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Goldindikatoren Teil 14

von Johannes Forthmann E-Mail 03.05.12 14:19:43

Link: http://jf-research.com/blog/

Goldindikatoren Teil 14

Vor einigen Tagen bat ich einen amerikanischen Kollegen mir seine persönlichen Eindrücke bezüglich wirtschaftlicher Erholungstendenzen im täglichen Leben zu schildern. Er mailte mir u.a. folgendes:

“…..But, mostly, I'm seeing the small businesses quitting, closing down. These are the ones who have been hanging on, trying to make it go with small amounts of work to do. Now they are not able to carry on --there is even less work for them and they cannot make ends meet. This is what I'm noticing recently. It´s actually a bad sign --people have stopped spending, that's what it is. They don't like what's happening with the economy and stopped participating in it. A bad sign.“

Genauer kann man es nicht beschreiben. Man braucht keinen Weitblick, um sich die Frage zu stellen, wie sich eine Wirtschaft erholen kann, wenn der Klemptner, der Maurer, der Metzger, der Automechaniker oder Friseur um die Ecke kein Geld mehr verdienen. In vielen europäischen Ländern sieht es mittlerweile ähnlich aus. Massenarbeitslosigkeit scheint die große Herausforderung der ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts zu werden. Wirft man einmal einen genaueren Blick auf die Situation in Großbritannien, Irland, Spanien und Portugal , dann gewinnt man den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Probleme dort größer sind als allgemein angenommen. Selbst aus dem Boom-Land Brasilien kommen in letzter Zeit Meldungen, die ernüchternd klingen. Deutschland wird dagegen vom Ausland als eine Art Wirtschaftswunder bestaunt und in einigen Fällen auch beneidet. Die Frage, inwieweit es sich im Falle einer dramatischen Verschlechterung der globalen wirtschaftlichen Lage entziehen kann, kann ich zur Zeit nicht beurteilen.

Ähnlich wie der oben erwähnte Eingangskommentar drückt es auch der US Ökonom John Williams aus. Auf seiner Webseite www.shadowstats.com stellt er die Frage: „Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, warum offizielle Wirtschaftsdaten nicht konform mit Ihren eigenen geschäftlichen Erfahrungen gehen?“ Er berechnet die Arbeitslosen-und Inflationszahlen anhand der Bemessungsgrundlagen der 80er und 90 er Jahre und kommt auf bedeutend höhere Zahlen als die Aktuellen es vermitteln. Vielleicht sollte man diese Art von Berechnungen auch einmal in Europa anstellen. Beeindruckend sind seine Kalkulationen, was den Goldpreis angeht. Er kommt zu der Schlussfolgerung, dass der Goldpreis auf 7000 USD ansteigen müsste, wenn er inflationsbereinigt sein Hoch aus dem Jahre 1980 erreichen würde. Dieses lag damals bei knapp über 900 USD intraday.(siehe auch Goldindikatoren Teil 13). Allein unter diesem Aspekt bleibt ein großes Potential für einen weiteren Anstieg.

Richard Russel wird von vielen Experten auch als Papst der Analysten angesehen. Sein legendärer Primärtrend Index offenbarte den Beginn vieler wirtschaftlichen Hausse-und Baissephasen, die seit 1956 stattfanden. Wenn Erfahrung zählt, dann gibt es niemanden, der ihn übertreffen könnte. In seinen letzten Newslettern spricht er von einem deflationären Schrumpfungsprozess, der möglicherweise in eine globale Depression einmündet. Die Kennzahlen seines P´Index weisen zur Zeit jedoch noch weiter nach oben. Die nahe Zukunft beschreibt er als unkalkulierbar.

Aktuelle Quartalsergebnisse von Großunternehmen vermitteln eher den Eindruck , dass es immer mehr Gesellschaften gibt, die Einbußen in Bezug auf ihre Gewinnsituation erleiden werden. Aktuelles Beispiel: High Tech Gigant Sony meldete vor ein paar Tagen extrem schlechte Zahlen. Wenn Verschuldung, Inflation und steigende Zinsen Unternehmensgewinne schmälern werden, dann muss dieses von steigenden Gewinnen auf einem Gebiet begleitet werden, welches von einem Wertverlust des Dollars und des Euros entweder nicht betroffen ist oder davon profitiert. Dieser Weg führt zu den Minengesellschaften.

