klar, dass die Mächtigen den Turbolader der Verschuldung schon vor geraumer Zeit gezündet haben, oder besser ausgedrückt...: Sie wollen bald Kasse machen.

Man muss ja auch kein Genie sein, um zu wissen, dass beim exponentiellen Wachstum die letzten Schritte gigantisch werden. Sieht man die Mengen des Kreditgeldes, das derzeit in den Kreislauf gebracht wird, dann kann der letzte Schritt nicht mehr allzu fern sein. Beabsichtigt ist, dass alle verbleibenden Werte den Machern und Erfindern dieses Spieles ausgehändigt werden müssen.

Bis es so weit ist, ziehen die Banker und ihre Helfershelfer mit allen Mitteln alles aus den Volkswirtschaften heraus. So zum Beispiel die Firma Goldman Sachs, die in den USA weniger als ein Prozent Steuer zahlt und den Rest ihres Ertrags auf die Cayman Islands verfrachtet.

Dazu gibt es noch eine schöne Anmerkung von Arthur Schopenhauer:

"Die höchste intellektuelle Eminenz kann zusammenbestehen mit der ärgsten moralischen Verworfenheit."
deutscher Philosoph (1788-1860), Quelle: Die Welt als Wille und Vorstellung II, 2, 19

Alchemie und Versklavung

Zwei Lügen wurden uns unterbreitet. Diese sind: Die Alchemie gibt es nicht, und die Sklaverei wurde abgeschafft.

Loyd Blankfein beispielsweise, Chef von Goldman Sachs, ist so ein moderner Alchemist. Er verwandelt nämlich "20 Pfund wertlosen Müll in 20 Milliarden noch wertlosere kreditgesicherte Obligationen" und lässt diese dann in den Markt einfließen. Sollte man aber mal daneben liegen, dann steht der Staat mit ""Bailouts" bereit. Anderenfalls bräche laut offiziellen Statements das Finanzsystem zusammen.

So wenig, wie es ein Recht des Stärkeren gibt, der dem Schwächeren seinen Willen durch Gewalt aufzwingt, darf es ein Recht des Schlaueren geben, der dasselbe durch List tut.
Im Endeffekt bedeutet diese Entwicklung immer ein Zusammenbruch der Zivilisation, und letzten Endes entsteht eine Anarchie.

Denn wenn die Armen gezwungen werden, ein menschenunwürdiges Leben zu führen, dann wird das auch für Dich Reichen ein solches werden. Ein Leben weder in Armut noch Reichtum ist für einen Europäer unter Umständen wie in Kolumbien oder Sao Paulo vorstellbar.

Über die Charakterzüge derjenigen, die sich das alles ausdachten, kann man geteilter Meinung sein.

Dass für diese die Entwicklungen zu einer immer größeren Machtfülle führen, ist so klar, wie es für die Masse der Menschen immer mehr ein Desaster von ungeahnten Ausmaßen werden wird.

© Matthias Lorch

5 Kommentare

Kommentar from: Bert [Besucher]
Fehlendes Unterkapitel

Absolute Kontrolle des Individuums und des Staates

Gerade musste ich das erste Mal statt an den Verkäufer die Zahlung über ebay abwickeln. Und die Bank die das Zwischenkonto betreibt ist J.P.Morgan. Muss ich jetzt Angst haben, dass mein Geld gar nie beim Empfänger ankommt und statt dessen als Sicherheit für eine Blase dient? Bin ich paranoid oder nur schlecht informiert? Ist der Geldfluß und der Zahlungszweck noch geheim?
22.04.12 @ 20:03
Kommentar from: Peter Bauer [Besucher]
Völlig richtig, mittlerweile hat es sich bereits zu einigen herumgesprochen, dass wir uns unser eigens Grab schaufeln. All das was der Artikel anreißt, steht genau so nur viel ausführlicher in Michael Morris wunderbarem Buch "Was Sie nicht wissen sollen" das ich an der Stelle nur jedem empfehlen kann.
23.04.12 @ 17:50
Kommentar from: Eigen [Besucher]
@bert
die Zahlungsabwicklung über Ebay/JP Morgan Frankfurt läuft etwa so:
Der Käufer zahlt an JP Morgan, der Verkäufer bekommt dann die Nachricht dass bezahlt wurde und kann die Ware versenden. Der Verkäufer bekommt sein Geld aber erst nach 5 - 7 Tagen von Ebay/JP Morgan überwiesen. Bei dem Volumen was dort täglich abgewickelt wird sind das ganz ordentliche Zinsgewinne. Einem ehrbaren Kaufmann sträuben sich dabei zwar die Haare, aber schließlich ist das hier eine amerikanische Firma und hierzulande gelten ja immer noch die SHEAF Gesetze.
Man kann es auch positiv sehen, wenn jemand schon auf diese Tour reisen muss, dann kann das Ende nicht mehr weit sein.
23.04.12 @ 19:50
Kommentar from: Bert [Besucher]
@Eigen

Also wie ich befürchtet hatte, mein Geld muss bei Morgan arbeiten. Laut einer Verordnung der EU ist es den Banken verboten, bei Überweisungen, Zinstage zu schinden. Da ebay aber das Sammelkonto besitzt, wird die gesetzliche Regelung umgangen.
24.04.12 @ 09:34
Kommentar from: Ingrid Merker [Besucher] E-Mail
Die Gier nach Besitz macht die Versklavung erst moeglich.

Hoffentlich haben es Alle begriffen, dass man sich nicht verschulden sollte, keine Kredite nehmen!!!!!
09.09.12 @ 23:50

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