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Aufschläge auf den Silberpreis haben sich bei Antiquitäten erhöht

von Wolfgang Prabel E-Mail 30.10.13 19:27:02

Seit genau 4 Jahren beobachte ich die Silberantiquitätenauktionen auf ebay. Gutes war schon immer selten und teuer. Das gilt auch für diesen relativ kleinen Markt.

Pro Woche kommen im deutschen ebay etwa 5.000 Silbergegenstände zur Versteigerung, wenn man mal alle versilberten Sachen und die Festpreisangebote wegläßt. Das Silbergewicht beträgt pro Woche geschätzt eine halbe Tonne, so daß im Jahr etwa 25 Tonnen Silber den Eigentümer wechseln dürften. Jedes dritte Angebot ist eigentlich für sogenannte Schmelzjäger bestimmt, da es sich um defekte, häßliche oder Kompositgegenstände aus verschiedenen Materialien handelt. Und Schmelzjäger sind im Internet auch tatsächlich unterwegs.

Bis vor zwei Jahren gab es folgende Chancen: Löffel und Gabeln konnte man für den aktuellen Silberpreis bekommen, bei sehr alten lötigen Bestecken mit Tremolierstrich war ein Aufschlag von 20 oder 30 % üblich. Auch konnte man Silberkannen oft für den Materialpreis bekommen. Sehr schöne und alte Tee- oder Kaffeekannen (England oder Frankreich um 1800) erzielten oft nicht mehr als den 1,5fachen Materialpreis. Leuchter waren schon immer etwas teurer, vor Jahren reichte ein Aufschlag von 300 Prozent auf den Materialwert, um sehr schöne Exemplare zu ersteigern.

Bei den derzeit ausgewiesenen Silberpreisen von 16 bis 17 € pro Unze war zu erwarten, daß sich die Aufschläge erhöhen, da die Anleger zukünftig mit höheren Silberpreisen rechnen und da die Relation zwischen dem Materialwert und dem künstlerischen Wert sich etwas verschoben hat.

Was jedoch passiert ist: Die Aufschläge auf den Materialpreis gehen in letzter Zeit durch die Decke. Für Barocklöffel wird oft das vier- bis fünffache des Materialpreises geboten. Zwei mittelprächtige Empire-Kerzenleuchter sind in der vergangenen Woche für das achtfache des Silberpreises versteigert worden. Das war durchaus keine seltene Ausnahme. Für Milch- und Sahnekännchen um 1860 wird neuerdings das dreifache des Grundpreises geboten. Englische Teekannen erreichen Gebote wie in den achtzíger Jahren. Auf der ganzen Linie sind Silberantiquitäten teurer geworden, und zwar teurer, als zu dem Zeitpunkt, als der Silberpreis sich bei 30 € bewegte.

Auch muß man feststellen, daß sehr hochwertige Angebote seltener geworden sind, als vor 2, 3 oder 4 Jahren. Die Verkäufer scheinen auf bessere Zeiten zu hoffen und ihre Angebote zurückzuhalten, wenn sie nicht von Miterben und sonstigen Plagen getrieben werden. Oder es ist schon viel enthortet worden und bei wirklichen Silberfreunden gelandet. Zusätzlich hat Präsident Hollande das Angebot verknappt, da französische Silberantiquitäten nicht mehr per Post versendet werden dürfen. Dazu hatte ich schon einmal einen Eintrag geschrieben. > Hier.

Viele Bieter auf Silbersachen sind relativ neu im ebay, woraus man folgern kann, daß es einige neue Freunde dieser Anlageklasse gibt. Wie schon geschrieben, es handelt sich um einen wirklich kleinen Markt, aber es ist ein Markt, welcher von Termingeschäften, Papiersilberspekulationen und Manipulationen der Regierungen frei ist. Keine Manipulationen, bedeutet nicht, daß es sich um eine betrugsfreie Zone handelt: Leider sind jeden Tag einige Silbergegenstände mit zweifelhaften und grob falschen Beschreibungen im ebay…

Der Autor betreibt die Seite Prabels Blog.

1 Kommentar

Kommentar from: Jürgen Kremser [Besucher]
*****
31.10.2013

Die Preissteigerung der Silberantiquitäten könnte darauf zurückzuführen sein, dass ganz allgemein die Sachwerte haussieren, weil das Euro-Experiment immer mehr zu wackeln beginnt, namentlich nach den schlechten Erfahrungen der Sparer in Zyern und den Vorschlägen des IMF für eine zehn-prozentige Sparerabgabe zur (untauglichen) Sanierung der Staats- und Bankfinanzen.

Ich beobachte auch, dass die Eigentümer von kleinen Ackerlandparzellen sich weniger gern von ihrem Vermögen trennen, höchstens bei akuten Liquiditätsproblemen.

Den Beamten der Grande Nation schwant vermutlich papiergeldmäßig das Ungemach.

Ungeheure Papiergeldmengen müssen jetzt abgestoßen werden vor dem Papiergeld-Kataklysmus von den derzeitigen Eigentümern.

Allein ca. 2 Billionen Dollar müssen die Chinesen abstoßen durch Käufe von Ackerland in Afrika, Industrieunternehmen in Europa oder Milchfarmen in Queensland. Und die Verkäufer dieser Sachwerte bekommen für den Verkaufspreis keine Bankzinsen mehr und wollen auch nicht das Problemgeld als letzte in der Hand behalten!

Da wollen die Beamten der Grande Nation lieber durch kleinliche Schikanen beim Postversand ihr Edelmetall im Inland behalten, auch um diese Werte im Ernstfall zur Not selbst konfiszieren zu können.
31.10.13 @ 06:06

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