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In Deutschland gibt es die Einheitskrankenkasse

von Wolfgang Prabel E-Mail 30.09.14 09:30:18

In der Schweiz ist gerade das Ergebnis einer Volksabstimmung über die Einführung der Einheitskrankenkasse bekannt geworden.

Grüne, Sozialdemokraten und Gewerkschaften hatten den Schweizern in einer Initiative die Abschaffung der 61 Krankenkassen empfohlen. Die Schweizer wollen jedoch mit großer Mehrheit von fast 62 % an der Vielfalt festhalten. Lediglich dreieinhalb Stände, so heißen bei Abstimmungen die Kantone, stimmten der linken Initiative zu.

Sind die Schweizer noch ganz dicht? Ich hatte als deutscher Unternehmer mit vier Betrieben und etwa 40 Beschäftigten jeden Monat ungefähr 20 Meldungen an verschiedene Kassen abzusenden und die entsprechenden Überweisungen zu tätigen, weil die Mitarbeiter die freie Kassenwahl haben und nicht dazu zu bewegen waren pro Betrieb alle in eine Kasse zu gehen. Zunächst hatte das noch Vorteile, weil die Mitarbeiter immer in die billigsten Kassen gewechselt haben. Seit Seehofer gab es keine billigen Kassen mehr, weil alle Unterschiede durch Quertransfers zwischen den Kassen ausgeglichen worden sind. Seitdem hatte ich mir die Einheitskasse gewünscht.

In der Schweiz sind die meisten Kassen landesweit aufgestellt, haben aber in jedem Kanton entsprechend dem Risikoprofil spezielle Tarife. Das heißt die Kassenmitglieder in Appenzell-Innerhoden zahlen viel weniger, als in Genf oder in Basel. Die Leute in der Deutschschweiz sind prinzipiell gesünder als die in der Romandie und Stadtluft scheint kränker zu machen als Landluft. Der Vorteil einer gesunden Lebensweise und sozialer Kontrolle auf dem flachen oder im gebirgigen Land wird in der Schweiz an die Mitglieder weitergegeben. In der Schweiz ist die Selbstverantwortung und damit auch die Selbstbeteiligung an den Kosten höher als in Deutschland.

Man kann natürlich spekulieren, welche Umstände das Leben in bestimmten Regionen teurer machen. Kostensteigernd sind im Gesundheitswesen eine hohe Zahl alter Chroniker, Mitglieder mit bestimmten sexuellen Praktiken und vor allem Psychopathen. Überall auf der Welt gibt es Leute, die die Apothekenzeitungen lesen und die darin beschriebenen Symptome nach einer Weile selbst entwickeln. Ausgebrannte gibt es seltsamerweise vor allem in der Stadt. Die ganze Klientel der Bachblütengurus, der Rauschgiftverkäufer, der Homöopathen und Wunderheiler ist im ländlichen Raum etwas seltener.

Hochprämienkanton mit 500 Franken monatlich im Durchschnitt ist Genf, gefolgt vom Kanton Waadt mit 450 Franken, von Bern und Basel. Die niedrigsten Durchschnittsprämien zahlen das ländlich-sittliche Appenzell-Innerrhoden mit knapp 320 Franken und Nidwalden mit 330 Franken. Diese Unterschiede resultieren natürlich nicht aus unterschiedlichen Einkommen in den Schweizer Regionen. Nidwalden hat dasselbe Durchschnittseinkommen wie Genf und Waadt unterscheidet sich kaum von Appenzell. Entsprechend den Prämien waren die Abstimmungsergebnisse: in Genf und Waadt stimmten 57 % für die Einheitskasse, in Appenzell-Innerrhoden 18 % und in Nidwalden 22 %. Es ist dasselbe Gezerre wie zwischen Frankreich und Deutschland in der Wirtschaftspolitik. Frankreich will von Deutschland ausgehalten werden und ebenso will die Romandie auf Kosten der Deutschschweiz zum Arzt gehen. In der Schweiz ging diese Rechnung auf Grund der geäußerten Volksmeinung nicht auf.

Was können wir von der Schweiz lernen? Vielfalt ist dann gut, wenn sie zu wirklichem Wettbewerb führt. Und wenn jeder seine Lebensweise selbst verantworten und bezahlen muß. Das ist in der Schweiz zumindest auf der Kantonsebene der Fall. In Deutschland machen die verschiedenen Kassen eigentlich keinen Sinn mehr, weil alle Unterschiede zwischen Regionen und Mitgliederklientels mit zahlreichen gesetzlich vorgegebenen Quertransfers zwischen den Kassen letztlich nivelliert werden. In Deutschland haben wir spätestens seit Seehofer die Einheitskasse, obwohl wir die Beiträge an 131 verschiedene Kassen überweisen müssen. Erhöhter Bürokratieaufwand bringt in Deutschland keinen Nutzen, weil eine gleichgültige und ahnungslose Politikerkaste in den Einheitsbrei verliebt ist. Wir brauchen auch in Deutschland Volksabstimmungen.

