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Im integrativen europäischen Haus fliegen die Fetzen

von Wolfgang Prabel E-Mail 13.05.14 20:27:03

Früher war es eine goldene Regel, daß die Außenpolitik nicht innenpolitisch instrumentalisiert wurde. Das wurde auch in Deutschland beachtet. Dazu hatte Deutschland auch gute Gründe. Die ersten Auslandreisen der Deutschen führten zu den ehemaligen Verbündeten oder in neutrale Länder wie Italien und Spanien und nicht nach den Besatzungsgebieten in Norwegen oder Griechenland. Willy Brandt machte im Ausland noch Kniefälle.

Wachsendes Selbstbewußtsein der deutschen Politik

Seit Helmut Schmidt wurde Deutschland etwas selbstbewußter und seit Gerhard Schröder wurde Germanien zum Lehrherren des europäischen Hauses. Deutschland rempelte gerne bei Nachbarn an, mit zahlreichen Staaten gab es ernste Verstimmungen. Die deutsche Politik hatte wegen dessen eurokritscher Haltung ein gespanntes Verhältnis zum ehemaligen tschechischen Präsidenten Klaus. Steinbrück drohte der Schweiz mit Kavallerie, der Sozialdemokrat Stegner beleidigte die Schweizer als verblödet. Es gab ein kritisches Verhältnis zur ehemaligen Regierung Österreichs wegen Teilnahme der Freiheitlichen. Mit Polen war das Verhältnis während der Regierung Kaczynski zerrüttet. Dänemark wurde während der Regierung Rasmussen wegen Teilnahme der Volkspartei scharf angegriffen. Die Niederlande wurden während der Mitwirkung von Wilders Partei für die Freiheit an der Regierung angegrantelt.

Vergleiche mit Stalin und Hitler aus nichtigem Anlaß

Inzwischen herrscht in Europa allgemein ein rüder Ton, den man sich vor 50 Jahren nicht vorstellen konnte. Immer mehr Vergleiche mit Stalin und Hitler machen die Runde. Und das meistens aus nichtigem Anlaß. Peer Steinbrück nannte den italienischen Oppositionsführer Grillo einen Clown. Grillo revanchierte sich und bezeichnete Steinbrück als Flegel. Martin Schulz griff in der Tastatur deutlich höher und verglich Grillo jüngst mit Stalin. Grillo revanchierte sich und porträtierte Schulz auf seinem Blog in SS-Uniform. Auch zwischen Schulz und Steinbrück einerseits und Berlusconi andererseits war es zu handfesten Beleidigungen gekommen.

Die Bundeskanzlerin, die sich selbst sehr zurückgehalten hat, wird im Ausland, insbesondere in der griechischen Presse, als Nationalsozialistin porträtiert. Auch französische und britische Boulevardorgane eiferten darin nach.

Von der Eigentumswohnung in die Kommune

Die politische Kultur verfällt mit der Alltagskultur schlechthin. Es gibt aber eine Veränderung, die die unschöne Vermischung zwischen Außen- und Innenpolitik stärker antreibt, als der Verfall der Höflichkeitsformen. Es ist die europäische Integration. Für die Euliten ist es ja gerade das Ziel die Nationalstaaten zu überwinden und Europa als Einheitsstaat zu führen. In einem europäischen Einheitsstaat gibt es natürlich auf Dauer keine Außenpolitik zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland. Alles wird schleichend zum Innenverhältnis.

Und in diesem neuen integrativen europäischen Haus fliegen die Fetzen. Man kann das alte Europa der EWG als ein Haus mit Eigentumswohnungen betrachten. Man mußte zum Dach einiges gemeinsam regeln, aber in der Wohnung konnte man vieles alleine entscheiden. Das Europa der EU ist eine Kommune. Alles was sich die Wohnungseigentümer dieses Hauses früher gegenseitig verschwiegen, wird zwischen den frischgebackenen Kommunarden genüßlich ausgebreitet. Man streitet sich um die Hausordnung. Die vornehme Distanz zwischen den Völkern geht verloren. Das Gezerre um Rettungsschirme, Bankenhaftung und Schuldenerlasse gleicht der Erbauseinandersetzung in einer zerrütteten Familie, wo das Testament angefochten wird. Das europäische Testament war der Vertrag von Maastricht.