Gold als Kaufkraftindikator

Die Rolle von Gold als Werterhaltungsinstrument in einem inflationären Umfeld ist historisch tief verankert. Inflation ist eigentlich nur auf zweierlei Weise möglich. Entweder man verringert den Gehalt von Edelmetallen in Münzen in einem Goldstandardsystem oder man vermehrt die Geldmenge in einem ungedeckten Papiergeldsystem. Eine dritte Variante stellt eine geschichtlich wohl einmalige Sondersituation dar. Sie trat auf, als Spaniens Silber aus der Neuen Welt im Mittelalter den europäischen Markt überschwemmte und die Brotpreise daraufhin stiegen. Zuvor waren diese 300 Jahre lang stabil geblieben. Erste Fälle von Hyperinflation wurden im Römischen Reich dokumeniert. Um Brot und Spiele für alle, Thermalbäder und Kriege zu finanzieren wurde der Edelmetallgehalt von Münzen fast bis auf Null reduziert oder durch Kupfer ersetzt. Im Jahre 300 n. Ch. war der Preis für ägyptischen Weizen dadurch in 100 Jahren um 15.000 % gestiegen. Sündenböcke fand man in Spekulanten und bestrafte sie drakonisch für Dinge, die sie nicht verursacht hatten. Ein Beispiel für die zweite Variante bietet das Frankreich des 18. Jahrhunderts. Staatsbankrott, Aktienblase, Geldentwertung, Revolution. Ein berühmter Zeitzeuge(Voltaire) schrieb damals: „Jedes Papiergeld wird irgendwann zu seinem inneren Wert zurückkehren-Null“

Wegen seiner historisch belegten Werterhaltungsfunktion wird Gold von einigen Experten auch als reales Geld bezeichnet. Dieses spiegelt sich heute unter anderem in der Tatsache wieder, dass sein Preis in allen bedeutenden Währungen in den letzten Jahren erheblich stieg. Aber auch in einem direkten Kaufkraftvergleich mit anderen Rohstoffen, Gütern oder Dienstleistungen vermochte es seinen Wert zu steigern. Dieses wird an späterer Stelle dieses Artikels gezeigt.

Wie es um die wichtigsten Papiergeldwährungen der Welt im allgemeinen bestellt ist, zeigt sich vielleicht daran, dass die Währung der am höchsten verschuldeten Industrienation (Japan, 200% vom GDP) in den letzten 3 Jahren zur stärksten Währung der Welt aufstieg. Berücksichtigt man dabei auch noch, dass in Japan seit über 25 Jahren ein wirtschaftlicher Bärenzyklus herrscht, dann wandelt man auf der Suche nach vermeintlich stärkeren Währungen schon etwas im Dunklen. Zur Zeit befinden wir uns in einem Abwertungskarrussel. Dieses hat es während der Grossen Depression auch schon einmal gegeben, allerdings findet dieses heute gekoppelt mit Derivaten in ganz anderen Dimension statt. Bei den Währungen der BRIC Staaten und anderen hört man von Aufkäufen der Leitwährungen, um deren Produkte konkurrenzfähig zu halten. Die folgende Grafik zeigt den Wertverlust von USD, Euro und Schweizer Franken gegenüber dem Yen seit 2008. Ein weiterer Kommentar dazu erübrigt sich.

Grafik 1: Euro, USD und Schweizer Franken in Yen von 2008 bis 2012
Euro, USD und Schweizer Franken in Yen von 2008 bis 2012

Gold / Rohöl Ratio

Auch gegenüber dem wichtigsten Rohstoff Öl wertete Gold in den letzten Jahren bezüglich seiner Kaufkraft stetig auf. So entprach der Wert von 1 Unze Gold auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 ca. 22 Barrel Rohöl. Diesen Trend habe ich in der in der folgenden Grafik dargestellt.

Grafik 2: Rohöl in Barrel pro Unze Gold in USD
Rohöl in Barrel pro Unze Gold in USD

Dennoch bestehen auch wichtige Korrelationen zwischen Gold und Öl. Diese werden in einem der nächsten Teile dieser Essayreihe näher beleuchtet.

Gold und Kontradieff Zyklus

Die Charts von vielen Branchen zeigen bärische Setups. Eine Entwarnung kann erst dann gegeben werden, wenn neue Jahreshochs an den Aktienmärkten erreicht werden. Hierbei könnte es sich durchaus um den Beginn eines Abwärtszyklus im Kontradieff Winter handeln. Professor Wittmann hat dieses Prinzip der „langen Wellen“ in seinem neuen Buch „Superkrise“ etwas überarbeitet. Für ihn passt die heftige Rezession von 2008 zu einem „planmässigen“, wenn auch etwas verspäteten Beginn der Winterphase. So auch die kräftige Erholung seit 2009. Demnach würde sich ein Abwärtszyklus in Form einer längeren Stagnation oder gar Depression wahrscheinlich bis weit nach 2020 erstrecken. Im Kontradieff-Winter hat Gold immer eine wichtige Rolle gespielt. Schon während der letztjährigen Turbulenzen konnte man erste Anzeichen einer gegenläufige Reaktion von Gold und Aktienmarkt über mehrere Wochen hinweg beobachten.

