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Dilettanten regulieren Banken

von Wolfgang Prabel E-Mail 21.02.14 21:48:38

Viele Banken beklagen sich über den Anlagenotstand. Das ist die Schwierigkeit, Kundeneinlagen sinnvoll, sicher und gewinnbringend zu verleihen. Die meisten Banken helfen sich mit dem Kreditersatzgeschäft, das heißt mit dem Verkauf von Finanzwetten und Finanzprodukten gegen Provision an ihre meistens ältere Kundschaft.

Wenn man den letzten Monatsbericht der Bundesbank von Januar 2014 liest, so fragt man sich: Kann das Bankgeschäft nicht auch ganz einfach und solide abgewickelt werden?

Die privaten Haushalte hatten am Jahresende 2012 2,01 Bio. € Bargeld und Einlagen bei Banken, die Unternehmen noch einmal 0,51 Bio. €, zusammen 2,52 Bio €.
Die privaten Haushalte hatten Kredite von 1,55 Bio.€, die Unternehmen eine Nettokreditaufnahme von 1,00 Bio. €, zusammen 2,55 Bio. €.

Gesamtwirtschaftlich stimmt die Summe der Bankeinlagen und der vergebenen Kredite überein. Woraus ergibt sich da der Anlagenotstand?

Wenn man sich die Bilanzen von Banken ansieht, so fällt sofort auf, daß viele Banken nicht einmal 50 % der Kundeneinlagen in Kredite verwandelt haben. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der volkswirtschaftlichen Ausgewogenheit von Einlagen und Krediten und der betriebswirtschaftlichen Umsetzung im einzelnen Geldinstitut.

Natürlich ist über Deutschland keine nationale Käseglocke mehr gestülpt. Kredite können auch von ausländischen Instituten vergeben werden, so daß es in Deutschland Anlagenotstand geben kann und gleichzeitig der Kreditbedarf gedeckt ist.

Eine Ursache des Überwiegens der Bankeinlagen über die Kredite auf betriebswirtschaftlicher Ebene ist die staatliche Regulierung des Bankwesens. Oder besser die dilettantische Regulierung. Kredite an Häuslebauer und Unternehmen müssen stärker besichert werden, als Kredite an Staaten, obwohl Kredite an den Staat tausendmal riskanter sind. Das beweist die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre mit drei großen Staatsbankrotten. Auch das zyprische Bankendesaster ist nicht durch Privatkredite verursacht worden, sondern einzig und alleine durch den Totalausfall von griechischen Staatsanleihen, die von zyprischen Banken gehalten wurden.

Die deutschen Banken pumpen sich wegen den geringen Besicherungsanforderungen mit Staatsanleihen voll, die sie teilweise als Fonds an die verehrte Kundschaft weiter verticken. Zwölf deutsche Großbanken halten alleine 314 Mrd. € deutsche Staatsschulden! Allen voran die LB Baden-Württemberg und die Norddeutsche LB. Mit der Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte sind die Banken dagegen zögerlich.

Das verhexte ist nun: Mit Krediten an Unternehmen werden Arbeitsplätze gesichert und wirtschaftliches Wachstum generiert. Mit Krediten an den Staat wird wirtschaftliches Wachstum abgewürgt. Denn die Zinsen dafür sind ein Aderlaß für die Unternehmen und deren Arbeitnehmer. Und nach jeweils etwa 30 bis 40 Jahren geht der Wert der Staatsanleihen stiften.

Den deutschen Finanzpolitikern von SPD und CDU muß man ins Stammbuch schreiben: Die Bevorzugung der Rentenpapiere (=Staatsanleihen) bei der Bankenregulierung ist eigensüchtig und dient nur der Aufrechterhaltung einer unsoliden Klientelpolitik, die Wähler mit gedrucktem Geld kauft und zu bestechen versucht. Das Geschäftsmodell der Parteien ist kriminell und das überträgt sich auf das Geldwesen.

Eine Bankenregulierung ist nur sinnvoll, wenn das Risiko von Anleihen realistisch abgebildet wird. So wie das jetzt gemacht wird geht es gar nicht. Bei einer effizienten Bankenaufsicht bilanzieren Kundeneinlagen und vergebene Kredite miteinander. Alles andere sind Auswirkungen planwirtschaftlicher Fehlsteuerungen und finanzpolitischer Käse. Es muß viel weniger reguliert werden, das wenige aber deutlich konsequenter, zielführender, effizienter und verantwortungsvoller.

Der Autor ist Betreiber von Prabels Blog. Die letzten Einträge betrafen Fragebögen zur Sexualität und einen griechischen Professor, der nicht lügt.

1 Kommentar

Kommentar from: Rakang Siang [Besucher]
***--
Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ erklärt, wie Lobbyisten von demokratischen Entscheidungen Besitz ergreifen – und auf lange Sicht die Wirtschaft ruinieren können.
21.02.14 @ 22:15

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