Wir müssen uns leider auf längere brutalen Zank und böse Worte in Europa einrichten. Natürlich gibt es Hoffnung am politischen Horizont: Jede zerstrittene Kommune zerfällt irgendwann. Mit einem undiplomatischen Martin Schulz als Herbergsvater würde das relativ schnell gehen.

10 Kommentare

Kommentar from: Nikolaus [Besucher] E-Mail
*****
die Kommune zerfällt:
hoffentlich bald.
13.05.14 @ 22:47
Kommentar from: Reinhard [Besucher]
*****
Wunderbare Parabel ;-)
Ich wünschte, die fetzen sich so, daß sie in hohem Bogen auseinanderspritzen - um endlich wieder im regionalen Ruhebecken zu landen.
14.05.14 @ 00:21
Kommentar from: Stefan Sigler [Besucher]
Köstlich - Schulz vs Grillo. Schulz zeigt auf Grillo und ruft (alter Trick): "Da läuft der Dieb".

Bedenkt man, dass die BRD eine lückenlose Fortsetzung des 12-jährigen Reichs darstellt und die EU eine passable Umsetzung aus der NS-Gründerzeit, so sind all die häßlichen Vergleiche leider nicht aus der Luft gegriffen.
Sehr zu empfehlen hierzu die Videos von Dr. Matthias Rath.
14.05.14 @ 10:16
Kommentar from: Rafael [Besucher]
*****
Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz ;-)
14.05.14 @ 10:23
Kommentar from: ThoSie [Besucher]
*****
Das Grundproblem treffend beschrieben! Die EUliten mit der WallStreet und den Rothschilds als Feudalherren hatten NIE eine Europa der Vaterländer im Sinn! Ich geh sogar so weit zu sagen, daß der 2.WK, wenn nicht auch der 1., nur aus einem Grunde angezettlet wurde: Dieses Europa sollte schon lange vor 1945 zu den "U.S. of Europe" gemacht werden! Die Idee dazu kam übrigens von den Konzernen der späteren IG Farben! Die hatten als erste! ein Patent auf einen natürlich vorkommenden Stoff. Stickstoff und seine Verbindungen. Raten Sie alle mal, wofür das wichtig war? Ua. für die Giftgasproduktion. Es geht schlußendlich um den Einflußbereich der Banken die zwei WKe finanzierten und die Staaten verschuldeten und um die Konzerne, welche noch immer von Kriegen profitieren. Wo sitzt BASF heute nochmal? AAAHHH! In den USA! Wer gehört dazu? Monsanto! AAAHHH! Wer produziert ROUNDUP? Genau...!!!
Am Ende steht das Generalpatent auf die menchliche Schöpfung! Was glauben denn die Menschen, wozu der ganze Klon- und Genforschungssch..ß dient? Hat doch vorm 1.WK auch geklappt! Man braucht nur Demokratien mit käuflichen Politikern. Dazu hatte man jetzt fast 70! Jahre Zeit. Und? regen sich die Massen auf? Die werden stillgehalten mit Wohltataen des Staates wie Sozialhilfe und SV auf Pump.
Übrigens: Das heutige Modell der EU in seiner Systematik und politbürokratischen Form ist eine Idee eines ehem. BAYERAG-Vorstandes und wurde vom Reichswirtschaftsminister unter Hitler 1942(!) in einem Buch schon als Vision für ein Europa nach dem Krieg beschrieben. In der Konzernzentrale von Bayer (oder BASF, sorry) hängt ein Gemälde mit der Runde der damaligen Vorstände. Titel: Der Rat der Götter. Dämmerts endlich!
14.05.14 @ 10:32
Kommentar from: wolf [Besucher]
Der Film läuft folgendermaßen ab: Richtig Streß machen in der Ukraine, Kriegsgefahr heraufbeschwören, Ängste schüren, Lügen verbreiten, Schwarzweißmalerei und dann nach Berlin, ja, wir wollen nach Berlin. In Berlin dann ein Treffen mit der Finanzexpertin Merkel. Teilnehmer an dem Treffen sind, IWF, Weltbank, EU-Vertreter und eben unsere liebe Frau Merkel. Ziel der Besprechung: Geld aus dem Ärmel locken, nach dem Motto, wenn Deutschland schon keinen Krieg gegen Russland führen will, dann sollen wenigstens Dollars rollen und zwar nicht zu knapp. Ist doch ganz einfach und simpel, so wie immer!!! Und wetten, daß wieder Kohle fließt? Ja, so läuft es, die "Freunde" entscheiden und lassen sich feiern, und wir doofen Deutsche zahlen, halten die Fresse und kuschen. Währenddessen kurvt unser Außenminister durch Europa und macht sich vor den "Frei gewählten Vertretern der Regierung in Kiew lächerlich, bzw. zum Affen. Warum tut er sich das an? Ja, natürlich, weil ihm dann unsere unabhängigen, freien Journalisten dann feiern und zwar so richtig. Man ist das billig!
14.05.14 @ 12:13
Kommentar from: Jürgen Forbriger [Besucher]
Sagt's doch was es ist - EU = Faschismus!