Grafik 3: Gold in Euro und Dax Index vom 27.6. bis 5.9.2011
Gold in Euro und Dax Index vom 27.6. bis 5.9.2011

Stellt man das Differential beider Werte prozentual in einer einzigen Kurve im gleichen Zeitraum dar, dann sieht man einen starken Trend. Dieser zog sich 2011 über2 Monate hin. Unter der Voraussetzung, dass wir es in Zukunft mit einem echten Kontradieff -Winterzyklus zu tun haben werden, könnte ein ähnlicher Trend jedoch Jahre anhalten.

Grafik 4:
Grafik 4

Grafik 5: Charttechnische Unterstützungszonen im Kontradieff Winter
Charttechnische Unterstützungszonen im Kontradieff Winter

Der Angst Index

Ein anderes Instrument, um die allgemeine Verfassung der Finanzmärkte im Hinblick auf mögliche Turbulenzen zu beurteilen ist der Barclays Bank i Path VIX Index. Er stellt eine Art Fieberkurve dar und wird deshalb auch „Fear Index“ genannt. Dieser Index misst die Volatilität des Aktienmarktes anhand des S&P 500 Index und neigt dazu Trends entlang der 50 Tage Linie zu bilden. Ein nachhaltiges Überschreiten und die Ausbildung eines Doppelbodens würde demnach eine rote Flagge für die Finanzmärkte signalisieren.

Grafik 6: Barclays Bank i path S&P Volatility Index
Barclays Bank i path S&P Volatility Index

COT Reporte und Gold

Die manchmal zitierten COT Reporte über Veränderungen von Comexpositionen hinken stets der aktuellen Entwicklung des Goldpreises hinterher. Oft stellen sie sogar einen Kontraindikator dar, denn sie geben wenig Aufschluss über subsequente Veränderungen. So wurde vor kurzem beispielsweise eine Verringerung von Longpositionen bekannt gegeben. Der Goldpreis veränderte sich daraufhin so gut wie garnicht. Ähnliches kann man seit Jahren auch bei anderen Rohstoffen oder Währungen beobachten. Zieht man Terminmarktdaten als Indikator für prognostische Zwecke zu Rate, dann bietet eine beginnende Backwardation in den hinteren Monaten nach Abschluss einer Korrekturphase aussagekräftigere Filter.

Technische Analyse in Kurzform

Grafik 7: Gold in USD von 2008 bis 2012 (1 Preisstab = 1 Monat)
Gold in USD von 2008 bis 2012 (1 Preisstab = 1 Monat)

Gold bekommt zur Zeit Unterstützung von einer Langzeittrendlinie, die sich seit 2008 gebildet hat. Diese Kaufzone liegt zur Zeit bei 1612 $. Eine im September begonnene Korrektur bei 1920$ in Form eines Aussenmonats gefolgt von einem Innenmonat blieb ohne Durchbruch nach unten und erwies sich bis heute lediglich als Konsolidierung. Im Januar sehen wir ein weiteres Innenrange, welches sich innerhalb der Preisfluktuation des voran gehenden Monats bewegt. Bewegungen dieser Art deuten stets auf weitere Seitwärtsbewegungen. Diese fanden dann auch statt. Gold befindet sich zur Zeit neutral in der Mitte dieser Zone. Betrachtet man den Verlauf insgesamt, dann findet man keine Anzeichen von chaotischen oder randomisierten Bewegungen, die auf eine Topbildung deuten. Prognose: vor dem Hintergrund fallender Aktienmärkte weiterhin neutral bis steigend.

Abschließend vielleicht noch eine interessante Bemerkung von Harry Schultz aus dem Jahre 2003: „Wir stehen vor einer Derivatekrise von enormen Ausmaßen, die das jetzige Goldkartell zu Konfetti zerreißen wird".

Dinosaurier starben aus, weil ihnen die Lebensgrundlage durch Naturkatastrophen entzogen wurde, die sie nicht beeinflussen konnten. Die Möglichkeit, dass Finanzdinosaurier ihnen aus selbst verursachten Gründen folgen ist jederzeit gegeben. Befinden wir uns im Zeitalter eines ökonomisch – darwinistischen Transformationsprozess, bei dem kleinere, anpassungsfähigere Gattungen die größeren Überlebenschancen haben werden?

Johannes Forthmann
Johannes Forthmann ist deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Einige der in diesem Artikel beschriebenen Analysen basieren auf eigenen Verfahren und Datenquellen. Es wird keine Garantie für deren Richtigkeit übernommen.
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