7 Kommentare

Kommentar from: Mike Michelsen [Besucher]
Guten Tag, nur zur Information: in der Schweiz wird die Krankenkasse von den Privatpersonen gewählt und bezahlt. Der Betrieb hat also nichts damit zu tun.
30.09.14 @ 10:09
Kommentar from: Wolfgang Prabel [Mitglied] E-Mail
Hatte ich auch nicht behauptet, in Deutschland wird die Krankenkasse ja auch von den Privatpersonen gewählt. Bei den Ersatzkassen hängt in Deutschland der Betrieb immer mit drin, wenn es zu bezahlen gilt. Mein Eintrag ist eigentlich mehr für Deutschland geschrieben.
30.09.14 @ 11:30
Kommentar from: gloeckl rainer [Besucher]
***--
Korrekt, wir brauchen dringend eine Volksabstimmung in allen Belangen.

Dem Ingeniöör ist halt nix zu schwöör.
30.09.14 @ 12:04
Kommentar from: davido [Besucher]
Und deshalb, Abschaffung aller Zwangsversicherungssysteme. Diese sind nicht nur ein Eingriff in einen potentiell freien Markt sondern auch in die Grundrechte und Freiheiten jedes Individuums. Der Staat erzieht seine Bürger aber lieber systematisch zu Unmündigkeit und Rundumabhängigkeit. Natürlich alles ganz uneigennützig und im Namen der Gutmenschlichkeit.
Wenn's nicht so offenkundig verlogen wäre könnte man fast darüber lachen.
30.09.14 @ 14:05
Kommentar from: wolf [Besucher]
Ja Wolfgang Prabel, Ersatzkassen? Wofür Ersatz? Das gab es vor tausend Jahren einmal. Unsere glorreichen Politiker haben diese Kassen längst abgeschafft, aber dann auf dem langen Weg der Beweihräucherung vergessen, die gesetzlichen Kassen zur Einheitsversicherung zusammen zufassen! Ja, einfach vergessen!!! So haben die heutigen Kassen fast alle noch einen sehr großen "Vertrieb" aufgebaut, der Kosten ohne Ende verursacht und doch keinerlei wirklichen Nutzen hat. Vertrieb, wofür??? Ja, um Mitglieder zu sammeln, die sich sowieso versichern müssen und zwar weil sie dazu vom Gesetz her verpflichtet sind. Natürlich will da Niemand ran, um diesen Blödsinn zu beseitigen, weil sie gar nicht über den Tellerrand blicken können. Das Verrückteste ist aber, daß Leistungen der Krankenkassen wie sauer Bier angeboten werden, die ja eigentlich nur von Erkrankten benötigt werden! Irgendwie Wahnsinn, oder? Wie kann es zum Beispiel der Gesetzgeber zulassen, daß große Geldmittel dafür verschwendet werden, um öffentliche Werbung durchzuführen? Hat schon der Bürger nachgedacht, wofür seine hohen Kassenbeiträge verdaddelt werden? Ich denke aber, der Bürger denkt nicht mehr nach, das überläßt er eben den Politikern und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Was mich persönlich besonders stört das Wort Patienten. Wieso Patienten? Hier handelt es sich um Kunden, die zum Teil so richtig abgezockt werden, schon einmal etwas Von IGEL-Leistungen gehört? Das sind Leistungen, die kein Mensch braucht, aber immer wieder schön angeboten werden. Es ist alles nur noch traurig.
30.09.14 @ 14:27
Kommentar from: Staatlicher Einheitsbrei nach EU "Vorbild"? [Besucher]
*****
Wenn sich jetzt noch neoliberale Gedanken durchsetzen, dann werden "alle" Krankenkassen privatisiert.

Deshalb kann ich auch nur warnen bei allen berechtigten Gründen die Sie beschrieben haben, sehr geehrter Herr Prabel die Kassen in eine Eiheitskasse über zu führen wie es zur Zeit faktisch praktiziert wird.

Ziel muss es sein so wie Sie es beschrieben haben die Quersubvetionierung der Kassen zurück zu führen und wieder Wettbewerb herzustellen.

Private Kassen sind höchst unsozial und im Alter unbezahlbar und sind deshalb abzulehnen!
01.10.14 @ 11:43
Kommentar from: Argentum [Besucher]
*----
Lieber Verfasser,

sie sollten sich hüten "Bachblütengurus" und "Homöophaten" im gleichen Atemzug mit Rauschgiftverkäufer zu nennen, ich gehe bei dieser Verknüpfung zu Ihren Gunsten von einem Versehen aus. Es besteht nicht nur der Hauch eines Verdachtes, dass Sie sich hier nicht an die "Nettikette" halten, - auf der anderen Seite liegt der Schluß nahe das Ihre Wesenszüge einen Touch Narzismuss beinhalten und Ihr Sendungsbewußtsein "andersdenkende" auf eine Stufe mit Kriminellen stellen - Sie sollten sich im eigenen Interesse selbst reflektieren oder reflektieren lassen - zu Ihrem Besten.
03.10.14 @ 02:54

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