Siehe Ukraine mit 5 Mrd. Dollar finanziert.
14.05.14 @ 14:03
Kommentar from: Günter Mader [Besucher]
*****
Kommentar von ThoSie: Wunderbar, klug und treffend. Man wünscht sich in dieser Bananenrepublik viel mehr solche klugen Köpfe. Vielen Dank!
14.05.14 @ 18:05
Kommentar from: Thomas Dorn [Besucher]
*****
Das europäische Haus brennt bereits lichterloh. Das wird bald so krachen wie seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr. Die Frage ist nur, wie dieser Krieg aussieht und wann er beginnt.
15.05.14 @ 01:25
Kommentar from: davido [Besucher]
****-
In Anknüpfung an ThoSies geniale Analyse stelle ich mir jetzt mal kurz vor, ich bin einer dieser Gottspieler. Was würde ich tun? Ganz einfach, man nehme die Gesamtheit aller Gentechnik-Erkenntnisse von Monsanto und Konsorten (die gehören mir 100%ig), verknüpfe diese Datenbankinhalte mit den Ergebnissen aus den NSA-Ausspähaktionen (Dossiers über jeden Erdenbürger). An der Gendatenbank wird noch gebastelt. Dann lassen wir mal beliebig viele Supercomputer (ich habe ja unendlich tiefe Taschen, denn die Gelddruckpressen sind auch mein) nach Korrelationsmustern checken. Endergebnis: Eine Art "Konformitätsgen". Jetzt nur noch die Willfährigen als Sklaven klonen bzw. züchten und das übrige, "unwerte" Genmaterial vernichten (wunderbar! erste Erfahrungen mit Letzterem gibt's schon aus den 40ern). Und fertig ist die Weltherrschaft über eine Zivilisation aus Zombies. Sorgen bereitet mir bei diesem Plan nur, dass - entgegen der gängigen wissenschaftlichen Lehrmeinung - der Mensch vielleicht doch mehr als bloß eine geistlose Ansammlung von Zellen ist. Wie gut, dass Medien und Bildungssystem auch unter meiner Kontrolle sind. Die Degradierung der Massen auf reines Reiz-Reaktions-Stimmvieh-Niveau geht dank systematischer Verblödung durch Einpflanzung abstruser Ideologien und abwegiger Begriffsauslegungen zügig voran. Die Statistiken aus den Wahlergebnissen zeigen mir glasklar, ich und meine Kumpels sind gut im Plan.
15.05.14 @ 06:39

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